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Verbrechen im Namen der "Ehre"
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Di Sep 01, 2009 12:47 am Antworten mit Zitat

Kadriye versucht, ihrem Bruder zu entkommen. Sie hat jedoch keine Chance, da sie im fünften Monat schwanger ist. Ihr Bruder holt sie ein und ermordet sie auf offener Straße mit einem Messer.

Kadriye hatte die Ehre ihrer Familie verletzt, weil sie von einem Verwandten vergewaltigt und schwanger wurde. Der Vergewaltiger hatte den Wunsch der Familie abgelehnt, Kadriye zu heiraten.

Um die Ehre der Familie zu retten, sah ihr Bruder keinen anderen Ausweg, als Kadriye mit dem Einverständnis der gesamten Familie zu töten.

Hohe Dunkelziffer

Der "Ehrenmord" von Kadriye im Südosten der Türkei ist kein Einzelfall. Jährlich werden nach einer Studie des UN-Weltbevölkerungsbericht circa 5.000 Mädchen und Frauen in mindestens 14 Ländern im Namen der Ehre ermordet. Darunter sind Pakistan, Jordanien und die Türkei.

Die Dunkelziffer ist allerdings sehr viel höher, weil die wenigsten Fälle vor Gericht gebracht werden. Häufig wird der Mord als Unfall oder Selbstmord getarnt. Außerdem mischen sich Außenstehende in den seltensten Fällen ein. Die Bereinigung der Familienehre wird als Familiensache angesehen. Auch die Polizei schaut dabei häufig weg.

Die Täter haben mit geringen Strafen zu rechnen - vorausgesetzt, sie werden überhaupt gefasst und verurteilt. In einigen Ländern existieren spezielle Gesetze, die eine starke Strafmilderung oder sogar einen Freispruch für "Ehrenmörder" ermöglichen. Diese Gesetze gelten allerdings nur für Männer. Frauen aber, die einen männlichen Verwandten töten, haben mit langen Gefängnisstrafen oder der Todesstrafe zu rechnen.

Kein religiöses Phänomen

Verbrechen im Namen der "Ehre" sind keine religiösen Phänomene. Denn keine Religion legitimiert diese schweren Menschenrechtsverletzungen oder schreibt sie gar vor.

Auch in Deutschland geschehen Verbrechen im Namen der "Ehre" innerhalb von Migrantenfamilien.

In vielen traditionell patriarchalischen Gesellschaften ist die Ehre der gesamten Familie abhängig von dem keuschen Verhalten der weiblichen Familienangehörigen. Verhält sich ein Mädchen oder eine Frau nicht dem traditionellen Frauenbild gemäß keusch und zurückhaltend, hat sie nachhaltig die Ehre der gesamten Familie verletzt.

Kaum ein Verhalten ihrerseits kann die Ehre der Familie danach wiederherstellen. Nur der Mord oder die Verstoßung der "Schuldigen" würden die Familienehre bereinigen.

Die Familienehre steht über dem Leben

Dabei genügt der kleinste Anlass, um die Ehre der Familie in Gefahr zu bringen. Es reicht schon aus, wenn ein Mädchen einem Fremden zulächelt oder auch nur das Gerücht aufkommt, dass eine Frau ein außereheliches Verhältnis hat.

Daher werden Mädchen und Frauen streng überwacht. Verstöße gegen die Unterordnung der Frauen werden mit Misshandlung und Verstoßung, schlimmstenfalls mit dem Tod geahndet.

Die Männer haben in patriarchalischen Gesellschaften die Aufgabe, auf ihre weiblichen Familienangehörigen aufzupassen und die Familienehre notfalls mit Gewalt wiederherzustellen.

Männer sind dabei Täter wie Opfer zugleich, da häufig minderjährige Brüder der Frau vorgeschoben werden, die jeweilige Tat zu begehen. Der gesellschaftliche Druck ist dabei so groß, dass auch sie sich häufig nicht entziehen können. Frauen sind oftmals an der Tatvorbereitung beteiligt. Die eigentliche Tat jedoch wird von den Männern ausgeführt.

Ehrverbrechen in Deutschland

Auch in Deutschland haben Migrantinnen unter Gewalt im Namen der Ehre zu leiden. In einer neuen und ungewohnten Umgebung halten die Familien häufig besonders stark an Traditionen und Wertvorstellungen fest. Insbesondere die Frauen sollen nicht mit der teilweise als verwerflich wahrgenommenen Umwelt in Kontakt kommen, um die Familienehre nicht zu gefährden.

Es bilden sich so genannte Parallelwelten, in denen die Familien aus dem jeweiligen Kulturkreis zusammenleben. Sie grenzen sich von ihrer Umwelt ab, um besser die Verbindung zu ihrer Heimat und Kultur aufrecht zu erhalten.

Im Zwiespalt der Traditionen

Junge Frauen stehen häufig allein zwischen zwei Welten. Zum einen, weil sie ihrer Familie gerecht werden wollen und müssen, zum anderen, weil sie sich der neuen Umwelt anpassen möchten. Sie wollen in ihrem neuen Kulturkreis, in dem sie aufgewachsen oder sogar geboren sind, wie jede andere junge Frau leben. Dies wiederum führt zu Konflikten mit der Familie, die die neuen Lebensgewohnheiten und Ansichten der Frau oder des Mädchens nicht akzeptieren will.

Genaue Zahlen, wie viele Mädchen und Frauen im Namen der Ehre in Deutschland unterdrückt, misshandelt, zwangsverheiratet oder sogar ermordet werden, gibt es bisher nicht. Es kann aber von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Denn nur die wenigsten haben den Mut, sich gegen die patriarchalische Gewalt aufzulehnen und Hilfe von außen zu suchen. Alleine in den letzten zwei Jahren haben sich bei Terre des Femmes 364 Mädchen und Frauen gemeldet, die von Zwangsheirat und/oder von Gewalt im Namen der Ehre bedroht waren.

Die Öffentlichkeit wird aufmerksam

Obwohl Ehrverbrechen seit langem existieren, ist die internationale Öffentlichkeit erst seit relativ kurzer Zeit darauf aufmerksam geworden: Seit den Neunzigerjahren werden Ehrverbrechen in Berichten und Resolutionen der Vereinten Nationen regelmäßig erwähnt und verurteilt.

In den Ländern, in denen Ehrverbrechen geschehen, gibt es seit einigen Jahren zunehmend Nichtregierungsorganisationen und Initiativen, die Präventionsarbeit leisten. Sie helfen den Betroffenen und kämpfen dafür, dass die Täter angemessen bestraft werden. Diese lokale Arbeit zeigt erste Erfolge, ist aber immer wieder durch Rückschläge gekennzeichnet.

Weiterhin setzen international arbeitende Nichtregierungsorganisationen Regierungen mit Hilfe von Petitionen und Protestaktionen unter Druck. Sie klären die Öffentlichkeit auf und liefern Hintergrundinformationen für Schattenberichte sowie Resolutionen von unterschiedlichen Gremien.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes sensibilisiert die Bevölkerung und klärt in Deutschland durch breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit zum Thema "Gewalt im Namen der Ehre" auf. Es finden internationale Protestaktionen, Fortbildungen, internationale Kongresse und Theateraufführungen statt. In den letzten Jahren konnten wichtige Fortschritte erzielt werden.

Auch die Politik ist auf das Thema aufmerksam geworden. Viele Parteien und Gremien fordern besseren Schutz für die Betroffenen und rufen Präventionsmaßnahmen ins Leben.

(Autorin: Myria Böhmecke, Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e.V. Tübingen)

Kontext
Terre des Femmes - Gewalt im Namen der Ehre/Zwangsheirat
http://www.frauenrechte.de/tdf/index.php?option=com_content&task=section&id=19&Itemid=126

Ehrenmorde verhindern (REGIERUNGonline)
http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2006/02/2006-02-02-ib-zwangsverheiratungen-ehrenmorde.html

Tatmotiv Ehre - Vernetzung gegen Ausgrenzung
http://www.d-a-s-h.org/dossier/13/11_links.html

SIEHE AUCH.
http://www.youtube.com/watch?v=a1tNAF8EDU8
UND
http://www.youtube.com/watch?v=U2L1M03ZTXA
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Johannes 14,6.
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