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'Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt'
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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
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BeitragVerfasst am: Do Jan 28, 2010 2:05 pm Antworten mit Zitat

"Wie schnell sich die Meinung der Menschen wechseln kann, sehen wir am heutigen Evangelium" - Betrachtungen zum 4. Sonntag im Jahreskreis von P. Dr. Bernhard Sirch

Wie schnell sich die Meinung der Menschen wechseln kann, sehen wir am heutigen Evangelium. Jesus ist in der Synagoge von Nazareth: „seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete“ (Lk 4,22). Jesus hielt eine Rede und unmittelbar darauf, nur 6 Verse später, lesen wir: „Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen“ (Lk 4, 28.29). Damit sind wir mitten in der Gegenwart.

Ob in der Politik oder in der Kirche, in der Pfarrei, oder auch in der Familie: Menschen bemühen sich redlich und tun alles, was sie können und finden „bei allen Beifall“. Dann kommt irgendetwas und die Meinung ändert sich blitzschnell. Das Gute wird nicht mehr gesehen. An der weißen Wand wird nur noch auf einen dunklen, kleinen Fleck gestiert. Wie bei Jesus heißt es dann: “Sie gerieten alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinab-stürzen“ (Lk 4, 28.29).

Schauen wir die Situation Jesu an: Es kommt ein scheinbarer beiläufiger Satz: und sie sagten: “ist das nicht der Sohn Josefs? (Lk 4, 22). Auf diesen Satz reagiert Jesus sehr heftig, wir würden sagen, völlig undiplomatisch. Aber: in dem Ausdruck „Sohn Josefs“ ist der Christologische Streit grundgelegt, der im Konzil von Nizäa 325 den Abschluss fand. Für die Bürger von Nazareth ist es schwierig Jesus als Sohn Gottes anzusehen. Neid und Missgunst werden wohl auch eine Rolle gespielt haben. Sie kennen doch Josef als einen einfachen Mann, wie kann dann sein Sohn so reden und dass sie alle darüber staunten: “wie begnadet er redete“ (Lk 4,22). Die beiden Tatsachen: Sohn eines einfachen Mannes, des Josef und das begnadete Reden Jesu bringen die Bürger nicht in Einklang; deswegen sind die Bürger aufgebracht und erregen sich.

Lassen wir uns vom Evangelisten Lukas in diese Problematik einführen, um einen Hinweis für eine Lösung zu bekommen: Am Ende des vorhergehenden Kapitels wird bei der Taufe Jesu berichtet: „Der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf Jesus herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Lk 3, 22).
Bei der Versuchung Jesu wird deutlich gesagt, wessen Sohn Jesus ist: „Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiel diesem Stein, zu Brot zu werden“ (Lk 4, 4,3). In der gleichen Versuchungsgeschichte heißt es nochmals: „Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab“ (Lk 4, 9).

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Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, warum Jesus so entschieden auf die Feststellung „Josefs Sohn“ reagiert. Die Mitbürger von Nazareth finden zwar für die Worte Jesu Beifall, aber sie sehen in Jesus nur den Sohn Josefs. Die Meinung der Bewohner von Nazareth ist weit entfernt von dem Bekenntnis des Petrus, der auf die Frage Jesu: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich“ antwortet: „Für den Messias Gottes“ (Lk 9, 20). Damit haben wir auch für unser persönliches Beten einen entscheidenden Hinweis, dass wir zu Jesus als dem Sohn Gottes beten.

Die Bürger von Nazareth vermissen in Nazareth den Beweis, die Legitimation zu solchem Auftreten: „Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat“ (Lk 4, 23). Jesus aber kann keine Wunder tun, weil sie ihn ablehnen. Dies spürt Jesus und sagt: „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt“ (Lk 4, 24).

Jesus bringt dann zwei Beispiele von Elija und Elischa. Diese klare Sicht ihrer Einstellung treibt die Mitbürger zu einer hasserfüllten Tat: „Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen“ (Lk 4, 28.29). Eine ähnliche Situation erlebt Jesus am Palmsonntag: Zuerst Hosianna-Rufe und am Karfreitag: "Kreuzige ihn".

Was Jesus erdulden mußte, geschieht heute millionenfach in den Familien, Betrieben, in Staat und Gesellschaft. Bisweilen wird das Leben eines Menschen durch Mobbing zerstört, wie es die Bewohner von Nazareth mit Jesus tun woll-ten. Dies ist umso grausamer, wenn es durch die eigenen Leute geschieht, um einen Menschen zu strafen. Friedrich Nietzsche schrieb in seinem Werk: Also Sprach Zarathustra: "Also aber rate ich euch, meine Freunde: misstraut allen, in welchen der Trieb zu strafen mächtig ist!" Besonders auf religiöser Ebene wird bisweilen unter dem Vorwand für das seelische Heil verantwortlich zu sein, gestraft, was aber nichts anderes ist als: "Strafen" als Vorwand um grausam sein zu dürfen mit gutem Gewissen im Namen Gottes. Niemand hat das Recht, einem "Sträfling" das ganze Maß an Menschlichkeit abzuerkennen, das es einem Menschen wegnehmen kann (Nietzsche: Victor Hugo, Die Elenden).

Ein "Bestrafter" sucht Hilfe bei Gott, vor allem wenn er am Tiefpunkt der auferlegten Aussichtlosigkeit angekommen ist und nur die Kraft Gottes zum Durchhalten befähigt. In den Konzentrationslagern gab es ein Meer von so "Bestraften", Verurteilten, die in durchlebter Aussichtlosigkeit zu Gott flehten.

Besonders im 3. Reich mußten viele Juden ins KZ und wie Jesus Ölbergstunden durchleben. Ich rufe das auserwählte Volk auf, auf Ihren großen Sohn, Jesus, zu schauen. Er gibt die Möglichkeit, das in den KZs Erlittene in neuem Licht zu sehen. Gerade in der frei gewählten Hingebung an den Willen des Vaters kommt in Jesus als dem Schmerzensmann die göttliche Kraft zum Vorschein. Christus erweist seine göttliche Kraft, seine Gottheit im Leiden, im Erleben seiner Menschwerdung in der tiefsten Erniedrigung und menschlichem Leiden. Wir sind aufgerufen das Leiden Christi mitzutragen, aus dessen Poren am Ölberg nicht nur Wasser, sondern Blut drang beim Erleben der zu erwarteten menschlichen Aussichtslosigkeit.

Die Kirche verehrt dieses kostbarste Blut Jesu, das am Ölberg und Kalvarienberg vergossen wurde und uns die Liebe Gottes zu uns Menschen zeigt, da er seinen eingeborenen Sohn hingab, um uns von unseren Sünden zu erlösen. "Zwar wurde er in seiner Schwachheit gekreuzigt, aber er lebt aus Gottes Kraft. Auch wir sind schwach in ihm, aber wir werden zusammen mit ihm vor euren Augen aus Gottes Kraft leben" (2 Kor 13, 4).

Gottes Kraft wünsche ich den vielen Menschen: wenn man heute in die Familien und Berufswelt schaut, muß man sehen, dass es nicht nur das Familienidyll gibt, sondern Menschen müssen in KZs der Familien und Berufswelt leben, wie mir dies in Gesprächen mit aus der steigenden Zahl von Suizidgefährdeten klar wurde.

Zurück zum Evangelium: In Nazareth kam es nicht zur Ausführung, Jesus vom Abhang des Berges hinabzustürzen: „Jesus aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg“ (Lk 4, 30). Jesus kehrt seiner Vaterstadt den Rücken. Die Evangelien wissen von keinem zweiten Auftreten Jesu in Nazareth. Seinen Jüngern gibt Jesus für diesen Fall folgende Anweisung: "Wenn euch aber die Leute in einer Stadt nicht aufnehmen wollen, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie" (Lk 9,5 Mk 6,11; Mt 10,14; Apg 13,51).

Wir sehen erneut und Jesus gibt uns für unser Tun ein Beispiel: Jesus ruft nicht zu Hass auf, sondern "schüttelt den Staub von euren Füßen" (Lk 9,5). Bringen wir dies fertig? Nur in dieser Gesinnung kommt unsere Seele zur Ruhe. "Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft" (Jes 40,31). "Gott der Herr ist meine Kraft" (Hab 3,19).
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