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Kampf gegen den Hunger
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
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BeitragVerfasst am: So Mai 25, 2008 8:49 am Antworten mit Zitat

Wenn das „tägliche Brot” im Tank landet

Seit einigen Monaten schnellen die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten derart in die Höhe, dass sich immer mehr Familien in der südlichen Hemisphäre das tägliche Brot nicht mehr leisten können. Ursachen für das Problem werden viele genannt: Börsenspekulanten, steigende Nachfrage nach Biosprit, veränderte Ernährungsgewohnheiten. Wie das Problem zu lösen ist, dazu hört man derzeit wenig Überzeugendes. Nun bringt ein Wirtschaftsprofessor ein bewährtes Instrument neu ins Gespräch. Ein Bericht von idea-Reporter Marcus Mockler.
Tank statt Teller
Benzin statt Brot, Tank statt Teller – um die landwirtschaftlichen Nutzflächen dieser Welt tobt momentan ein Kampf zwischen Energiekonzernen und Lebensmittelherstellern. In den USA wird bereits ein Drittel der Maisernte in Ethanol verwandelt. Sprit aus Pflanzen scheinen zukunftsträchtig. Die aufgeregten Debatten um den Klimawandel haben diesen Gedanken gefördert. Denn viele Experten sind der Ansicht, dass weniger Ausstoß von Kohlendioxid die Erderwärmung bremsen kann. Der Vorteil von Pflanzen ist, dass sie während ihres Wachstums die Kohlenstoffe binden, die sie später bei ihrer Verbrennung oder Zersetzung wieder an die Atmosphäre abgeben. Ihre Klimabilanz ist also nahezu neutral, während bei Öl und Kohle zusätzlich belastende Stoffe in die Atmosphäre geblasen werden.
Daraus macht die Europäische Union inzwischen Politik. Ziel ist eine staatlich verordnete Beimischungsquote für Biosprit zum Benzin von 10%. Eine Vorgabe, die für Thomas Hirsch (Stuttgart) vom evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ eher eine Horrorvision ist. Denn bei dieser Quote müssten rund 95% des Treibstoffs aus Pflanzen importiert werden – und für die Produktion von Essen gäbe es auf den Feldern dieser Welt kaum mehr Platz. Nach Einschätzung des Deutschen Sachverständigenrats für Umweltfragen würde in Deutschland allein zur Erfüllung eines Agrokraftstoffanteils von 6,75% bis 2010 bereits „das gesamte verfügbare Flächenpotenzial beansprucht“.

Weizen verbrennen?
In den Kirchen hat das Verheizen von Nahrungsmitteln bereits zu ethischen Debatten geführt. Es ist ein gruseliger Kontrast, auf der einen Seite die aufgeblähten Bäuche hungernder Kinder zu sehen, auf der anderen Weizen, der in den Flammen aufgeht. Fritz Schroth, Leiter der Christlichen Gästehäuser Hohe Rhön, Mitglied der bayerischen Kirchenleitung und Agrarexperte, nennt das Verheizen von Getreide einen „Tabubruch in der Menschheitsgeschichte“. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel) sieht es anders. Sofern Restgetreide oder minderwertiges Korn verwendet werden, sei diese Form der Energieerzeugung durchaus ethisch. Denn viele Jahre lang lag der Marktpreis für Weizen unter seinem Heizwert. Andererseits rechnet Alexander Hissting von der Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ vor: „Mit 300 Kilogramm Getreide kann man zwei Tankfüllungen Sprit produzieren oder einen Menschen ein ganzes Jahr ernähren.“

Kleinunternehmer in Not
Für den Aufbau gesunder wirtschaftlicher Strukturen in Entwicklungsländern ist die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln Gift. So jedenfalls sieht es das christlich-humanitäre Hilfswerk „Opportunity International“, das in fast 30 Staaten an 1,1 Millionen Kreditnehmer Mikrokredite (in durchschnittlicher Höhe von 137 Euro) vergibt. Die Kleinunternehmer (85% sind Frauen) geraten jetzt zusehends in Schwierigkeiten, das Geld zurückzubezahlen. Hat eine fünfköpfige Familie in Kolumbien Ende vergangenen Jahres noch rund 5.000 Pesos für Nahrungsmittel ausgegeben, so sind es heute etwa 8.000 Pesos. „Die Moral unserer Leute wird mancherorts untergraben“, berichtet Pressesprecher Thomas Wöstmann (Bielefeld). In Ruanda seien beispielsweise viele Menschen entmutigt, mit dem Gewerbe weiterzumachen, weil sie das Gefühl hätten, den Kleinkredit nicht mehr abbezahlen zu können. Wöstmann geht davon aus, dass sich in den am stärksten betroffenen Ländern die Rückzahlungsquote von 97%, die „Opportunity“ durchschnittlich hat, in nächster Zeit nicht halten lässt. „Bei uns steht der christlich-soziale Ansatz im Vordergrund – wir müssen mit den Krediten kein Geld verdienen. Wenn es den Leuten hilft, dann können wir vorübergehend auch mit einer niedrigeren Rückzahlungsquote leben“, so Wöstmann.

Mitschuld der Politiker
Seltener tauchte in den Debatten die Schuld von Regimes der Dritten Welt und der Subventionspolitik von EU und USA auf. Dass ein marxistischer Diktator wie Robert Mugabe Simbabwe als einstige Kornkammer des südlichen Afrikas zu einem Importland für Nahrungsmittel herunterwirtschaften konnte, bleibt ein Skandal. Hier ist der Hunger absolut hausgemacht. Dasselbe gilt für andere Länder insbesondere in Afrika. Andererseits ist es ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem, dass die Industriestaaten mit Subventionen für die Landwirtschaft die Weltpreise kaputt machen und den Aufbau gesunder Wirtschaftssysteme in der Dritten Welt verhindern.
In einem flammenden Artikel für den „Tagesspiegel“ (Berlin) hat der Ernährungsbeauftragte der Vereinten Nationen, der Schweizer Jean Ziegler, den Finger in diese Wunde gelegt: „Die Industriestaaten ... haben ihren Landwirten und Viehzüchtern im Jahr 2007 mehr als 350 Milliarden Dollar an Subventionen für Produktion und Export ausbezahlt ... Die Konsumenten [im afrikanischen Dakar] können dort je nach Jahreszeit Gemüse und Obst aus Portugal, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland usw. kaufen – und zwar zu einem Drittel oder zur Hälfte des Preises der gleichwertigen einheimischen Produkte. Einige Kilometer entfernt arbeitet der afrikanische Bauer mit seiner Frau und seinen Kindern bis zu 15 Stunden pro Tag bei glühender Hitze – und hat nicht die geringste Aussicht, dafür ein anständiges Mindesteinkommen zu erhalten.“ Laut Welternährungsorganisation könnte die weltweite Landwirtschaft zwölf Milliarden Menschen ernähren. Ziegler schließt daraus: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“

Ausweg Lebensmittelscheine?
Wirtschaftsprofessor Werner Lachmann von der Universität Erlangen-Nürnberg sieht die Subventionierung genauso kritisch, stellt aber auch die verbreitete Hilfe durch Abgabe von Lebensmitteln in Frage. „Nahrungsmittelhilfe macht kaputt – sie ist ein Verbrechen an den Menschen der Dritten Welt“, sagt er. Lachmann befürwortet zwar Katastrophenhilfe für Menschen, denen wie in Birma aufgrund eines Wirbelsturms die Grundlagen entzogen worden sind. Generell müssten die Länder aber in den Zustand versetzt werden, sich selbst zu versorgen, was jedoch durch EU-Subventionen und Lebensmittelgeschenke verhindert werde. Um den Aufbau der Landwirtschaft zu fördern, schlägt Lachmann die Einführung von Lebensmittelscheinen vor. Diese sollen aber nicht – wie in Deutschland Lebensmittelmarken nach dem Zweiten Weltkrieg – zugeteilt werden. Vielmehr sollen sie den Einkauf billiger machen.
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