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Amoklauf: Was bewegte den Amokläufer zur Tat?
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Fr März 13, 2009 5:57 pm Antworten mit Zitat

Was bewegte den Amokläufer zur Tat?

Killerspiele: Ein Teil des Problems.

Fassungslosigkeit bleibt nach dem Amoklauf von Winnenden. Wie konnte es zu dem Amoklauf kommen? Befand sich der Täter in einer psychische Extremsituation, die durch Unzurechnungsfähigkeit und absolute Gewaltbereitschaft gekennzeichnet war?

Amokläufe haben nach Ansicht des Kinderpsychologen Wolfgang Bergmann viel mit Leistung und Versagensangst zu tun. Zwar gebe es bisher keinen wissenschaftlich belegten Typus des Amokläufers, „Aber in den letzten Jahren konnte man sehr gleichförmige Entwicklungen bei diesen Tätern beobachten." Am Anfang stehe meist die Entwertung des Selbstwertgefühls: „Die Schüler werden auf Leistung getrimmt, das erzeugt auch Ängste." Dann folge die frühe Selektion in der Schule, was wiederum am Selbstbewusstsein kratze.

Ähnlich sieht es auch der Psychologe Jens Hoffmann. Warnsignale seien etwa Gewaltfantasien oder die Identifikation mit anderen Amokläufern. Dies hätten Fallanalysen seines Instituts von Amokläufen in verschiedenen Ländern ergeben. „Ein Amoklauf steht immer am Ende einer Lebenskrise, bei der alle individuellen Versuche, sie zu meistern, versagt haben", meint der Psychologe. Der Tatort Schule werde gewählt, weil dort meist der Bruch in der Biografie des Täters beginne. „Die Schule wird als Ort des Scheiterns und der Demütigung empfunden, selbst wenn das objektiv nicht stimmt". Entscheidend sei, dass „potenzielle Täter andere Amokläufer glorifizieren", sagte Hoffmann. Diese würden etwa im Internet wie Helden verehrt. Oft würden solche Warnsignale aber nur an Mitschüler oder Freunde ausgesendet. Daher könne es sein, dass die Eltern am wenigsten davon mitbekämen.

Schule keine zufällige Wahl für Amoklauf
Nach Auffassung des Jugendforschers Klaus Hurrelmann sei die Schule als Tatort sei kein „Zufallsort". Der jugendliche Täter müsse dort schwere Benachteiligungen und Zurücksetzungen erfahren haben, erläuterte der Professor der Berliner Hertie School of Governance. Die Schule sei „die Einrichtung, wo eine Kränkung passiert ist". Lehrer müssten ein Gefühl dafür bekommen, wenn sich Kinder zurückziehen oder depressiv werden. Von April bis September 2008 sei der Täter in einer Klinik psychiatrisch wegen einer Depression behandelt worden. Eine ambulante Therapie habe er allerdings nicht fortgesetzt. Auch Risikolisten an den Schulen über gefährdete Schüler hält der Jugendforscher für sinnvoll.

Nach Erfahrung der Psychotherapeutin Isabella Heuser will ein Amokläufer mit seiner Tat einen grösstmöglichen Schockeffekt erzielen. In der Regel handele es sich bei den Tätern um zurückgezogene junge Männer, die vieles in sich hineinfressen. Sie hätten in der Regel Demütigungen erlitten, jedoch nicht gelernt, sich mitzuteilen.

Ein Autor in einem Blog mahnt: „Teens haben fast immer eine schlechte Presse, aber manchmal, wenn sie jemanden zum Sprechen brauchen, sollten wir zuhören." Und er zitiert aus dem Verhör eines jungen Manne, der seine Mutter und zwei Studenten umgebracht hatte. „Aufmerksamkeit schenken. Sich einfach hinsetzen und mit mir reden, habe ich am meisten vermisst".

Eine weitere Gemeinsamkeit
Nebst diesen psychologischen Erklärungen, gibt es meistens eine weitere Gemeinsamkeit unter den bisheriegen Jugendlichen, welche solche Amokläufe starteten: Gewaltspiele. Bei einer Hausdurchsuchung in Tims Elternhaus beschlagnahmten die Beamten mehrere Computer. Nach Angaben von Polizeisprecher Nikolaus Brenner wurden typische Ballerspiele gefunden. Ein Freund: „Er liebte Ballerspiele wie ,Counterstrike‘, schaute auf dem Computer auch Horrorfilme. Es würde mich nicht wundern, wenn er vor der Tat die ganze Nacht am PC geballert hat, morgens von dem Amoklauf in den USA gehört hat - und dann loszog zur Schule." Polizeisprecher Klaus Hinderer bestätigte: „Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike auf dem Computer gefunden." Andere Bekannte oder Nachbarn sprachen laut n-tv von einer grossen Sammlung von Horror- und Gewaltvideos.

Kriminologe verlangt Total-Verbot von Gewaltspielen
Der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung Hans-Dieter Schwind hat nach dem Amoklauf von Winnenden ein totales Verbot von Computer-Gewaltspielen sowie eine weitere Verschärfung des Waffenrechts gefordert. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der Professor für Kriminologie: "Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können."

Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt» zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in Unterhaltungsmedien. Download Petitionsbogen

Kommentar
Hilflos der Gewalt ausgeliefert?

Von Bruno Graber
Gewalt findet einen Nährboden, wenn sie einfach geduldet wird oder wenn Gefühle unterdrückt werden. Andere Aspekte sind die Suche nach Identität und die Lust auf Grenzüberschreitung. Fehlende Vorbilder wirken sich sehr stark auf dieses Verhalten aus. Die Liste der Ursachen ist lang und vielfältig.

Greifen wir ein Punkt heraus. In den letzten Jahren wurde eine neue Stufe der Gewalt mit dem Aufkommen der Videospiele erreicht. Der Unterschied zum Fernsehen ist der, dass nun die Gewaltanwendung nicht mehr «nur» passiv angeschaut wird, sondern dass derjenige, der das Videospiel handhabt, aktiv den Schaden verursacht, indem er selber den Auslöser für die Gewalttat tätigt.

Bei den Medien sind wir alle in einer Umbruchsituation. Internet, Computerspiele, Videos sind unserer Kontrolle häufig entzogen. Die Kinder können von Eltern und Lehrpersonen nicht rund um die Uhr überwacht werden. Das Netzwerk am Bildschirm ist offen. Alles kann von irgendwoher ins Netz eingespeist werden. Es ist dadurch auch Kindern möglich, jederzeit Pornos oder rechtsextreme Ansichten abzurufen. Trotzdem sind wir dem nicht total ausgeliefert.

Erziehende haben die Pflicht, den Jugendlichen im Umgang mit den neuen Medien behilflich zu sein. Eltern und Lehrkräfte müssten sich dringend medienpädagogisch weiterbilden. "Einen Zusammenhang zwischen Spielen und realer Gewalt gibt es nicht", so das Ergebnis einer industriefreundliche These vom Nicht-Einfluss der sogenannten Killerspiele. Jedes Mal, wenn publik wird, dass ein jugendlicher Amokläufer, ein grosser Fan von Killerspielen war, wird beschwichtigt. Diese Verharmlosung entspricht jedoch nicht der Wirklichkeit.

Mediengewalt erzeugt Gewalt
Brutale Computerspiele erhöhen nach den Worten des Kriminologen Christian Pfeiffer die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen. Allerdings setze Gewaltbereitschaft auch ein entsprechendes soziales Umfeld voraus: «Am schlimmsten ist, wenn man gewalttätige Freunde hat.»

Manfred Spitzer von der Universitätsklinik für Psychiatrie in Ulm ist der Meinung: „Also, da muss man sehr klar sagen, dass es diese Zusammenhänge gibt und dass die auch erforscht sind. Wir wissen heute, dass virtuelle Gewalt entweder passiv übers Fernsehen rezipiert wird oder noch schlimmer, aktiv eingeübt am Videospiel, tatsächlich gewalttätig macht. "Ein friedfertiger Mensch, der viel Videospiele spielt, ist am Ende gewaltbereiter als ein eher gewaltbereiter Mensch, der gar nichts spielt. Das ist nachgewiesen."

Das kann doch bei den Kindern nicht so einfach vorübergehen. Mediengewalt erzeugt Gewalt und Aggression im täglichen Leben. Kinder lernen, Gewalt im alltäglichen Leben zu akzeptieren, Brutalität mit Vergnügen und Aufregung zu assoziieren, Töten nicht ernst zu nehmen, ja, sie lernen, dass Töten etwas Akzeptables ist.

Was können Eltern tun?
Haben Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht wahrgenommen? Eins steht fest, die Hauptverantwortung für die Entwicklung und Erziehung von Kindern liegt bei den Eltern mit allen hieraus resultierenden Konsequenzen. Diese Verantwortung kann weder an die Schule noch sonstigen Institutionen delegiert werden. Tatsache ist jedoch, dass es Eltern in der heutigen Zeit nicht mehr möglich ist, umfassend über den Medienkonsum (Computerspiele, Videofilme, Internet, Handy) ihrer Kinder informiert zu sein. Oft wissen die Eltern auch gar nicht, wie sie den Konsum altersgerecht regeln können. Darum braucht es einerseits eine schweizweit einheitliche Regelung im Jugendmedienschutz, andererseits jedoch auch eine Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit Unterhaltungsmedien bei Kindern, Jugendlichen und Eltern durch Bund und Kantone.

Kann mit rechtlichen Bestimmungen der Konsum von Unterhaltungsmedien durch Kinder und Jugendliche unterbunden werden? Verbote alleine bringen nichts. Sie können lediglich Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer sich Erziehende, Kino- und Fernsehbetreibende, Spielehersteller und Händler orientieren können. Man sollte jedoch das tun, was möglich ist.

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Verfasst am: Fr März 13, 2009 5:57 pm



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