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’Wir sind schlimmer behandelt worden als Tiere’
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
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BeitragVerfasst am: So Apr 19, 2009 3:13 pm Antworten mit Zitat

’Wir sind schlimmer behandelt worden als Tiere’

Über Verlauf und Gründe der Christenverfolgungen in Orissa spricht der indische Erzbischof Raphael Cheenath im Interview mit Markus Frädrich.

Cuttack-Bhubaneswar (kath.net/Steyler Mission) Raphael Cheenath SVD ist Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar im indischen Bundesstaat Orissa. Zurzeit ist er zu Gast in Deutschland, um von den Christenverfolgungen in seiner Heimat zu berichten, bei denen 2007 und 2008 118 Menschen getötet und rund 1800 verletzt wurden und große Teile der kirchlichen Infrastruktur zerstört wurden. Markus Frädrich traf den Erzbischof am Rande eines Vortrags in der Prokur der Steyler Mission in Sankt Augustin.

Markus Frädrich: Erzbischof Cheenath, die Unruhen in Orissa begannen 2007 mitten im Weihnachtsfest…

Erzbischof Cheenath: Richtig, am 24. Dezember im Dorf Bamunigam. Sie trafen uns völlig überraschend. Es begann damit, dass ein Mob radikaler Hindus unsere Weihnachtsdekoration abriss und anschließend gezielt Christen und ihre Geschäfte angriff. Abends zerstörten die Angreifer Kirchen und die Häuser hunderter Christen. Diese Welle der Gewalt hielt mehrere Wochen an, dann herrschte einige Monate lang Ruhe, bis sie im August 2008 erneut aufkeimte. Wieder kam es zu Angriffen, Zerstörungen, Vergewaltigungen und Plünderungen.

Insgesamt wurden bei den Verfolgungen in Orissa 2007 und 2008 214 Kirchen, Kapellen und kirchliche Einrichtungen zerstört. 118 Menschen wurden getötet, 1.800 verletzt. 54.000 Menschen mussten in die Wälder flüchten, wo sie zum Teil bis heute in provisorischen Camps leben.

Wie haben Sie selbst die Unruhen erlebt?

Es war schlimm für mich zu erleben, wie all das zerstört wurde, was wir in den letzten 25 Jahren aufgebaut haben. Jeder Anruf mit der Hiobsbotschaft, dass wieder eine unserer Einrichtungen brannte, wieder Menschen zu Tode gekommen sind, war ein neuer Schock für mich. Ich
selbst konnte Kandhamal erst einen Monat nach Beginn der Krawalle besuchen, unter vollem Polizeischutz. Vorher war mein Flug dreimal
annulliert worden, weil meine Reise als „zu gefährlich“ eingestuft worden war.

Sie haben verletzte Priester und kirchliche Mitarbeiter im Krankenhaus besucht…

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meinen Finanzdirektor Pater Bernard Digal im Krankenhaus besucht habe. Er war aus dem Auto gezerrt und zusammengeschlagen worden und erlag wenig später seinen Verletzungen. „In vielen Ländern genießen selbst die Tiere Freiheit und Respekt“, sagte er vor seinem Tod noch zu mir. „Aber wir im Bezirk Kandhamal sind schlimmer behandelt worden als Tiere. Und ich möchte,dass die Welt erfährt, was uns zugestoßen ist.“

Gab es keinerlei Hilfe für die verfolgten Christen von Seiten des indischen Staates?

Die Intervention des Staates geschah viel zu langsam und willkürlich. Straßenblockaden wie etwa gefallene Bäume dienten als Entschuldigung dafür, dass die Polizei nicht rechtzeitig vor Ort war. Wir sind wiederholt bei der Regierung und der Bezirksverwaltung vorstellig geworden, haben immer wieder die Polizei um Hilfe gebeten. Die hat uns dann ihr Kommen zugesichert. Aber sie kam niemals.

Die Regierung des Landes und die indischen Medien wachten erst auf, als der Premierminister öffentlich außerhalb Indiens auf die Situation in Orissa angesprochen und dem internationalen Licht ausgesetzt wurde.

Warum ist es überhaupt zu den Angriffen auf Christen gekommen?

Die Gründe, die von den anti-christlichen Protagonisten gegen die Christen vorgebracht werden, sind vielfältig. So wird behauptet, dass die Christianisierung Indiens zu einem Verlust des historischen Erbes Indiens führen würde. Die Fundamentalisten stellen uns als Gefahr für das gesamte Land dar, sagen etwa, dass wir Christen in fünf Jahren ganz Indien einnehmen würden – lächerlich angesichts der Tatsache, dass gerade mal 2,4 Prozent der Bevölkerung dem Christentum angehört. Zudem behaupten sie, wir würden zur Feier der Heiligen Messe das Blut von Kühen benutzen, die im Hinduismus als heilige Tiere gelten.

In Wahrheit sind wir Christen ihnen vor allem deshalb ein Dorn im Auge, weil wir für die Menschenrechte der Unberührbaren eintreten – und damit in den Augen der Fanatiker das Kastensystem ins Wanken bringen.

Wie ist die aktuelle Lage in Orissa? Hat sich die Situation beruhigt?

Seit zwei Monaten gibt es keine offene Gewalt mehr. Abgesehen davon, dass vor zwei Wochen ein Mann entführt und getötet worden ist – die
Gründe für diese Gewalttat sind aber noch unbekannt. Die Anzahl der Flüchtlinge ist zurückgegangen, manche sind in ihre Dörfer zurückgekehrt, aber die Christen werden trotzdem weiter schikaniert.

So müssen Christen für die Rückkehr in ihr Dorf 501 Rupien bezahlen. Wenn ein Christ mit dem Fahrrad fährt, muss er absteigen und zu Fuß gehen, wenn er einem Hindu begegnet. Christen müssen den Hindu-Bewohnern salutieren, wenn sie ihnen begegnen und ihnen wird mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, wenn sie weiter in die Kirche gehen. So dürfen sie dann kein Feuerholz sammeln, ihnen wird der Zugang zu Brunnen und bestimmten Geschäften verwährt.

Es gibt also immer noch Spannungen in Orissa. Was erwarten Sie in dieser Situation von der indischen Regierung?

Die Ursachen der zurückliegenden Verfolgungen müssen erforscht und die Schuldigen bestraft werden. Die Distriktadministration in Khandamal
hat unsere Grundprobleme immer noch nicht angefasst – es gibt also noch viel zu tun. Bisher wurde noch kein neues Land für Häuser und Institutionen zugeteilt, obwohl der Ministerpräsident und die Distriktadministration dies versprochen hatten. Dörfer im Inneren des Landes werden noch immer ohne Polizeischutz alleingelassen.

Es wurden bisher noch keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um das Anzünden von Häusern zu unterbinden und die Zwangsbekehrungen von Christen zu Hindus zu stoppen. Noch immer werden Christen unter Todesdrohung dazu gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, wonach sie aus freiem Willen wieder Hindus werden. Ich habe also einen Brief an alle Gläubigen geschrieben mit dem Inhalt, dass eine Bekehrung unter Zwang keine Bekehrung sei – und dass alle Zwangsbekehrten auch weiter Christen bleiben, auch wenn sie notgedrungen unterzeichnet haben.

Seit Monaten reisen Sie durch die Welt und berichten von den Ausschreitungen in Orissa. Wie reagieren die Menschen in Europa und Amerika auf ihre Vorträge?

Viele sind überrascht zu hören, wie brutal die Angriffe waren. Viele können gar nicht glauben, dass so etwas in Indien passiert ist, dem Land Ghandis, der für Frieden und Gewaltlosigkeit stand. Manche sagen mir ihre Unterstützung zu, was mich sehr freut. Ich bin überwältigt von der großzügigen Antwort der Kirche in Indien, von den bischöflichen Organisationen wie auch von Einzelnen.

Denn man kann uns unterstützen: Indem man Druck auf die indische Regierung ausübt, uns in Zukunft besser beizustehen. Indem man für uns betet. Und schließlich, indem man uns finanziell dabei unterstützt, die zerstörten Häuser wieder aufzubauen.

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Verfasst am: So Apr 19, 2009 3:13 pm



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