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„… wie wir vergeben unseren Schuldigern …” (I)
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Di Nov 27, 2007 2:18 pm Antworten mit Zitat

„… wie wir vergeben unseren Schuldigern …” (I)

Auch im Gefängnis Fort Zinna in Torgau saß Hansjörg Stephan unter schlimmen Bedingungen in DDR-Haft. Foto: Archiv DIZ Torgau
Wie geht man als Christ mit dem Thema Vergebung um, wenn einem Menschen schrecklichste Dinge angetan haben? Im Thema der Woche „Schuld und Vergebung“ berichten heute eine missbrauchte Frau und ein ehemaliger politischer Gefangener in der DDR (der völlig unschuldig zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde), wie sie mit Vergebung umgehen.
Kindesmissbrauch: Ich wäre fast daran zerbrochen
„... wie wir vergeben unseren Schuldigern ...“ Diese Bitte aus dem Vaterunser sollte ich als Christin beten, aber ich konnte es nicht! Ich hatte jahrelange Gewalterfahrungen hinter mir: Als Kind und sogar noch manchmal als Erwachsene bin ich geschlagen worden; meine Mutter drohte mir mit der Hölle („Wenn du jetzt nicht aufräumst und der Herr Jesus kommt heute Nacht, dann nimmt er dich nicht mit“); ich bin auch jahrelang vergewaltigt worden. Und das sollte ich als Christin einfach so vergeben? Ich war drauf und dran, meinen Glauben über Bord zu werfen, da bekam ich eine Spruchkarte von meiner Freundin zugesandt: „Gott kann zerbrochene Herzen heilen, aber dafür benötigt er alle Teile.“ Dieser Spruch ließ mich nicht mehr los, und ich war bereit, Gott alle Teile meines Lebens zu überlassen. Das bedeutete für mich, den Scherbenhaufen meines Lebens Gott zu übergeben - mit allem Zorn, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung über das Geschehene. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich halte es absichtlich fest, um andere und mich damit zu verletzen. Deshalb musste ich loslassen, um zu gesunden. Zum Teil war es mir nicht mehr möglich, mit den Tätern zu sprechen und zu klären, warum und wie ich Gewaltopfer wurde. In einem Fall jedoch konnte Vergebung und Versöhnung stattfinden. Nach langer therapeutischer und seelsorgerlicher Begleitung konnte ich – allerdings zunächst nur vom Kopf her - vergeben. Ich bat täglich neu darum, dass Gott auch die schlimmen Bilder der Vergangenheit in meiner Erinnerung verblassen lassen möchte. Es war harte Arbeit, mich in diesen Prozess einzulassen, und doch geschah ein Wunder. Ich konnte alle, die mich in der Vergangenheit und Gegenwart nicht verstanden und mich verletzt hatten, segnen. Wie Jesus selbst es befohlen hat (Lk 6,2Cool: „Segnet, die euch fluchen.“
(Nora N., Jahrgang 1951, Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt.)

In DDR-Haft: Wenn keiner um Vergebung bittet
In jungen Jahren – 1950 im Alter von 22 – war ich einer von vielen Tausenden politischen Gefangenen in der DDR, denen grausames Unrecht geschah. Ich hatte in Potsdam ein paar Flugblätter aufgehoben, die der Wind über die Straße geweht hatte. Wenig später verhafteten mich zwei Männer des kommunistischen Geheimdienstes und behaupteten, sie hätten mich beim Verteilen dieser Blätter mit antisowjetischem Inhalt beobachtet. Diese Lüge brachten mir quälende Verhöre und eine Verurteilung zu 25 Jahren Arbeitslager, von denen ich sechseinhalb unter schlimmer Behandlung in Potsdam, Bautzen, Halle und Torgau absitzen musste. Was haben wir Gefangenen und unsere Familien gelitten!

Unrecht bleibt Unrecht
Und das soll nun für Christen „vergeben und vergessen“ sein? Sollen die Akten endlich geschlossen werden? Nein: Unrecht bleibt Unrecht und darf nicht verharmlost werden. Dem kommunistischen System kann ich nicht vergeben. Aber die Menschen, die sich schuldig gemacht haben, können mir nur leidtun. Sie waren verstrickt in ihre menschenverachtende Ideologie und ließen sich zu Hass und Gemeinheiten hinreißen. Schuld ist Schuld, aber ich konnte – durch Jesu Geist geleitet – ihnen allen vergeben. Ich lebe ja auch selbst täglich aus der Vergebung. Welche Wohltat, welche Erleichterung, dass ich mit all meinem Versagen und all meiner Schuld Gott und den Menschen gegenüber zum Vater im Himmel kommen kann mit der Bitte: „Vergib mir meine Schuld!“ – und dass er mir die Gewissheit schenkt: Jesus, der Sohn Gottes hat auch meine Sünde mit an sein Kreuz und in sein Grab genommen, hat sie getilgt und unschädlich gemacht. Wenn wir nicht vergeben können, hört der Teufelskreis von Hass und Vergeltung überhaupt nicht mehr auf. Jesus aber hat ihn durchbrochen, er hat nicht zurückgeschlagen. Er hat sogar für seine Peiniger um Vergebung gebetet.

Keiner zeigte Reue
Ich finde es nur schade, dass niemand von meinen Peinigern einmal gekommen ist und gesagt hat: „Es tut mir leid.“ So konnte ich auch niemandem Gottes Vergebung zusprechen und ihn zum Frieden mit Gott führen.
(Pfarrer Hansjörg Stephan, Jahrgang 1929, lebt heute in Duisburg.)

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Verfasst am: Di Nov 27, 2007 2:18 pm



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