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Scholl-Latour im idea-Interview.
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
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BeitragVerfasst am: Mi Dez 19, 2012 11:14 am Antworten mit Zitat

Scholl-Latour im idea-Interview

„Das Böse steckt tief im Menschen“

Der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour.

Wetzlar (idea) – Gegen eine zu optimistische Weltsicht wendet sich der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour. In einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar/Mittelhessen) sagte er: „Das Böse steckt tief im Menschen. Wir leben in einem darwinistisch denkenden Zeitalter. Eine Religion oder Weltanschauung, die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, muss scheitern.“ Der 88 Jahre alte Scholl-Latour hat fast alle Länder der Welt bereist und ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor. Nach seiner Erkenntnis erlebt die Menschheit ständig neue Ausbrüche des Bösen. Sie zum Guten zu führen, hätten weder die Kommunisten geschafft, noch gelinge es jetzt den US-Amerikanern. Die Vereinigten Staaten seien nicht in der Lage, den Irak, Afghanistan oder Somalia in den Griff zu bekommen. Sie hätten ihr ursprüngliches Ziel, Frieden, Demokratie und Menschenrechte zu bringen, weit verfehlt und stattdessen Chaos angerichtet.

Kritik an deutscher Außenpolitik

Kritik äußerte Scholl-Latour auch an der deutschen Außenpolitik. Diese messe mit unterschiedlichem Maß. So würden Christen und Juden in Saudi-Arabien viel stärker diskriminiert als im Iran: „In Saudi-Arabien dürfen keine Kirchen und Synagogen gebaut und keine Gottesdienste gehalten werden, und der Besitz einer Bibel steht unter Strafe. Der Iran lässt das alles zu – aber er gehört zu den Ländern, die wir anprangern. Nach Saudi-Arabien liefern wir ohne Bedenken Hunderte von Leopard-2-Panzern, während wir gegen den Iran eine Sanktion nach der anderen verhängen – die im Übrigen viel weniger Wirkung haben, als man meint.“ Nach Scholl-Latours Überzeugung sind Boykottmaßnahmen zutiefst unmoralisch: Sie träfen vor allem die einfache Bevölkerung und bewirkten politisch nichts.

Auslandseinsätze der Bundeswehr tragen „Züge der Lächerlichkeit“

Er nahm auch Stellung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Deutschen stolperten in militärische Abenteuer wie den Afghanistan-Einsatz hinein. Dort trage die deutsche Kriegsführung „Züge der Lächerlichkeit“. Scholl-Latour: „Sie ist – rein militärisch gesehen – völlig unzulänglich. 80 Prozent der Truppe sitzen in den Camps und kommen nie raus. Jeden Abend rufen sie zu Hause Mutti an, aber haben noch keinen Krieg erlebt. Dabei habe ich völliges Verständnis für diese Jungs, die ihre Haut für eine unsinnige Sache zu Markte tragen müssen.“ Man könne Freiheit anderen Staaten nicht aufzwingen.

Von Christenverfolgung will kaum jemand etwas wissen

Im Umgang mit Schurkenstaaten brauche Deutschland mehr diplomatisches Geschick. So sei es ein Fehler, dass Deutschland Patriot-Raketen in die Türkei schicke, die gegen Syrien aufgestellt werden. Dazu gebe es keinen UNO-Beschluss. Zwar dürfe man das Assad-Regime in Syrien nicht von seinen Gräueln freisprechen. Es sei jedoch das letzte säkulare Regime in der arabischen Welt und „unendlich liberaler“ als etwa Saudi-Arabien: „Die Christen konnten sich in Syrien frei entfalten, genauso wie es im Irak unter Saddam Hussein der Fall war. Inzwischen ist die Christenverfolgung in Syrien fast so schlimm wie im Irak – aber in Europa will davon kaum jemand etwas wissen.“

Europa wendet sich vom Christentum ab

Scholl-Latour sprach auch über die religiöse Lage. Die Welt befinde sich „in einer religiösen Gärung“. Eine Ausnahme bilde Europa. Scholl-Latour: „Machen wir uns keine Illusionen: Europa wendet sich vom Christentum ab, wird agnostisch, aggressiv aufklärerisch, atheistisch. Die Frömmigkeit wird weiter nachlassen und die Verhöhnung der Religion weiter zunehmen.“ Es sei eine Schwäche Europas, das in ihm immer mehr bekennende Atheisten lebten. Viele evangelische und katholische Geistliche hätten die Jenseitsbestimmung ihres Glaubens und die kirchlichen Lehren dem Zeitgeist geopfert. Sie neigten dazu, das Christentum auf eine humanitäre Philosophie oder auf eine Soziallehre zu reduzieren. Scholl-Latour: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“ Zur Frage, welchen Rat er den Kirchen gebe, sagte Scholl-Latour: „Sie sollten bei ihren ursprünglichen Lehren bleiben.“

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Verfasst am: Mi Dez 19, 2012 11:14 am



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