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Opfer des Kommunismus :
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
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BeitragVerfasst am: Fr Nov 16, 2007 10:42 am Antworten mit Zitat

Opfer des Kommunismus 16.11.07
Wunder im Elend

Das einstige sowjetische Speziallager und spätere DDR-Gefängnis für Gewissensgefangene - das "Gelbe Elend" - in Bautzen. Deutlich zu erkennen ist in der Mitte die Kapelle. Das Bild ist eine Luftaufnahme von Bautzen I aus dem Jahre 1935. Foto: Hauptstaatsarchiv Dresden
Ihre Schicksale ähneln sich. Sie waren jung und sagten, was sie dachten. Einige von ihnen kritisierten öffentlich Missstände in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) oder in der gerade – 1949 – gegründeten DDR. Andere verteilten Handzettel oder gaben mal eine Zeitschrift aus dem Westen weiter. Für die sowjetischen Besatzer und das DDR-Regime Grund genug, sie zu verhaften und zu verurteilen. Was Christen im schlimmsten Gefängnis der DDR erlebten – in Bautzen - berichtet Matthias Pankau.
Einer von ihnen ist Oskar Stück. Er ist 82, aber er wirkt jünger. „Der Knast konserviert“, sagt der Berliner und lacht. 1950 studierte er in Jena Deutsch und Französisch. Eines Morgens wurde er von zwei Stasi-Leuten aus dem Bett geholt und festgenommen. Den Grund erfährt er zunächst nicht. Die beiden Herren fahren ihn nach Weimar und übergeben ihn dem sowjetischen NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten). Dort lässt man ihn nach einigen nächtlichen Verhören wissen, warum er hier ist – wegen angeblicher „Antisowjethetze“.

25 Jahre Strafarbeitslager
Stück, der Mitglied im Fakultätsrat war, hatte Zeitschriften wie „Der Monat“ oder „Die Tarantel“ verteilt, die DDR-kritisch ausgerichtet waren. Eine Kommilitonin, die einige Wochen vor Stück verhaftet worden war, hatte nach nächtelangen Verhören seinen Namen genannt. Stück streitet die Vorwürfe zunächst ab. Doch die Russen lassen nicht locker. Schließlich drohen sie, seine Frau zu verhaften, sollte er sich nicht schuldig bekennen. „Da hatte ich keine andere Wahl mehr.“ Im Januar 1951 - zwei Monate nach seiner Verhaftung – wird Oskar Stück zu 25 Jahren Strafarbeitslager verurteilt.

Das Schlimmste
Ähnliches hat der heute 79-jährige Bodo Skrobek erlebt. Er wurde bereits 1948 verhaftet. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in einer verbrecherischen, illegalen Organisation und Verbreitung antisowjetischer Hetzparolen. „Die Untersuchungshaft war das Schlimmste“, erinnert er sich. Vier Monate lang wird er im Untersuchungsgefängnis des NKWD in Dessau in Einzelhaft festgehalten. Nach endlosen nächtlichen Verhören, Schlafentzug, Hunger, körperlichen Misshandlungen, zwei Scheinhinrichtungen und der Drohung, seine Eltern zu verhaften, unterschreibt er schließlich ein seitenlanges russisches Protokoll. Daraufhin wird er im November 1948 zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Endstation „Gelbes Elend“
Stück und Skrobek sind zwei von etwa 35.000 Deutschen, die von Sowjetischen Militärtribunalen zwischen 1945 und 1954 in Geheimprozessen verurteilt wurden – in der Regel zu 25 Jahren „Besserungs-Arbeitslager“. Wer „Glück“ hatte und nicht nach Sibirien verschickt wurde, für den hieß die Endstation oft Bautzen I – wegen der Klinkerfarbe der Gebäude im Volksmund „Gelbes Elend“ genannt. Das Gefängnis war von 1945 bis 1950 sowjetisches Speziallager. Dort waren Männer und Frauen aus allen Gesellschaftsschichten und jeden Alters eingesperrt – vom Bauern bis zum Universitätsprofessor, 17- wie 70-Jährige. So traf Bodo Skrobek dort den Pfarrer aus seinem Heimatdorf im Harz wieder. Sein „Vergehen“: In einer Predigt über das Zehnte Gebot hatte er die Bodenreform von 1949 als „organisierten Bandenraub“ bezeichnet, was einem Zuhörer nicht gefallen haben muss. Auch darauf standen 25 Jahre.

Bis 1950 rund 4.000 Tote
Viele überlebten die katastrophalen Bedingungen im „Gelben Elend“ nicht. Die Haftbedingungen waren unmenschlich. Bis 1950 starben allein etwa 4.000 Gefangene an Unterernährung, Tuberkulose und anderen Mangelkrankheiten. Sie wurden in anonymen Massengräbern bestattet; 1992 wurden bei Grabungen die sterblichen Überreste von 180 Menschen gefunden. Viele Gefangene plagten während ihrer Zeit im „Gelben Elend“ auch Selbstmordgedanken. Besonders gefürchtet war der Karzer. „Was das bedeutete, kann ein Außenstehender kaum nachvollziehen“, erzählt Bodo Skrobek, der 14 Tage Karzer bekommen hatte, weil er zusammen mit Kameraden in der Zelle geraucht hatte. In der Karzer- Zelle, die etwa zwei mal zwei Meter groß war, musste man sich bis auf die Unterhosen ausziehen. Der Ablauf sah so aus: Die ersten drei Tage gab es nichts zu essen, keine Sachen, keinen Strohsack und keine Decke zum Schlafen. Dann kam ein „guter Tag“, an dem man etwas bekam, danach wieder zwei schlechte Tage ohne alles. „Das waren die schlimmsten Tage meiner gesamten Haft“, erinnert sich Skrobek. Bei minus 15 Grad Außentemperatur hockte Skrobek halbnackt in der Zelle. „Nach zehn Tagen und Nächten hatte ich nur noch den Wunsch zu sterben.“ Wie er die zwei Wochen überlebt habe, weiß er heute nicht mehr. Nach den zwei Wochen konnte er weder gehen noch stehen. Abgemagert bis auf die Knochen musste er anschließend zurück in die Gemeinschaftszelle getragen werden.

Pfarrer lange unerwünscht
Obwohl es in Bautzen eine große Anstaltskirche gab, waren Pfarrer oder Seelsorger lange unerwünscht. Der erste Gottesdienst fand dort Weihnachten 1947 mit dem sächsischen Landesbischof Hugo Hahn statt. Einen Einschnitt brachte das Jahr 1950, als die Volkspolizei der DDR das Lager übernahm. Um den demokratischen Schein der neuen DDR-Verfassung zu wahren, erlaubte sie Katholiken und Protestanten Anstaltsgottesdienste sowie individuelle Gefangenenseelsorge durch den jungen Anstaltspfarrer Hans-Joachim Mund, auf den sich evangelische Kirche und SED einigten. Er war ursprünglich religiöser Sozialist und besaß sowohl das Vertrauen der Partei – im Zentralkomitee der SED war er zuvor Referent für Kirchenfragen gewesen – als auch das der Kirche. Von den Gefangenen erfuhr Mund bald, dass es in den Sälen, in denen bis zu 400 Gefangene untergebracht waren, illegale Chorgruppen gab. Und weil der hochkirchlich geprägte Mund die Gottesdienste festlicher gestalten wollte, setzte er bei der Anstaltsleitung durch, dass zwei dieser Saalchöre in seinen Gottesdiensten mitwirken durften – sein Dienstrang als Volkspolizei-Oberrat (Offizier) half ihm dabei. Bei seinen monatlichen Besuchen brachte er den Sängern neue Noten mit.

Es gab keine Toiletten
Ab Sommer 1950 fanden etwa einmal monatlich evangelische und katholische Gottesdienste mit dem neuen ökumenischen Kirchenchor statt. Was der Anstaltsleitung allerdings ein Dorn im Auge war: Im gemeinsamen Chor konnten sich die Häftlinge verschiedener Säle miteinander austauschen. Außerdem bestand die Gefahr, dass andere Insassen religiös beeinflusst wurden. Es musste eine neue Lösung gefunden werden. So wurden die 48 Chormitglieder im November 1951 kurzerhand in eine Sammelzelle im Westflügel verlegt. In der etwa 7 mal 10 Meter großen und 3 Meter hohen Zelle gab es keine Toiletten, sondern lediglich zwei Holzkübel. Geschlafen wurde auf doppelstöckigen Holzpritschen mit Strohsäcken. Doch das Interesse an der Musik und der Wunsch, die Gottesdienste mitzugestalten, schweißten die Männer zusammen und machten die widrigen Umstände erträglich.

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Verfasst am: Fr Nov 16, 2007 10:42 am



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