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Der Mutter Trost
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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Di Dez 23, 2008 9:47 pm Antworten mit Zitat

Gedanken zum Monatsspruch
Der Mutter Trost

Musikbeflissene haben beim Monatsspruch für Dezember mit dem Jesaja-Wort „Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ sofort das ergreifend beruhigende Sopransolo im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms im Ohr. Brahms schrieb sein Requiem auf entgegen der lateinischen Tradition ins Deutsche übertragene Bibeltexte tatsächlich unter dem Eindruck des Todes seiner von ihm außerordentlich verehrten Mutter. Bei ihm stehen also Mutter-Trost und Mutter-Liebe ganz konkret im Vordergrund.

Beim Lesen des Kontextes unseres Monatsspruchs wird aber noch Weiteres deutlich: Der Mutter Trost ist für Jesaja ein Bild, mit dem er etwas anderes ausdrücken will, ohne dabei die Gegebenheit der Mutterliebe in Frage zu stellen. Diesen heilsamen und befriedenden, mütterlichen Trost erfahren jene, die Gott so ehren, wie es Gott gebührt. Gottes Gebote will Jesaja erfüllt haben. Die Unreinen werden dieser göttlichen Fürsorge nicht teilhaftig. Die Rechtschaffenen aber dürfen zu Zions und Jerusalems Kindern werden.

Der Jesaja-Text steht also in mehreren Schnittflächen: Zwischen Gottferne und Gottnähe, zwischen Gott-Vater und Mutter Jerusalem, zwischen Hoffnung und Zerfall, zwischen Erlösungsprophetie und Verderben. Und schließlich noch zwischen Nomaden-Land und der Stadt.

In Zion und Jerusalem als Stadt und Stätte Gottes und des Gottesvolks finden wir das Bild des Weiblichen. Dies ist für die ansonsten patriarchalisch orientierten Juden ungewöhnlich, die sich im übrigen ihren Gott ja männlich – eben als Gott-Vater – vorstellen. Hier dürfen die rechtschaffenen Kinder der Heimstatt Jerusalems sich an den Brüsten der Gottes-Stadt ergötzen, daran saugen und satt werden. Jesaja bemüht noch weitere Mutter-Bilder für die Rechtgläubigen: Sie werden auf den Arm genommen, sie werden auf den Knien gehalten. Auch da haben wir wieder das bergende Bild der Mutter mit ihren Kindern.

Vorbei also die Klage über die Verderbnis der Stadt, die als „Stadtklage“ in Altertums-Kulturen üblich war und bis ins 20. Jahrhundert der Großstadt einen faden Beigeschmack mitgab. Zion wird zur Feste des rechten Glaubens.

Noch ein weiteres kommt zu den idyllischen Mutter-Bildern unseres Textes hinzu: Friede wird verhießen. Insofern enthält das Umfeld des Textes auch etwas Weihnachtliches. „Siehe, ich breite aus den Frieden bei ihr wie einen Strom“, heißt es in dem unserem Monatsspruch voraus gehenden Vers. Die Stadt der Rechtschaffenen und Rechtgläubigen ist also etwas Ideales, zu dem man hinauf schaut, an dem man sich erfreut und ergötzt. Dein Feinden des Herrn indes droht der Zorn dieses Herrn. Da sind wir wieder in der männlichen Welt von Rivalität und Unterschiedlichkeit, von Hervorhebung und Abweisung.

Wir aber dürfen am Beginn der Weihnachtszeit getrost von „Tochter Zion“ singen. Auch in dem beliebten Adventslied haben wir wieder den Bezug zur weiblichen Familienrolle. Ausgedrückt wird hier jedoch die Freude über die Ankunft des Heilands und Versöhners in der Weihnachtszeit. Ursprünglich war hier sogar der Einzug Jesu an Palmsonntag zur Vollendung seines Erlösungswerks gemeint:

Tochter Zion, freue dich,

jauchze laut, Jerusalem!

Sieh, dein König kommt zu dir;

Ja, er kommt der Friedefürst.

Tochter Zion, freue dich,

jauchze laut, Jerusalem!

Wir schließen diese Andacht mit dem Hinweis auf einen anderen großen Musikheroen. Hat doch kein geringerer als Georg Friedrich Händel, dessen 250. Todesjahr wir 2009 feiern, die zugehörigen Melodiezeilen bereits 1747 für seine Oratorien „Josua“ und „Judas Makkabäus“ vertont. Die frohgemute Melodie unterlegte später der Theologe Johann Heinrich Ranke 1826 seinen Adventsversen „Tochter Zion, freue dich“.

Autor: Kurt Witterstätter
http://www.erf.de/4760-542-2653-Artikel.html
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Verfasst am: Di Dez 23, 2008 9:47 pm



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