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Ist Gott grausam ???
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2009 9:37 pm Antworten mit Zitat

"Im Alten Testament ruft Gott die Israeliten mehrfach zum Mord an den Vökern auf, die in Palästina leben. Ist es das, was ich unter "Liebe und Barmherzigkeit" verstehen soll? "
Einleitung
Diese Frage enthält zwei Ebenen:
(1) Die eine ist die der Klärung anhand der biblischen Berichte
(2) Die zweite betrifft das Gottesbild, das durch solche auf den ersten Blick
grausamen Geschehnisse entsteht.

Ich möchte vor allem auch auf diese zweite Ebene eingehen und aufzeigen, welches Gottesbild hinter solchen Berichten, im Gesamtzusammenhang der Bibel richtig verstanden, tatsächlich steht.

(1a) Palästina und die Eroberung durch Israel
Das im Griechischen "palaistina" genannte Gebiet bezeichnete das heutige Israel und Teile von Jordanien, Libanon und Syrien und reichte vom Hermon bis zum Golf von Akaba, von der arabischen Wüste bis zum Mittelmeer. Die alttestamentliche Bezeichnung "Kanaan" meinte insbesondere das heutige Westjordanland, wird aber auch für einzelne Landesteile in Abgrenzung zum israelitisch besiedelten Gebiet verwendet. Die in diesem Gebiet siedelnden Stämme gehen laut 1.Mose 9,18.22 und 1.Mose 10,6 auf den Sohn Hams und Enkel Noahs, Kanaan, zurück.

Die kanaanitische Religion war geprägt vom Fruchtbarkeitskult, Anbetung von Sternen, Tempelprostitution und Menschenopfer. Was sich hier in ethnologischem Tonfall sachlich anhört, erfährt in der Bibel eine klare Wertung: Die kanaanitische Religion ist in Gottes Augen Götzendienst, weil sie von ihm, dem Schöpfer, wegführt und an seine Stelle Gegenstände und andere geschaffene Dinge setzt.

Diesen Sachverhalt muss man im Auge behalten, wenn man die Berichte über die Eroberungen Israels (die sogenannte "Landnahme") verstehen will. Die Landnahme Israels wird in den Büchern Josua bis Richter beschrieben und besteht aus zahlreichen Schlachten und Kämpfen. Erst durch Salomo, der die Kanaaniter zum Frondienst zwingt, finden die Konflikte ein Ende (1.Könige 9,20f).

(1b) Israel und sein heidnisches Umfeld
Die politische und militärische Auseinandersetzung mit den Kanaanitern hat für Israel eine wichtige geistliche Dimension. Ständig besteht die Gefahr, durch die kanaanitische Religion zum Götzendienst verführt zu werden und damit vom wahren Gott abzufallen. Innerhalb Israels ist Götzendienst bei Todesstrafe verboten. Vor diesem Hintergrund sind übrigens auch viele "seltsame" Verbote zu sehen (z.B. das Kochen eines Kalbes in der Milch seiner Mutter, 2.Mose 23,19): Es handelt sich hier um heidnische Rituale, insbesondere das Menschenopfer, wofür im Alten Testament die Formulierung „die Söhne durchs Feuer gehen lassen“ steht.

Und so ist die von Gott befohlene Ausrottung des Götzendienstes in Kanaan folgerichtig: Die Götzen werden als falsche Götter besonders bei Jesaja (z.B. Kapitel 42,Vers Cool verhöhnt und verworfen, besonders aber als machtlos entlarvt. Nach 1.Korinther 8,4 wird Götzendienst darüber hinaus als Dämonenverehrung verurteilt; hinter den menschlichen "Göttern" stehen oft satanische Mächte.

(1c) Gottes Geduld mit den Kanaanitern
Der Götzendienst in Kanaan hat eigentlich eine längere Geschichte: In 1.Mose 15 ergeht an Abraham die Prophezeiung, dass er und seine Nachkommen Kanaan verlassen und vierhundert Jahre lange in die ägyptische Unterdrückung gehen wird; danach, so heißt es in Vers 16, wird Israel in der vierten Generation nach Kanaan zurückkehren, "denn das Maß der Schuld des Amoriters ist bis jetzt nicht voll".

Hier redet Gott also bereits von der Sünde der Kanaaniter, und wenn Josua die Landnahme Israels beginnt, besteht der Götzendienst in Kanaan bereits vierhundert Jahre lang! In 2.Petrus 3,9 und Römer 2,4 wird diese Geduld Gottes mit den Sündern betont - und seine Barmherzigkeit, die lange auf die Umkehr der Menschen warten kann und will. Insofern aber hatte das Gericht, das die Israeliten über Kanaan brachten, auch die Funktion, zur Buße zu führen; die Kanaaniter hätten erkennen können, dass ihnen ihre Götzen gegen den Gott Israels nichts halfen - ein Wandel des Weltbildes, der heute noch in der Mission bei der Konfrontation mit okkulten Praktiken zur Erfahrung wird.

Das Urteil der Bibel ist eindeutig: Götzendienst bedeutet Abfall von Gott, Verehrung satanischer Mächte und stellt eine besonders schwere Schuld dar, die vor Gott eigentlich die Todesstrafe nach sich zieht. Ein Volk, das permanent in Götzendienst lebt, erfährt diese Schuld am eigenen Leib: Kultur, Gesellschaft und mitmenschlicher Umgang sind zerstörerisch davon geprägt (Römer 1,24-2Cool. Insofern haben die kanaanitischen Stämme eine schwere Schuld auf sich geladen., und insofern ist die Ausrottung des Götzendienstes als ein Gericht Gottes zu sehen – so befremdlich uns dieser Gedanke in unserer pluralistischen Gesellschaft vielleicht auch vorkommen mag. Ein derartiges Gerichtshandeln Gottes ist im Alten Testament kein Einzelfall. Übrigens erleidet auch Israel selbst durch die selbstherrlichen, gottlosen Chaldäer dieses Gericht Gottes (Habakuk 1,6-11).

(2) Gott im Alten und Neuen Testament
Für unser Gottesbild bedeutet das: Man darf nicht einen "alttestamentlichen Rachegott" gegen einen "neutestamentlichen Gott der Liebe und Vergebung" ausspielen; Gott ist im Alten und im Neuen Testament ein und derselbe.

Es gilt vielmehr, zwei Wesenszüge Gottes zusammenzudenken:

Die Gerechtigkeit Gottes, die in den geschichtlichen Gerichten im Alten Testament sichtbar wird (aber auch vom stellvertretenden Opfer Jesu Christi aus Liebe zu uns Menschen her verstanden werden muss).

Die Liebe Gottes, die sich bereits im Alten Testament in Gottes vierhundert Jahre lang dauernden Geduld mit Kanaan zeigt und besonders in Jesus Christus sichtbar wird (aber auch vor dem dunklen Hintergrund der zerstörerischen Macht der Sünde und der ewigen Verlorenheit des Menschen gesehen werden muss).

Solange wir Gott seine Gerechtigkeit als Grausamkeit vorwerfen und von ihm verlangen, er solle doch „einfach so“ vergeben, aus der Blindheit der Liebe heraus, solange verkennen wir unseren eigenen Zustand. Wir verkennen, wie abgrundtief uns unsere Schuld von Gott trennt und wie unausrottbar unsere Feindschaft gegen Gott dadurch im Innern unseres Menschseins verankert ist. Dass Gott uns dennoch liebt und alles getan hat, um uns den Rückweg aus der Gefangenschaft in uns selbst frei zu machen, bedeutet nicht zugleich, dass Gott dadurch ein gutmütiger Liebhaber ist, der - blind vor Liebe - nicht anders könnte als zu vergeben und alles in eine kosmische Harmonie zurückzuführen.

Fazit: Wie ist Gott?
Ob es uns nun passt oder nicht: Genau das, ist der Gott der Bibel! Wir können an ihn glauben oder nicht, aber wenn wir uns entschlossen haben, an ihn zu glauben, dann müssen wir ihn so sehen, wie er ist. Und dann müssen wir auch davon ausgehen, dass unsere Sicht von Gerechtigkeit, von Barmherzigkeit, Vergebung und all den anderen Dingen, die uns im Grunde zu hoch sind, verzerrt ist.

Verzerrt, weil wir Menschen sind, die in einer Welt und mit einem Ich aufgewachsen sind, das von Gott naturgemäß nichts weiß – und auch nichts wissen will. Und dann müssen wir auch bereit sein zuzugeben, dass wir nicht wirklich wissen, was Gerechtigkeit in Wahrheit ist, und unsere Sicht korrigieren zu lassen. Da geht es mir persönlich nicht anders: Wir tun gut daran, unsere Einwände zunächst zurückzustellen und uns um ein Verständnis zu bemühen anstatt Gott einfach anzuklagen und abzuurteilen.

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© 2009 ERF OnlineQuelle: www.nikodemus.net/438
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