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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Mi Apr 28, 2010 1:39 pm Antworten mit Zitat

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Marty Lutherman



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Anmeldedatum: 08.01.2017
Beiträge: 1228
Wohnort: Radevormwald
BeitragVerfasst am: Sa Okt 21, 2017 1:09 pm Antworten mit Zitat

9 Dann sprach Gott: "Die Wassermassen unter dem Himmel sollen sich an einer Stelle sammeln. Das Land soll zum Vorschein kommen." So geschah es. 10 Und Gott nannte das trockene Land "Erde". Die Ansammlung der Wasser aber nannte er "Meer". Gott sah alles an: Es war gut.

11 Dann sprach Gott: "Die Erde lasse Gras hervorsprießen. Pflanzen und Bäume jeder Art sollen wachsen und Samen und samenhaltige Früchte tragen." So geschah es. 12 Die Erde brachte frisches Grün hervor, alle Sorten samentragender Pflanzen und jede Art von Bäumen mit samenhaltigen Früchten. Gott sah es an: Es war gut. 13 Es wurde Abend und wieder Morgen - dritter Tag.

14 Dann sprach Gott: "An der Wölbung des Himmels sollen Lichter erscheinen. Sie sollen Tag und Nacht voneinander trennen, und als leuchtende Zeichen sollen sie die Zeiten bestimmen: Tage, Feste und Jahre. 15 Außerdem sollen sie als Lichter am Himmelsgewölbe die Erde beleuchten." So geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter: das größere, das den Tag regiert, und das kleinere für die Nacht; und dazu die Sterne. 17 Er setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten. 18 Sie sollten den Tag und die Nacht regieren und Licht und Finsternis voneinander trennen. Gott sah es an: Es war gut. 19 Es wurde Abend und wieder Morgen - vierter Tag.

20 Dann sprach Gott: "Im Wasser soll es von Lebewesen aller Art wimmeln und am Himmel sollen Vögel fliegen!" 21 Da schuf Gott die großen Seeungeheuer und Wesen aller Art, von denen die Wasser wimmeln, dazu alle Arten von geflügelten Tieren. Gott sah es an. Es war gut. Da segnete Gott seine Geschöpfe: "Seid fruchtbar und vermehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren! Und auch ihr Vögel, vermehrt euch auf der Erde!" 23 Es wurde Abend und wieder Morgen - fünfter Tag.

24 Dann sprach Gott: "Die Erde soll alle Arten von Lebewesen hervorbringen: Herdenvieh und wilde Tiere und alles, was kriecht!" So geschah es. 25 Gott machte alle Arten von wilden Tieren, von Herdenvieh und von allem, was sich auf der Erde regt. Gott sah es an: Es war gut.

26 Dann sprach Gott: "Lasst uns* Menschen* machen als Abbild von uns, uns ähnlich*. Sie sollen über die Fische im Meer herrschen, über die Vögel am Himmel und über die Landtiere, über die ganze Erde und alles, was auf ihr kriecht!" 27 Da schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, als sein Ebenbild schuf er ihn. Er schuf sie als Mann und Frau.* 28 Und Gott segnete sie: "Seid fruchtbar und vermehrt euch!* Füllt die Erde und macht sie euch untertan! Herrscht über die Fische im Meer, über die Vögel am Himmel und über alle Tiere, die auf der Erde leben!"
1,26: uns. Die Mehrzahl könnte hier schon ein erster Hinweis auf die Dreieinheit Gottes sein.
1,26: Menschen. Hebräisch adam (= der vom Erdboden [adamah] Genommene) bedeutet Mensch im Allgemeinen und ist zugleich der Name des ersten Menschen. Das Wort wird nur in der Einzahl gebraucht, auch wenn von mehreren Menschen die Rede ist.
1,26: ähnlich. Das deutet eine Ähnlichkeit wie zwischen Adam und seinem Sohn an (siehe 1. Mose 5,3, wo das gleiche Wort gebraucht wird), vor allem aber eine Ähnlichkeit des Wesens.
1,27: Wird im Neuen Testament von Jesus Christus zitiert: Matthäus 19,4; Markus 10,6.
1,28: vermehrt euch. Nach jüdischer Tradition ist dies das erste der 613 Gebote.

29 Gott sagte: "Zur Nahrung gebe ich euch alle samentragenden Pflanzen und alle samenhaltigen Früchte von Bäumen - überall auf der Erde. 30 Allen Landtieren, allen Vögeln und allen Lebewesen, die auf dem Boden kriechen, gebe ich Gras und Blätter zur Nahrung." So geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen - der sechste Tag.

2 1 So entstanden Himmel und Erde mit all ihren Lebewesen. 2 Am siebten Tag hatte Gott das Werk vollendet und ruhte von seiner Arbeit.* 3 Gott segnete ihn. Er machte ihn zu einem besonderen Tag, der ihm geweiht ist, denn an diesem Tag ruhte Gott, nachdem er sein Schöpfungswerk vollendet hatte.

Der Anfang der Geschichte
4 Es folgt die Fortsetzung der Geschichte* von Himmel und Erde, wie Gott sie geschaffen hat.
2,2: Wird im Neuen Testament zitiert: Hebräer 4,4.
2,4: Fortsetzung der Geschichte. Das hebräische toledot bedeutet Weiterentwicklung aus Vorhandenem, es zeigt, wie die Geschichte weitergeht (oder nennt weitere Einzelheiten). Es handelt sich hier also nicht um die Nahtstelle zu einem zweiten Schöpfungsbericht. Toledot wird immer als Überschrift gebraucht, siehe 1. Mose 5,1; 6,9; 10,1; 11,10.27; 25,12.19; 36,1; 37,2.

Als Jahwe*, Gott, Himmel und Erde machte, 5 gab es zunächst weder Sträucher noch Feldpflanzen auf dem Erdboden, denn Jahwe, Gott, hatte es noch nicht regnen lassen. Es gab auch noch keinen Menschen, der das Land bearbeiten konnte. 6 Grundwasser stieg in der Erde auf und befeuchtete den Boden. 7 Da formte Jahwe, Gott, den Menschen. Er nahm lose Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in sein Gesicht*. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen*.
2,4: JHWH. Aus vier Konsonanten besteht der Name Gottes, der besonders die persönliche Nähe zum Menschen ausdrückt. Ausgesprochen wird er wahrscheinlich Jahwe. Siehe Vorwort des Übersetzers, sowie Fußnote zu 2. Mose 6,3.
2,7: Gesicht. Das hebräische appaw bedeutet nicht nur Nase, sondern das ganze Gesicht im Allgemeinen. Je nach Zusammenhang sind Nase, Wangen oder Mund gemeint.
2,7: Wesen Oder: Seele. Der gleiche Ausdruck wird 1. Mose 1,20.24; 2,19 auf die Tiere bezogen. Der Mensch hat durchaus körperliche Ähnlichkeiten mit Säugetieren. Doch als sein Ebenbild stellte Gott den Menschen über alle anderen Lebewesen. Es ist auch zu beachten, dass hier nicht steht: Ein Lebewesen wurde Mensch. Der Mensch ist eine gesonderte Schöpfung Gottes und geht nicht aus vormenschlichem Leben hervor. Wird im Neuen Testament von Paulus zitiert: 1. Korinther 15,45.

8 Nun hatte Jahwe, Gott, im Osten, in Eden*, einen Garten angelegt. Dorthin versetzte er den von ihm gebildeten Menschen. 9 Aus dem Erdboden hatte er verschiedenartige Bäume wachsen lassen. Sie sahen prachtvoll aus und trugen wohlschmeckende Früchte. Mitten im Garten stand der Baum des Lebens und der Baum, der Gut und Böse erkennen ließ. 10 In Eden entsprang auch ein Strom, der den Garten bewässerte und sich dann in vier Arme teilte. 11 Der erste davon heißt Pischon. Er umfließt das ganze Land Hawila*, wo das Gold vorkommt, 12 - das Gold dieses Landes ist besonders rein - das Bedolach-Harz und der Schoham-Stein*. 13 Der zweite Strom heißt Gihon. Er umfließt das Land Kusch*. 14 Der dritte Strom heißt Tigris. Er fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.
2,8: Eden bedeutet Wonne. Gott hatte ein Land der Wonne für den Menschen geschaffen.
2,11: Hawila. Eine solche Gegend ist in Westarabien südlich von Medina belegt, wo es auch Goldvorkommen gibt. Kürzlich wurde mit Hilfe von Satellitenaufnahmen die Existenz eines Flusses ermittelt, der Nordarabien von dort aus nach Osten durchfloss und vor mehr als 4000 Jahren ausgetrocknet ist. Es könnte der Pischon gewesen sein.
2,12: Bedolach ist ein kostbares, wohlriechendes Harz. Schoham ein Edelstein, vielleicht Onyx oder Karneol.
2,13: Kusch. Vermutlich handelt es sich hier um das Land der Kassiten, ein Gebiet in den Bergen östlich von Mesopotamien, was auch zu 1. Mose 10,8-12 passen würde. So könnte der Gihon östlich des Tigris zu finden sein.

15 Jahwe, Gott, brachte also den Menschen in den Garten Eden, damit er diesen bearbeite und beschütze, 16 und wies ihn an: "Von allen Bäumen im Garten darfst du nach Belieben essen, 17 nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben."

18 Dann sagte Jahwe, Gott: "Es ist nicht gut, dass der Mensch so allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm genau entspricht." 19 Jahwe, Gott, hatte nämlich alle Landtiere und Vögel aus dem Erdboden gebildet und zu dem Menschen gebracht, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Genauso sollten all die Lebewesen dann heißen. 20 So hatte der Mensch dem Herdenvieh, den Vögeln und allen Landtieren Namen gegeben. Aber für sich selbst fand er nichts, was ihm als Hilfe entsprochen hätte. 21 Da ließ Jahwe, Gott, einen Tiefschlaf über den Menschen kommen. Er nahm die eine seiner Seiten und verschloss deren Stelle mit Fleisch. 22 Aus der Seite baute er eine Frau und brachte sie zum Menschen. 23 Da rief der Mensch:

"Diesmal ist sie es! / Sie ist genau wie ich, / und sie gehört zu mir, / sie ist ein Stück von mir!"*
2,23: ein Stück von mir. Der freudige Ausruf, mit der der Mann seine Frau begrüßt, ist das erste poetisch-rhythmische Stück der Bibel. Die Zugehörigkeit ist im Hebräischen in der Namensgebung ausgedrückt: Isch-scha, Frau, soll sie heißen, denn vom Isch, dem Mann, ist sie genommen.

24 Aus diesem Grund verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter, verbindet sich mit seiner Frau und wird völlig eins mit ihr.*
2,24: Wird im Neuen Testament von Jesus Christus und Paulus zitiert: Matthäus 19,5; Markus 10,7-8; 1. Korinther 6,16; Epheser 5,31.

25 Der Mann und seine Frau waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.

Die erste Sünde und ihre Folgen
3 1 Die Schlange war listiger als all die Tiere, die Jahwe, Gott, gemacht hatte. Sie fragte die Frau: "Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?" 2 "Natürlich essen wir von den Früchten", entgegnete die Frau, 3 "nur von den Früchten des Baumes in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: 'Davon dürft ihr nicht essen - sie nicht einmal berühren - sonst müsst ihr sterben.'" 4 "Sterben?", widersprach die Schlange, "sterben werdet ihr nicht. 5 Aber Gott weiß genau, dass euch die Augen aufgehen, wenn ihr davon esst. Ihr werdet wissen, was Gut und Böse ist, und werdet sein wie Gott."

6 Als die Frau nun sah, wie gut von dem Baum zu essen wäre, was für eine Augenweide er war und wie viel Einsicht er versprach, da nahm sie eine Frucht und aß. Sie gab auch ihrem Mann davon, der neben ihr stand. Auch er aß. 7 Da gingen beiden die Augen auf. Sie merkten auf einmal, dass sie nackt waren. Deshalb machten sie sich Lendenschurze aus zusammengehefteten Feigenblättern.

8 Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie Gott durch den Garten gehen. Da versteckten sich der Mann und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen. 9 Doch Jahwe, Gott, rief den Menschen*: "Wo bist du?" 10 Der antwortete: "Ich hörte dich durch den Garten gehen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Deshalb habe ich mich versteckt." 11 "Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?", fragte Gott. "Hast du etwa von dem verbotenen Baum gegessen?" 12 Der Mensch erwiderte: "Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir etwas davon; da habe ich gegessen." 13 "Was hast du da getan?", fragte Jahwe, Gott, die Frau. "Die Schlange hat mich verführt", entgegnete sie. 14 Da sagte Jahwe, Gott, zur Schlange:
3,9: Mensch. Siehe Fußnote zu Vers 17.

"Weil du das getan hast, / sei verflucht vor allem Herdenvieh / und vor all den wilden Tieren! / Kriech auf dem Bauch / und friss den Staub* dein Leben lang! 15 Ich stelle Feindschaft zwischen dich und die Frau, / deinem Nachwuchs und ihrem. / Er wird dir den Kopf zertreten, / und du wirst ihm die Ferse zerbeißen."
3,14: Das heißt nicht, dass sie sich vom Staub ernähren muss, sondern durch ihre Fortbewegungsart wird sie immer auch Staub aufnehmen müssen.

16 Zur Frau sprach er:
"Ich mache dir viele Beschwerden und lasse deine Schwangerschaften zahlreich sein. / Mit Schmerzen wirst du Kinder gebären. / Deinem Mann wirst du befehlen* wollen, / doch er wird über dich herrschen."
3,16: befehlen. Der hebräische Begriff meint die Anstrengung, jemand zu beherrschen; sich jemandes bemächtigen.

17 Zu Adam* sagte er: "Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, obwohl ich dir das ausdrücklich verboten habe, vernimm das Folgende:
3,17: Adam ist das hebräische Wort für Mensch und kann gleichzeitig als Eigenname des ersten Menschen verstanden werden.

'Wegen dir sei der Acker verflucht! / Um dich von ihm zu ernähren, / musst du dich lebenslang mühen. 18 Dornen und Disteln werden dort wachsen, / doch du bist angewiesen auf die Frucht. 19 Mit Schweiß wirst du dein Brot verdienen, / bis du zurückkehrst zur Erde*, / von der du genommen bist. / Denn Staub bist du, / und zu Staub wirst du werden.'"
3,19: Erde. Aus dem hebräischen Wort für den Erdboden Adama ist Adam abgeleitet.

20 Adam gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie sollte die Mutter aller lebenden Menschen werden. 21 Dann bekleidete Jahwe, Gott, Adam und seine Frau mit Gewändern aus Fell 22 und sagte: "Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden. Er erkennt Gut und Böse. Auf keinen Fall darf er jetzt auch noch vom Baum des Lebens essen, um ewig zu leben." 23 Deshalb schickte Jahwe, Gott, ihn aus dem Garten Eden hinaus. Er sollte den Ackerboden bearbeiten, von dem er genommen war. 24 So vertrieb er den Menschen. Östlich vom Garten Eden stellte er Cherubim auf, Engelwesen mit Flammenschwertern, die den Weg zum Baum des Lebens bewachen.

Der erste Mord und seine Folgen
4 1 Adam hatte mit seiner Frau Eva geschlafen. Nun wurde sie schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: "Ich habe einen Mann erworben*, Jahwe*." 2 Danach bekam sie seinen Bruder Abel*. Abel wurde ein Schafhirt*, Kain ein Landwirt. 3 Nach geraumer Zeit brachte Kain vom Ertrag seines Feldes Jahwe ein Opfer. 4 Auch Abel brachte ihm ein Opfer, das Beste von den erstgeborenen Lämmern seiner Herde. Jahwe sah freundlich auf Abel und sein Opfer. 5 Aber auf Kain und seine Opfergabe achtete er nicht. Da geriet Kain in heftigen Zorn und senkte finster sein Gesicht. 6 Jahwe fragte ihn:
4,1: erworben. Hebräisch: qanah. Wortspiel mit Kain (qajin).
4,1: Jahwe. Die meisten ergänzen: (Mit Hilfe) Jahwes. Doch vielleicht gibt Eva ihrem Erstgeborenen den Gottesnamen Jahwe, weil sie hofft, dass er der verheißene Mann sein würde, der der Schlange den Kopf zertritt.
4,2: Abel. Hebräisch: habäl. Der Name klingt an Hauch, Nichtigkeit an (häbäl).
4,2: Schafhirt. Eigentlich Kleinviehhirt. Kleinvieh meinte Schafe und Ziegen.

"Warum bist du so zornig? / Was soll dein finsterer Blick? / Hast du Gutes im Sinn, / dann heb den Kopf hoch! 7 Wenn aber nicht, / dann lauert die Sünde vor der Tür / und will dich verschlingen. / Aber du, du musst sie bezwingen."

8 Doch Kain sprach seinen Bruder an.* Und als sie auf dem Feld waren, fiel er über Abel her und schlug ihn tot. 9 Da sagte Jahwe zu Kain: "Wo ist Abel, dein Bruder?" Der entgegnete: "Ich weiß nicht. Bin ich etwa sein Aufpasser?" - "Was hast du da getan!", erwiderte Gott, 10 "Hörst du nicht das Blut deines Bruders aus dem Ackerboden zu mir schreien? 11 Verflucht sollst du sein, verbannt vom Ackerboden, den du mit dem Blut deines Bruders getränkt hast! 12 Wenn du ihn künftig bebaust, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Als ruheloser Flüchtling wirst du auf der Erde umherirren." 13 Da sagte Kain zu Jahwe: "Die Strafe ist zu schwer für mich. Ich werde sie nicht ertragen können. 14 Du vertreibst mich vom fruchtbaren Land, und auch vor dir muss ich mich verstecken. Als ruheloser Flüchtling werde ich umherirren, und jeder, der mich sieht,* kann mich ungestraft töten." 15 "Nein", erwiderte Jahwe, "ich ordne an: Wer Kain erschlägt, wird siebenfach bestraft!" Und er machte ein Zeichen an Kain, damit niemand es wagen würde, ihn zu erschlagen, wenn er ihm begegnete. 16 So verließ Kain die Nähe Jahwes und siedelte sich östlich von Eden an, im Land der Heimatlosigkeit, in Nod.
4,8: sprach ... an. Eine hebräische Handschrift und einige alte Übersetzungen fügen hier ein: Lass uns aufs Feld gehen!
4,14: jeder, der mich sieht. Das meint natürlich jüngere Verwandte von ihm (siehe Kapitel 5,4), die ihm wegen der Langlebigkeit der ersten Generationen noch gefährlich werden konnten. Die damalige Weltbevölkerung vermehrte sich enorm schnell.

17 Da schlief Kain mit seiner Frau. Sie wurde schwanger und gebar Henoch. Als Kain dann eine Stadt gründete, benannte er sie nach seinem Sohn Henoch. 18 Dem Henoch wurde dann Irad geboren. Irad zeugte Mehujael und der wiederum Metuschael. Metuschael wurde der Vater von Lamech. 19 Lamech aber nahm sich zwei Frauen: Eine hieß Ada, die andere Zilla. 20 Ada gebar ihm Jabal. Das wurde der Stammvater aller Nomaden, die in Zelten wohnen und mit ihren Herden umherziehen. 21 Sein Bruder hieß Jubal. Er wurde der Stammvater aller Zither- und Flötenspieler. 22 Auch Zilla bekam einen Sohn, Tubal-Kain, den Schmied. Er war der erste, der Kupfer und Eisen bearbeitete. Seine Schwester hieß Naama. 23 Lamech sagte zu seinen Frauen:
"Ada und Zilla, hört meine Rede! / Lamechs Frauen, lauscht meinem Spruch! / Ich habe den Mann erschlagen, der mich verwundet hat, / und den Jungen getötet, der mich berührte. 24 Wird Kain siebenfach gerächt, / dann Lamech siebenundsiebzigfach!"

25 Nachdem Adam wieder mit seiner Frau Eva geschlafen hatte, gebar sie ihm einen Sohn und nannte ihn Set, Setzling. "Gott hat mir wieder einen Sprössling geschenkt", sagte sie, "anstelle von Abel, weil Kain ihn erschlug." 26 Auch Set wurde ein Sohn geboren. Enosch, Menschlein, nannte er ihn. Damals fing man an, den Namen Jahwes anzurufen*.
4,26: anzurufen. Oder: auszurufen. Das heißt, zu ihm zu beten, oder von ihm zu predigen.

Wie es nach Adam weiterging
5 1 Es folgt das Verzeichnis der Nachkommen* Adams.
5,1: Nachkommen. Hebräisch toledot, siehe 1. Mose 2,4.

Als Gott den Menschen schuf, gestaltete er ihn nach seinem Abbild. 2 Er schuf ihn als Mann und Frau. Dann segnete er sie und gab ihnen noch am Tag ihrer Erschaffung den Namen "Mensch".
5,2: Wird im Neuen Testament von Jesus Christus zitiert: Matthäus 19,4; Markus 10,6.

3 Als Adam 130 Jahre gelebt hatte, zeugte er einen Sohn namens Set, der ihm wie sein Ebenbild ähnlich war. 4 Nach der Geburt Sets lebte Adam noch 800 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 5 bis er im Alter von 930 Jahren starb.

6 Set war 105 Jahre alt, als er Enosch zeugte. 7 Nach dessen Geburt lebte er noch 807 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 8 bis er im Alter von 912 Jahren starb.

9 Als Enosch 90 Jahre gelebt hatte, zeugte er Kenan. 10 Nach dessen Geburt lebte er noch 815 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 11 bis er im Alter von 905 Jahren starb.

12 Kenan war 70 Jahre alt, als er Mahalalel zeugte. 13 Nach dessen Geburt lebte er noch 840 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 14 bis er im Alter von 910 Jahren starb.

15 Als Mahalalel 65 Jahre alt war, zeugte er Jered. 16 Nach dessen Geburt lebte er noch 830 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 17 bis er im Alter von 895 Jahren starb.

18 Jered war 162 Jahre alt, als er Henoch zeugte. 19 Nach dessen Geburt lebte er noch 800 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 20 bis er im Alter von 962 Jahren starb.

21 Als Henoch 65 Jahre alt war, zeugte er Metuschelach*. 22 Nach dessen Geburt lebte er noch 300 Jahre mit Gott und zeugte weitere Söhne und Töchter, 23 bis er 365 Jahre alt war.* 24 Henoch hatte beständig mit Gott gelebt, und dann war er plötzlich nicht mehr da, weil Gott ihn weggenommen hatte.*
5,21: Metuschelach. Der Mensch, der offenbar am längsten auf der Erde gelebt hat, siehe Vers 26. Als Methusalem ist er sprichwörtlich geworden.
5,23: bis er 365 Jahre alt war. Das war im Jahr 987 nach Adam.
5,24: Wird im Neuen Testament zitiert: Hebräer 11,5.

25 Metuschelach war 187 Jahre alt, als er Lamech zeugte. 26 Nach dessen Geburt lebte er noch 782 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 27 bis er im Alter von 969 Jahren starb*.
5,27: im Alter von 969 Jahren. Das war im Jahr 1656 nach Adam, im Jahr der Sintflut.

28 Als Lamech 182 Jahre alt war*, zeugte er einen Sohn, 29 den er Noah, Tröster, nannte, und sagte: "Der wird uns Trost verschaffen bei der harten Arbeit auf dem Ackerboden, den Jahwe verflucht hat." 30 Nach Noahs Geburt lebte Lamech noch 595 Jahre und zeugte weitere Söhne und Töchter, 31 bis er im Alter von 777 Jahren starb.
5,28: 182 Jahre alt war. Das Geburtsjahr Noahs wäre also das Jahr 1056 nach Adam.

32 Von seinem 500. Lebensjahr an zeugte Noah Sem, Ham und Jafet.*
5,32: Sem, Ham und Jafet. DDie Namen sind nach ihrer Bedeutung geordnet. Nach 1. Mose 11,10 kann man das Geburtsjahr Sems mit 1558 nach Adam berechnen, das entspricht dem 502. Jahr Noahs. Nach 1. Mose 9,24 war Ham der jüngste Sohn Noahs. Demnach wird Jafet als der Älteste im 500. Jahr Noahs geboren worden sein. Siehe Fußnote zu 1. Mose 10,21.

Noah vor der großen Flut
6 1 Als die Menschen immer zahlreicher wurden und sich auf der Erde ausbreiteten, 2 sahen die Gottessöhne*, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich die zu Frauen, die ihnen gefielen. 3 Da sagte Jahwe: "Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, er ist ja sterblich. Ich gebe ihm noch eine Frist* von 120 Jahren." 4 Damals lebten die Riesen auf der Erde und auch dann noch, als die Gottessöhne Kinder mit den Menschentöchtern hatten. Das wurden die Helden der Vorzeit, berühmte Männer.
6,2: Gottessöhne. Der Begriff kann in der Bibel sowohl Engelwesen als auch Menschen bezeichnen. Vielleicht bezieht er sich hier auf damalige despotische Herrscher, die sich Städte bauen ließen und den Lebensstil und die Grausamkeit Lamechs nachahmten. Sie fingen an, sich Göttersöhne zu nennen und hatten Umgang mit dämonischen Mächten (vergleiche Hesekiel 28,11-15; Daniel 10,13). Gegen die Deutung, dass es sich bei ihnen um Engel handeln würde, spricht Matthäus 22,30 und Judas 6-7. Außerdem wären dann Menschen für das bestraft worden, was Engel verschuldet haben. Gegen die Deutung Menschen der Linie Set spricht, dass sie sich eben nicht Töchter Kains, sondern Töchter der Menschen nahmen.
6,3: Frist. Manche Übersetzungen beziehen die 120 Jahre auf das Lebensalter. Das ist aber nicht sinnvoll, weil auch nach der Flut Menschen noch viel älter wurden und Gott ja auch nicht androhte, das Lebensalter zu verringern, sondern die Menschen zu vernichten. Die 120 Jahre beziehen sich eher auf die Zeit bis zur Flut.

5 Jahwe aber sah, wie groß die Bosheit der Menschen auf der Erde war. Ihr ganzes Denken und Streben, alles, was aus ihrem Herzen kam, war immer nur böse. 6 Da beklagte Jahwe es, den Menschen erschaffen zu haben, und es schmerzte ihn bis in sein Innerstes hinein. 7 Er beschloss: "Ich werde den Menschen, den ich geschaffen habe, vom Erdboden wegwischen, samt dem Vieh, den Kriechtieren und Vögeln, denn ich bedaure, sie gemacht zu haben." 8 Nur Noah fand Gnade vor Jahwe.

9 Es folgt die Geschichte* Noahs.
6,9: Geschichte. Hebräisch toledot, siehe 1. Mose 2,4.

Noah war ein gerechter* Mann. Seine Zeitgenossen fanden nichts Tadelnswertes an ihm. Er lebte beständig mit Gott. 10 Drei Söhne hatte er: Sem, Ham und Jafet. 11 Die Erde aber verdarb vor Gott und füllte sich mit Verbrechen. 12 Gott sah sich das an: Die Erde war vollkommen verdorben, denn alle Menschen waren vom rechten Weg abgekommen. 13 Da sagte Gott zu Noah: "Ich habe beschlossen, Mensch und Tier zu vernichten, denn durch sie ist die Erde von Gewalttat erfüllt. 14 Baue dir eine Arche, einen Kasten aus Tannenholz! Teile ihn in mehrere Räume ein und dichte ihn innen und außen mit Asphalt* ab! 15 Er soll 150 Meter* lang sein, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. 16 Sorge auch für eine Lichtöffnung! Sie darf bis zu einem halben Meter unter den Dachrand reichen. Setze eine Tür in die Mitte ihrer Längsseite. Drei Stockwerke soll die Arche insgesamt haben. 17 Denn ich, ich werde die Flut kommen lassen, eine Wasserflut über die Erde. Alles Lebendige soll darin umkommen, alle Menschen und Tiere. 18 Mit dir aber schließe ich folgenden Bund: Du sollst mit deiner Frau, deinen Söhnen und ihren Frauen in die Arche gehen. 19 Und von allen Tieren sollst du je ein Männchen und ein Weibchen in die Arche bringen, damit sie zusammen mit dir am Leben bleiben. 20 Von jeder Art der Vögel, der Land- und Kriechtiere soll je ein Pärchen in die Arche kommen, damit sie überleben können. 21 Lege ausreichend Vorräte an, dass ihr und die Tiere damit versorgt werden können." 22 Noah machte alles genauso, wie Gott es ihm befohlen hatte.
6,9: Der Gerechte im Alten Testament ist ein Mensch, der mit Gott und Menschen im richtigen Verhältnis lebt und sich nach Gottes Geboten richtet. Er steht im Gegensatz zu dem, der sich an Gott und Menschen schuldig macht, dem Gottlosen, dem Frevler.
6,14: Asphalt. Siehe Fußnote zu 1. Mose 14,10.
6,15: 131 Meter. 150 Meter. Wörtlich: dreihundert Ellen. Weil die für eine Elle angegebenen Maße zwischen 44,42 und 52,45 cm schwanken, gehen wir für die meisten Umrechnungen von 50 cm aus. Dadurch werden auch die Proportionen deutlicher.

Die große Flut kommt über die Erde
7 1 Dann sagte Jahwe zu Noah: "Komm du mit deiner ganzen Familie in die Arche, denn du bist der einzige Gerechte in dieser Generation. 2 Nimm dir von allen reinen* Tieren je sieben Männchen und Weibchen mit, von den unreinen aber nur je ein Pärchen. 3 Auch von den Vögeln bringe je sieben Männchen und Weibchen mit, dass jede Art auf der ganzen Erde erhalten bleibt und sich vermehren kann. 4 In sieben Tagen werde ich einen Regen über die Erde kommen lassen, der 40 Tage lang, Tag und Nacht, andauern wird. So werde ich alles Bestehende, alles, was ich gemacht habe, von der Erdoberfläche wegwischen." 5 Noah machte alles genauso, wie Jahwe es ihm befohlen hatte.
7,2:Was reine und unreine Tiere sind, wird in 3. Mose 11 definiert. Reine Tiere waren für das Volk Israel zur Speise freigegeben.

6 Als die Flut über die Erde hereinbrach, war Noah 600 Jahre alt. 7 Er ging also mit seiner Frau, seinen Söhnen und deren Frauen in die Arche, um sich vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. 8 Alle reinen und unreinen Tiere, die Vögel und die Kriechtiere 9 kamen paarweise in die Arche, je ein Männchen und ein Weibchen, wie Gott es Noah befohlen hatte. 10 Sieben Tage später kamen die Fluten über die Erde.

11 Im 600. Lebensjahr Noahs, am 17. Tag des zweiten Monats, wurden die Schleusen des Himmels geöffnet, und alle Quellen der großen Tiefe* brachen auf. 12 Es regnete in Strömen 40 Tage lang, Tag und Nacht. 13 An dem oben genannten Tag also war Noah mit seinen Söhnen Sem, Ham und Jafet, mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne in die Arche gegangen 14 und mit allen Arten von Wildtieren und Herdenvieh, Kriechtieren und vielfältig gefiederten Vögeln. 15 Alle Lebewesen, alle, die Atem in sich hatten, waren paarweise zu Noah in die Arche gekommen. 16 Es war immer ein Männchen und ein Weibchen, wie Gott es Noah befohlen hatte. Dann schloss Jahwe hinter ihm zu.
7,11: Tiefe. Dasselbe Wort wie 1. Mose 1,2.

17 40 Tage lang ergoss sich die Flut über die Erde. 18 Das Wasser stieg und hob die Arche vom Boden ab. 19 Es stieg immer höher und höher, bis alle hohen Berge auf der Erde zugedeckt waren. 20 Mehr als sieben Meter hoch* deckte das Wasser die Berge zu. 21 Da ging alles zugrunde, was auf der Erde lebte und sich regte: Vögel, Herdenvieh und wilde Tiere und alle Menschen. 22 Alles, was einen Lebenshauch in sich trug und auf dem Festland lebte, ging zugrunde. 23 So löschte Gott alles aus, was auf dem Erdboden bestand: vom Menschen bis zum Herdenvieh, von den Vögeln bis zu den Kriechtieren. Alle fanden den Tod. Nur Noah und alle, die mit ihm in der Arche waren, blieben übrig. 24 150 Tage lang überflutete das Wasser die Erde.
7,20: sieben Meter hoch. Das könnte der Tiefgang der Arche gewesen sein.

Das Ende der Flut
8 1 Gott dachte an Noah und an all die Wildtiere und das Herdenvieh, das mit ihm in der Arche war, und ließ einen Wind über die Erde wehen. Da zog sich das Wasser zurück, 2 die Quellen der Tiefe und die Schleusen des Himmels wurden verschlossen und der Regen zurückgehalten. 3 Allmählich verliefen sich die Wassermassen. Im Lauf von 150 Tagen nahmen sie immer mehr ab, 4 und am 17. Tag des siebten Monats setzte die Arche irgendwo auf dem Gebirge Ararat auf. 5 Das Wasser nahm immer weiter ab, sodass man am ersten Tag des zehnten Monats die Bergspitzen sehen konnte. 6 40 Tage später öffnete Noah das Fenster, das er in die Arche eingelassen hatte, und ließ einen Raben hinaus. 7 Der flog hin und zurück, immer wieder, bis die Erde trocken war. 8 Später ließ Noah eine Taube fliegen, um zu sehen, ob sich das Wasser vom Erdboden verlaufen hätte. 9 Doch die Taube fand keinen Ruheplatz für sich, überall stand noch Wasser auf der Erde. Da kehrte sie zu ihm zurück. Er langte mit dem Arm hinaus und holte sie wieder in die Arche. 10 Dann wartete er weitere sieben Tage und ließ sie noch einmal fliegen. 11 Gegen Abend kam die Taube. Im Schnabel hatte sie ein frisch abgerissenes Olivenblatt. Noah erkannte jetzt, dass sich das Wasser von der Erde verlaufen hatte. 12 Er wartete noch einmal sieben Tage und ließ die Taube wieder hinaus. Jetzt kehrte sie nicht mehr zu ihm zurück.

13 Im 601. Lebensjahr Noahs, am ersten Tag des ersten Monats, war das Wasser von der Erde abgetrocknet. Als Noah jetzt das Dach der Arche entfernte und Ausschau hielt, sah er, dass kein Wasser mehr auf der Erde stand. 14 Am 27. Tag des zweiten Monats war die Erde trocken. 15 Da sagte Gott zu Noah: 16 "Verlass jetzt die Arche mit deiner Frau, deinen Söhnen und ihren Frauen. 17 Und lass alle Tiere, die bei dir sind, mit hinausziehen: die Vögel, das Herdenvieh und alles, was sich auf der Erde regt. Sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren. Auf der Erde soll es wieder wimmeln von ihnen." 18 Da ging Noah mit seinen Söhnen, seiner Frau und seinen Schwiegertöchtern ins Freie. 19 Auch alle Art von Tieren, alles, was kriecht und fliegt und sich auf der Erde regt, zog aus der Arche.

20 Dann baute Noah Jahwe einen Altar. Dort opferte er ihm einige von den reinen Tieren und Vögeln als Brandopfer. 21 Jahwe roch den angenehmen Duft und sagte sich: "Nicht noch einmal werde ich nur wegen des Menschen den Erdboden verfluchen. Alles, was aus seinem Herzen kommt, ist ja böse - von seiner frühesten Jugend an. Nicht noch einmal werde ich alles Lebendige auslöschen, wie ich es tat.

22 Von jetzt an, / solange die Erde besteht, / soll nicht aufhören: / Saat und Ernte, / Frost und Hitze, / Sommer und Winter, / Tag und Nacht."

Gottes Bund mit Noah und mit allen Menschen
9 1 Dann segnete Gott Noah und seine Söhne. Er sagte: "Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Erde. 2 Alle Tiere, alle Vögel, alles, was sich auf der Erde regt, und auch alle Fische sind in eure Gewalt gegeben. Sie werden vor euch erschrecken und sich fürchten. 3 Und alles, was da lebt und sich regt, soll euch wie die Pflanzen zur Nahrung dienen. 4 Nur das Fleisch, das sein Lebensblut noch in sich hat, dürft ihr nicht essen.

5 Euer eigenes Blut darf auf keinen Fall vergossen werden, denn ich wache darüber und werde es wieder einfordern, vom Tier genauso wie vom Menschen. Ich werde Rechenschaft für das Leben jedes Menschen fordern.

6 Wer das Blut von Menschen vergießt - durch Menschen werde vergossen sein Blut! / Denn der Mensch ist zum Abbild Gottes gemacht.

7 Und ihr, seht zu, dass ihr viele Nachkommen habt! Bevölkert die Erde!" 8 Und dann sagte Gott zu Noah und seinen Söhnen: 9 "Ich schließe diesen Bund mit euch und euren Nachkommen 10 und auch mit allen Lebewesen bei euch, mit den Tieren, die in der Arche waren. 11 Und ich sichere euch zu: Nie wieder werde ich das Leben durch eine Wasserflut vernichten. Nie mehr wird eine Flut die Erde zerstören. 12 Dieser Bund zwischen mir und euch gilt jeder kommenden Generation und jedem Lebewesen bei euch. 13 Und als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. 14 Jedes Mal, wenn ich Wolken über der Erde zusammenziehe und wenn dann der Bogen erscheint, 15 werde ich an mein Versprechen denken, das ich euch und allen Lebewesen gegeben habe: Nie mehr sollen die Wassermassen zu einer Flut werden, die alles Leben vernichtet. 16 Der Regenbogen wird in den Wolken stehen, und ich werde ihn ansehen und an den ewigen Bund denken, den ich mit euch und allen Lebewesen auf der Erde geschlossen habe. 17 Und dieser Bogen", sagte Gott zu Noah, "ist das Zeichen für den gültigen Bund."

18 Zusammen mit Noah hatten auch Sem, Ham und Jafet die Arche verlassen. Ham war übrigens der Stammvater von Kanaan. 19 Von diesen drei Söhnen Noahs stammen alle Völker der Erde ab. 20 Noah begann als Ackerbauer und legte auch Weinberge an. 21 Eines Tages trank er so viel von seinem Wein, dass er betrunken wurde und entblößt in seinem Zelt lag. 22 Ham, der Stammvater Kanaans, sah ihn in seiner Nacktheit daliegen und erzählte es seinen Brüdern draußen. 23 Aber Sem und Jafet nahmen einen Mantel, hingen ihn zwischen ihre Schultern und gingen rückwärts ins Zelt. Das Gesicht abgewandt deckten sie ihren Vater zu, denn sie wollten seine Nacktheit nicht sehen. 24 Als Noah seinen Rausch ausgeschlafen hatte, erfuhr er von dem beschämenden Verhalten seines jüngsten Sohnes 25 und sagte über einen von dessen Nachkommen:
"Verflucht sei Kanaan! / Der niedrigste Sklave wird er seinen Brüdern sein! 26 Doch gepriesen sei Jahwe, Sems Gott! / Und Kanaan sei ein Sklave von Sem! 27 Gott kehre ein* zu Jafet / und wohne in den Zelten von Sem! / Und Kanaan wird auch sein Sklave sein."
9,27: Gott kehre ein. Hebräisch jaft, was an Jafet anklingt. Das Verb kann noch nicht befriedigend erklärt werden. Es wird hier in Anlehnung an das arabische fata mit einkehren wiedergegeben.

28 Nach der Flut lebte Noah noch 350 Jahre. 29 Er starb im Alter von insgesamt 950 Jahren.

10 1 Es folgt das Verzeichnis der Nachkommen* von Sem, Ham und Jafet, den Söhnen Noahs, deren Söhne aber erst nach der großen Flut geboren wurden.
10,1: Verzeichnis der Nachkommen. Hebräisch toledot, siehe 1. Mose 2,4. Hier in Kapitel 10, das auch mit "Völkertafel" überschrieben ist, werden insgesamt 70 Namen aufgeführt. Deshalb symbolisiert die Zahl 70 in der Theologie der Rabbinen die Völkerwelt.

Die Jafetiten
2 Die Söhne Jafets waren Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und Tiras. 3 Gomers Söhne waren Aschkenas, Rifat und Togarma. 4 Die Nachkommen Jawans waren Elischa und Tarschisch, außerdem die Kittäer und die Rodaniter. 5 Jawans Nachkommen breiteten sich in den Küstenländern bis zum Rand der Erde aus. Sie wuchsen zu Völkern mit eigenen Sprachen heran und lebten in ihren Gebieten in Sippen zusammen.

Die Hamiten
6 Die Söhne Hams waren Kusch, Mizrajim, Put und Kanaan. 7 Von Kusch stammen Seba, Hawila, Sabta, Ragma und Sabtecha ab. Ragmas Söhne waren Saba und Dedan.

8 Kusch war auch der Vater von Nimrod, dem ersten Gewaltherrscher auf der Erde. 9 Der war ein kühner Jäger. Deshalb sagt man heute noch* sprichwörtlich: "Er ist ein gewaltiger Jäger vor Jahwe wie Nimrod." 10 Zuerst herrschte er über die Städte Babel, Erech* und Akkad, die im Gebiet von Schinar* liegen. 11 Von da aus zog er in das Land Assur und gründete dort Ninive mit seinen weiten offenen Plätzen* und Kelach* 12 sowie Resen zwischen Ninive und Kelach. Das war das große Städtezentrum.
10,9: heute noch. Das meint den Zeitpunkt, als das Buch verfasst wurde.
10,10: Babel, Erech. Die Städte lagen im Umkreis von 100 km um Babylon. Erech (o. Uruk, heute: Warka) war eine der wichtigsten Städte im alten Mesopotamien.
10,10: Schinar. Anderer Name für Babylonien.
10,11: offenen Plätzen. Hebräisch: Rehobot-Ir. Das ist wahrscheinlich eine nähere Beschreibung von Ninive.
10,11: Kelach. Die Städte liegen etwa 500 km nördlich von Babel. Kelach (heute: Nimrud) befindet sich 40 km südlich von Ninive am Ostufer des Tigris.

13 Von Mizrajim stammen die Luditer, Anamiter, Lehabiter und Naftuhiter, 14 die Patrusiter und die Kasluhiter, von denen die Philister herkommen, und die Kaftoriter.

15 Kanaan war der Vater von Sidon und Het. Sidon war sein Erstgeborener. 16 Außerdem stammen von ihm die Jebusiter, die Amoriter und die Girgaschiter ab, 17 die Hiwiter, Arkiter, Siniter, 18 Arwaditer, Zemariter und Hamatiter. Später haben sich die Sippen der Kanaaniter weiter ausgebreitet, 19 sodass ihr Gebiet von Sidon* bis nach Gerar und Gaza* reichte und ostwärts bis nach Sodom und Gomorra, Adma, Zebojim und Lescha*. 20 Die Nachkommen Hams wuchsen zu Völkern mit eigenen Sprachen heran und lebten in ihren Gebieten in Sippen zusammen.
10,19: Sidon war eine Stadt in Phönizien, heute Saida im Libanon.
10,19: Gaza. Das Gebiet, in dem sich später die Philister ansiedelten. 300 km südlich von Sidon.
10,19: Lescha. Fünf kanaanäische Stadtstaaten, die in dem Gebiet lagen, das heute vom südlichen Teil des Toten Meeres bedeckt wird.

Die Semiten
21 Auch Sem, dem Bruder des älteren Jafet*, wurden Söhne geboren. Er ist der Stammvater aller Nachkommen Ebers. 22 Die Söhne Sems waren Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram. 23 Arams Söhne hießen Uz, Hul, Geter und Masch. 24 Arpachschad war der Vater von Schelach und Schelach der Vater von Eber. 25 Eber wurden zwei Söhne geboren. Der eine hieß Peleg, Teilung, weil zu seiner Zeit die Erde geteilt wurde,* und der andere Joktan. 26 Joktans Söhne waren Almodad, Schelef, Hazarmawet und Jerach, 27 Hadoram, Usal und Dikla, 28 Obal, Abimael und Saba, 29 Ofir, Hawila und Jobab. Das waren also die Nachkommen Joktans. 30 Ihr Gebiet reicht von Mescha über Sefar bis an das Gebirge im Osten.* 31 Die Nachkommen Sems wuchsen zu Völkern mit eigenen Sprachen heran und lebten in ihren Gebieten in Sippen zusammen. 32 Diese Sippen sind Nachkommen der Söhne Noahs. Von ihnen stammen alle Völker ab, die sich nach der Flut auf der ganzen Erde ausgebreitet haben.
10,21: älteren Jafet. Kann theoretisch auch übersetzt werden: älteren Bruder Jafets. Doch wegen 1. Mose 9,24; 11,10 wird Jafet der Älteste gewesen sein. Siehe Fußnote zu 1. Mose 5,32!
10,25: geteilt wurde. Das könnte man im Sinn einer Aufteilung der Erdoberfläche unter die Völker verstehen wie sie in 1. Mose 11 berichtet ist. Manche sehen hier aber auch einen Hinweis auf den Beginn der Kontinentalverschiebung, was geologisch allerdings sehr problematisch ist.
10,30: Gebiet ... im Osten. Das Gebiet lag vermutlich in Arabien, südlich von Israel.

Der Turm von Babel
11 1 Die Menschen hatten damals alle noch dieselbe Sprache und dieselben Wörter. 2 Als sie nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder. 3 Sie sagten zueinander: "Los! Wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie zu Stein!" Die Ziegel wollten sie als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel. 4 Dann sagten sie: "Los! Bauen wir eine Stadt und einen Turm, der bis an den Himmel reicht! So werden wir uns einen Namen machen und verhindern, dass wir uns über die ganze Erde zerstreuen."

5 Jahwe kam herab, um sich anzusehen, was die Menschen da bauten - eine Stadt mit einem Turm! 6 Da sagte er: "Es ist offensichtlich: Sie sind ein einziges Volk und sprechen nur eine Sprache. Und was sie jetzt begonnen haben, zeigt, dass ihnen künftig nichts unmöglich sein wird. Sie werden alles tun, was sie sich ausdenken. 7 Los! Steigen wir hinunter und verwirren ihre Sprache, dass keiner mehr den anderen versteht!" 8 So zerstreute Jahwe die Menschen von dort aus über die ganze Erde, und sie mussten aufhören, die Stadt zu bauen. 9 Deswegen gab man der Stadt den Namen Babel, Verwirrung, denn Jahwe hatte dort die Sprache der Menschen verwirrt und sie von diesem Ort aus über die ganze Erde zerstreut.

Von Sem bis Abram
10 Es folgt das Verzeichnis der Nachkommen Sems: Zwei Jahre nach der Flut wurde Sem der Vater von Arpachschad. Er war damals 100 Jahre alt 11 und lebte noch 500 Jahre, in denen er weitere Söhne und Töchter zeugte. 12 Arpachschad wurde mit 35 Jahren der Vater von Schelach 13 und lebte noch 403 Jahre, in denen er ebenfalls weitere Söhne und Töchter zeugte. 14 Mit 30 Jahren zeugte Schelach Eber 15 und lebte danach noch 403 Jahre, in denen ihm weitere Söhne und Töchter geboren wurden. 16 Eber war 34 Jahre alt, als er Peleg zeugte, 17 und lebte dann noch 430 Jahre, in denen er weitere Söhne und Töchter zeugte. 18 Peleg wurde mit 30 Jahren der Vater von Regu. 19 Er lebte noch 209 Jahre, in denen er ebenfalls weitere Söhne und Töchter zeugte. 20 Regu zeugte mit 32 Jahren Serug 21 und lebte dann noch 207 Jahre, in denen er Söhne und Töchter zeugte. 22 Mit 30 Jahren wurde Serug der Vater von Nahor 23 und lebte dann noch 119 Jahre, in denen er weitere Söhne und Töchter zeugte. 24 Mit 29 Jahren wurde Nahor der Vater von Terach. 25 Danach lebte er noch 119 Jahre und bekam weitere Söhne und Töchter. 26 Von seinem 70. Lebensjahr an zeugte Terach Abram, Nahor und Haran.*

27 Es folgt das Verzeichnis der Nachkommen Terachs. Terach wurde der Vater von Abram, Nahor und Haran. Haran war der Vater Lots 28 und starb noch zu Lebzeiten seines Vaters Terach in seiner Heimatstadt Ur* in Chaldäa*. 29 Abram und Nahor heirateten dann. Abrams Frau hieß Sarai*, Nahors Frau Milka. Sie war die Tochter Harans* und Schwester von Jiska. 30 Doch Sarai konnte keine Kinder bekommen. 31 Terach brach aus Ur in Chaldäa auf, um nach Kanaan* zu ziehen. Er nahm seinen Sohn Abram, seinen Enkel Lot und seine Schwiegertochter Sarai mit. Doch als sie nach Haran* gekommen waren, ließen sie sich dort nieder. 32 Dort starb auch Terach im Alter von 205 Jahren.
11,26: Die Namen sind wie in Vers 27 nach ihrer Bedeutung geordnet. Abram wurde erst im 130. Jahr Terachs geboren (siehe Vers 32; Kapitel 12,4; Apostelgeschichte 7,4).
11,28: Ur war wohl die bedeutendste Stadt im südlichen Zweistromland (Mesopotamien). Nach Ausgrabungen zu urteilen hatte sie schon vor Abrams Zeit eine hohe Kulturstufe erreicht.
11,28: Chaldäa. So wurde das Gebiet des südlichen Zweistromlandes bezeichnet. Der Begriff konnte später auch für ganz Babylonien stehen.
11,29: Sarai. Nach 1. Mose 20,12 war das seine Halbschwester. Im Gesetz Moses wurde das später verboten (vergleiche 3. Mose 18,9; 20,17; 5. Mose 27,22).
11,29: Tochter Harans. Nahor heiratete also seine Nichte, was auch später im Gesetz des Mose nicht verboten war.
11,31: Kanaan. Das Land Kanaan umfasste etwa das Gebiet des heutigen Libanon und Israel.
11,31: In Haran wurde genauso wie in Ur der Mondgott verehrt. Die Stadt lag aber noch 800 km von Kanaan entfernt.

Abrams Berufung
12 1 Da sagte Jahwe zu Abram: "Zieh aus deinem Land weg! Verlass deine Sippe und auch die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde!* 2 Ich will dich zu einem großen Volk werden lassen; ich werde dich segnen und deinen Namen bekannt machen. Du wirst ein Segen für andere sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir fluchen. Alle Sippen der Erde werden durch dich gesegnet sein."*
12,1: Wird im Neuen Testament von Stephanus zitiert: Apostelgeschichte 7,3.
12,3: Wird im Neuen Testament mit 1. Mose 18,18 von Paulus zitiert: Galater 3,8.

Abram in Kanaan
4 Abram gehorchte dem Befehl Jahwes und brach auf. Lot zog mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er Haran verließ. 5 Seine Frau Sarai und sein Neffe Lot begleiteten ihn. Sie nahmen alle Menschen, die sie in Haran erworben hatten, und ihren ganzen Besitz mit. So zogen sie nach Kanaan. 6 Abram durchzog das Land bis zu einem Platz bei Sichem* in der Nähe des Wahrsagebaums*. Damals waren ja noch die Kanaaniter im Land. 7 Dort ließ sich Jahwe von Abram sehen* und sagte zu ihm: "Dieses Land will ich deinen Nachkommen geben!" Da baute Abram an dieser Stelle einen Altar für Jahwe, der ihm erschienen war. 8 Später zog er in das Bergland östlich von Bet-El und schlug seine Zelte so auf, dass er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Auch dort baute er Jahwe einen Altar und machte so den Namen Jahwes bekannt*. 9 Dann brach er wieder auf und zog immer weiter in den Negev* hinein.
12,6: Sichem war eine strategisch und religiös bedeutende Stadt auf dem Pass (Sichem = Schulter) zwischen den Bergen Ebal im Norden und Garizim im Süden.
12,6: Wahrsagebaum. Wörtlich: Orakelterebinthe. Unter solchen Bäumen vernahmen die Wahrsager angeblich die Stimme Gottes im Rauschen der Zweige.
12,7: Jahwe ... sehen. Bei dieser und anderen Gotteserscheinungen lässt Jahwe sich von Menschen (manchmal von mehreren gleichzeitig) in einer Art und Weise sehen, die diese (oft gerade noch) ertragen und verstehen können. Nie offenbart er sich in ganzer Herrlichkeit, denn das wäre für jeden Menschen tödlich (2. Mose 33,20). Vergleiche auch die Fußnote zu 1. Mose 15,1!
12,8: machte bekannt. Das hebräische Wort kann anrufen (=beten) oder ausrufen (=bekannt machen) bedeuten.
12,9: Negev bezeichnet das Südland Kanaans.

Abram und Sarai in Ägypten
10 Als eine schwere Hungersnot im Land ausbrach, suchte Abram Zuflucht in Ägypten. 11 Kurz vor der ägyptischen Grenze sagte er zu seiner Frau Sarai: "Ich weiß, dass du eine sehr schöne Frau bist. 12 Wenn die Ägypter dich sehen, werden sie sagen: 'Das ist seine Frau!', und sie werden mich totschlagen, um dich zu bekommen. 13 Sag doch, dass du meine Schwester bist, dann werden sie mich deinetwegen gut behandeln und am Leben lassen!"

14 Tatsächlich geschah es so, als Abram nach Ägypten kam. Überall fiel seine Frau durch ihre Schönheit auf. 15 Die Hofleute rühmten sie vor dem Pharao, und der ließ sie in seinen Palast holen. 16 Ihretwegen überhäufte er Abram mit Geschenken. Er ließ ihm Schafe, Ziegen, Rinder und Esel zukommen, Sklaven und Sklavinnen, Eselstuten und Kamele. 17 Doch weil der Pharao Abrams Frau zu sich genommen hatte, schlug Jahwe ihn und seine Familie mit schweren Krankheiten. 18 Da ließ der Pharao Abram zu sich rufen. "Was hast du mir da angetan?", warf er ihm vor. "Warum hast du mir nicht gesagt, dass sie deine Frau ist? 19 Du hast sie a
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BeitragVerfasst am: Di Okt 31, 2017 12:44 pm Antworten mit Zitat

Glaubensbekenntnis
Eine Kalligrafie der šahāda

Die erste Säule ist das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahāda (arabisch الشهادة aš-šahāda), die wie folgt lautet:

« أشهد أن لا إله إلا الله وأشهد أنّ محمدا رسول الله »

« ašhadu an lā ilāha illā 'llāh, wa-ašhadu anna muḥammadan rasūlu 'llāh »

„Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“

– Audio-Datei / Hörbeispiel Aussprache?/i

Mit dieser aus zwei Teilen bestehenden Formel bekennt sich der Muslim eindeutig zum strengen Monotheismus, zu Mohammeds prophetischer Sendung und zu dessen Offenbarung, dem Koran, und somit zum Islam selbst.[17] Wer das Glaubensbekenntnis bei vollem Bewusstsein vor zwei Zeugen spricht, gilt unumkehrbar als Muslim.
Rituelles Gebet
Muslime beim salāt
Muslima beim salāt
„Gebet in Kairo“ von Jean-Léon Gérôme, 1865

Das rituelle Gebet (salāt / صلاة) soll fünf Mal am Tag verrichtet werden, vor dem Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und bei Einbruch der Nacht. Vor jedem dieser Gebete sind eine Ankündigung durch den Gebetsruf und eine rituelle Waschung verpflichtend. Diese Formel wird ebenfalls fünf Mal am Tag vom Muezzin (arabisch مؤذّن mu'adhdhin) beim Adhan (arabisch أذان adhān) vom Minarett (arabisch مناره manāra) gerufen, um die Muslime zum rituellen Pflichtgebet (arabisch صلاة salāt) zu rufen, in dem die Formel ebenfalls vorkommt.[18]

Ebenso soll der Muslim sich vor dem Gebet bewusst machen, dass er das Gebet nicht aus Routine, sondern aus der Absicht, Gott zu dienen, vollzieht. Um in den für das Gebet notwendigen Weihezustand (إحرام ihrām) einzutreten folgt die Formel „Gott ist größer (als alles andere)“ (الله أكبر Allāhu akbar). Notwendig für die Gültigkeit des Gebetes ist, dass der Betende dabei die Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka einnimmt. Sie gilt im Islam als das Heiligste und als das Haus Gottes. Im Stehen werden eine Reihe weiterer Formeln und die erste Sure des Koran (الفاتحة al-Fātiha ‚die Eröffnende‘) rezitiert. Es folgen mehrere von verschiedenen Formeln begleitete Niederwerfungen (ركعات rakʿāt). Mit einigen weiteren Formeln findet das Gebet seinen Abschluss. An sich kann das Gebet an jedem rituell reinen Ort, eventuell auf einem Gebetsteppich, vollzogen werden, idealerweise jedoch in der Moschee (مسجد masdschid ‚Ort der Niederwerfung‘).

Am Freitag wird das Gebet am Mittag durch ein für Männer verpflichtendes und für Frauen empfohlenes Gemeinschaftsgebet (صلاة الجمعة salāt al-dschumʿa ‚Freitagsgebet‘) in der Moschee ersetzt, das von einer Predigt (خطبة chutba) begleitet wird.
Almosensteuer

Die Almosensteuer (Zakāt, زكاة)[19] ist die verpflichtende, von jedem psychisch gesunden, freien, erwachsenen und finanziell dazu fähigen Muslim[20] zur finanziellen Beihilfe von Armen, Sklaven, Schuldnern und Reisenden sowie für den Dschihad[21] zu zahlende Abgabe. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5 und 10 Prozent ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen).[22] Als ein Prozess der Umverteilung von Reichtum wird die Einsammlung und Verteilung der Zakāt als ein wichtiges Mittel zur Linderung von Armut betrachtet.[23]
Fasten

Das Fasten (saum) findet alljährlich im islamischen Monat Ramadan statt. Der islamische Kalender verschiebt sich jedes Jahr im Vergleich zum gregorianischen Kalender um elf Tage nach vorne. Gefastet wird von Beginn der Morgendämmerung – wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Sure 2, Vers 187) – bis zum vollendeten Sonnenuntergang; es wird nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und Enthaltsamkeit im Verhalten geübt.

Muslime brechen das Fasten gerne mit einer Dattel und einem Glas Milch, wie dies der Prophet getan haben soll. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
Pilgerfahrt
Das siebenmalige Umschreiten der für Muslime heiligen Kaaba ist der wichtigste Bestandteil des Haddsch, der Pilgerreise der Muslime nach Mekka

Die im letzten Mondmonat Dhū l-Hiddscha stattfindende Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch, حج) soll jeder Muslim, sofern möglich, mindestens einmal in seinem Leben antreten, um dort unter anderem die Kaaba siebenmal zu umschreiten. Entscheidend dafür, ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände. Die Einschränkung der ritualrechtlichen Pflicht der Pilgerfahrt ist im Koran begründet: „… und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus zu machen – soweit sie dazu eine Möglichkeit finden …“ (Sure 3, Vers 97).

Häufig schließen Muslime an ihre Wallfahrt einen Besuch der Prophetenmoschee in Medina an, wo der Prophet auch begraben ist. Doch ist dies nicht fester Bestandteil des Haddsch.
Weitergehende Definitionen

Obwohl sich der Islam nach der Definition des Gabriel-Hadith nur auf die fünf genannten Pflichten erstreckt, gibt es die Tendenz, alle im Koran genannten Pflichten als Teil des Islams zu betrachten. Diese Auffassung zeigt sich zum Beispiel bei dem spätmittelalterlichen Gelehrten Ibn Taimīya (gest. 1328), der in seiner „Einführung in die Grundlagen der Koranexegese“ erklärt: „Die Religion des Islams besteht aus der Befolgung des Korans“.[24] Auf diese Weise ergibt sich auch die Möglichkeit, einen islamischen Glauben zu definieren. So ist zum Beispiel aus dem Koranwort in Sure 4:136:

„Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und an die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt.“

abgeleitet worden, dass es im Islam sechs Glaubensartikel gibt, nämlich den Glauben an:

den einzigen Gott
seine Engel
seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien)
seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft oder mit dem Paradies belohnt
die Vorherbestimmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt sich bei verschiedenen muslimischen Denkern und Aktivisten, die den Islam als Mittel zum Wiederaufstieg der muslimischen Völker nach dem Zeitalter des Kolonialismus betrachten, die Tendenz, den Islam als ein allgemeingültiges und nicht mehr allein auf die Religion beschränktes System zu präsentieren. So erklärte Hasan al-Bannā, der Gründer der ägyptischen Muslimbruderschaft, bei der fünften Konferenz seiner Organisation im Januar 1939:

„Wir glauben, dass die Prinzipien und Lehren des Islams umfassend sind und die Angelegenheiten der Menschen im Diesseits und Jenseits regeln. Diejenigen, die annehmen, dass diese Lehren allein die gottesdienstliche oder spirituelle Seite behandeln, sind im Unrecht, denn der Islam ist Bekenntnis (ʿaqīda) und Gottesdienst (ʿibāda), Vaterland (watan) und Nationalität (dschinsīya), Religion (dīn) und Staat (daula), Spiritualität (rūhānīya) und Arbeit (ʿamal), Koran (mushaf) und Schwert (saif).[25]“

Islam als Kulturraum
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BeitragVerfasst am: Sa Dez 30, 2017 7:58 pm Antworten mit Zitat

Sind Christen doch die besseren Menschen?
Das Märchen von der Bedeutung christlicher Wertevermittlung(1)

Aus: MIZ 4/98

Wenn eine Religion/Weltanschauung über viele Jahrhunderte in einer Gesellschaft nicht nur vorherrschend war, sondern eine ideologische Monopolstellung hatte, und es keine anderen Sozialisationsagenten gab, ist selbstverständlich, daß wertgeschätzte Eigenschaften mit dieser Religion/Weltanschauung verbunden werden. Wer jahraus jahrein nur die Erfahrung macht: Bei Krankentransporten kommt das Rote Kreuz, verknüpft beides zwangsläufig miteinander. Die Logik ist dann: Ohne Rotes Kreuz gäbe es keine Krankentransporte. Und selbst wenn das Monopol beseitigt ist, wird die Meinung verbreitet sein, das Rote Kreuz habe die Krankentransporte erfunden.

Ein aktuelles Beispiel, wie der Mechanismus selbst dann funktioniert, wenn Alternativen durchaus erlebbar sind, sind die Sätze: "Ohne die Kirchen bräche das Sozialsystem in der Bundesrepublik zusammen". - "Ohne den Religionsunterricht durch die Kirchen bekommt die Jugend keine Werteerziehung". Man bräuchte nur über die deutsche Grenze zu gehen, egal wohin, und würde sehen: Nichts bricht zusammen und die Jugend ist im Ausland auch nicht besser und schlechter als hier. Genauso selbstverständlich ist es, daß in einer Gesellschaft, in der die Kirchen über Jahrhunderte das Bildungsmonopol hatte, jede wissenschaftliche Überlieferung und jeder wissenschaftliche Fortschritt direkt oder indirekt kirchlichen Einrichtungen geschuldet ist. Dabei ist es nicht als moralische Großtat an der Bevölkerung zu preisen, daß Mönche und Nonnen Schulen einrichteten, christliche Fürstinnen Krankenhäuser stifteten und die alten Menschen recht und schlecht versorgt wurden. Das hat mit Christentum herzlich wenig zu tun, denn jede Gesellschaft hat und jede Gesellschaft braucht Schulen, Kranken- und Altenversorgung, um funktionsfähig zu sein. Der schlichte Eigennutz zwingt dazu. Man braucht Leute für die Verwaltung, Leute, die aus einem Bauplan schlau werden, Leute, die ein Rezept lesen können usw.. Ohne ein Mindestmaß an Krankenversorgung brechen Seuchen aus, ein völliges Fehlen an öffentlicher Fürsorge gefährdet die Loyalität. Daß es immer Idealisten gibt, die sich ganz besonders für das Wohl ihrer Mitmenschen einsetzen, ist ebenso klar, wie es selbstverständlich ist, daß dies in einer christlichen Gesellschaft christliche Idealisten sind, wie es in einer muslimischen Gesellschaft muslimische Idealisten sein werden und im Sozialismus sozialistische.

Von daher ist es auf der einen Seite banal, nach Jahrhunderten christlicher Monokultur zu behaupten: die Werte unserer pluralistischen Gesellschaft fußten allesamt auf dem Christentum. Worauf denn sonst?

Jede nachfolgende Kultur entwickelt sich aus der vorhergehenden. Keine Generation erfindet das Rad neu, sondern greift auf das zurück, was vor ihr war. Sei es in direkter Übernahme, sei es in modifizierter Übernahme, sei es in bewußter Absetzung. Aber das Bezogensein auf das Vorhergehende ist zwangsläufig.

Die banale Behauptung von der christlichen Prägung unserer Gesellschaft wird aber falsch, wenn damit ausgesagt werden soll, die nachchristliche Gesellschaft verdanke die Werte dem Christentum, hätte sie ihm quasi geraubt und stünde ohne diesen Raub wert-los da: Das Christentum hat nicht mehr und nicht weniger als die Funktion eines Stafettenläufers, der den Stab irgendwann übernommen hat und irgendwann weitergibt. Ob es diese Funktion gut oder schlecht erfüllt hat, sei dahingestellt. Aber unbestreitbar gab es Liebe, Verantwortungsbewußtsein, Solidarität, Ehrlichkeit und eine Erziehung zu diesen Eigenschaften vor dem Christentum und neben dem Christentum. Nächstenliebe etc. ist keine Erfindung des Christentums. Und selbst wenn: Irgendwann einmal wäre der Patentschutz abgelaufen. Man mag dem Erfinder des Aspirin das historische Verdienst dieser Großtat zugestehen, aber das heißt eben nicht, daß nur seine Firma Aspirin herstellen kann. Andere können es möglicherweise einfacher und billiger.

Vielleicht haben vor etlichen Jahrhunderten auch Griechen, Römer, Juden, Germanen gejammert, das Christentum hätte einfach ihre Werte annektiert, zahle keine Gema-Gebühren und unterlasse sogar den Quellennachweis!

Selbst wenn man konzedieren würde, daß das Christentum ein qualitativer Werte-Sprung vollbracht hätte, was zu sehen mir schwer fällt, so würde damit das Verdienst vorchristlicher Kulturen und die Abhängigkeit des Christentums von ihnen bestehen bleiben. Solange es sich aber lediglich darum handelt, daß seit den alten Römern, Griechen, Juden und Germanen durch das Christentum eine gewisse Weiter- und Höherentwicklung der Werte und der Menschenrechte stattgefunden hat, kann man nur sagen: Das wollen wir aber doch hoffen, daß sich in knapp zweitausend Jahren ein bißchen was getan hat.

Die Leute, die nicht müde werden zu betonen, daß die heutige Gesellschaft dem Christentum so viel verdanke, gleichen solchen Eltern, die ihren Nachkommen nichts anderes sagen können als den Satz: "Das alles verdankt ihr uns, ohne uns wärt ihr nichts!" Solche Eltern sehen eigenes Positive und auch Positives bei den Nachkommen als höchstpersönliche Leistung an. Daß das Ei durchaus klüger sein kann als die Henne, daß Kinder es weiter bringen können als die Eltern, wird geleugnet. Auch anerkennen solche Eltern nicht, daß sie selbst in einer Generationenfolge stehen und viel von den "Vätern ererbt" haben. Und umgekehrt wird den Nachkommen nicht zugestanden, daß sie Verdienste erwerben, die über das "Ererbte" hinausgehen und - bei aller Berücksichtigung der Abhängigkeiten - eigene Verdienste sind. Wie im wirklichen Leben geht es auch hier um Abhängighalten durch Verpflichtung zu lebenslänglicher Dankbarkeit und Abhängigmachen durch Angstmacherei. Denn in der Behauptung: Mir verdankst du alles, steckt auch der Satz: "Ohne mich bist du nichts. Wenn du dich von mir emanzipierst, wirst du scheitern." Oder, wie der Kommentator einer evangelischen Denkschrift sagt: "Kurz gesagt, vertritt der Text die These, der soziale und demokratische Rechtsstaat brauche die christlichen Kirchen. Wozu der Staat die Kirchen brauchen soll, wird nicht in letzter Konsequenz ausgesprochen, aber die Argumentation legt nahe, daß es ums Ganze geht. Wenn der soziale und demokratische Rechtsstaat.... ohne den historischen Einfluß des Christentums nicht entstanden wäre, dann wird er, so läßt sich folgern, ohne das Christliche auch nicht fortbestehen."(2)

Historische Abhängigkeit ist nicht zu verwechseln mit existentieller Abhängigkeit. Auch wenn es richtig ist, daß es mich ohne meine Eltern nicht gäbe, kann - und soll! - ich doch auch ohne sie gut leben!
Der Transzendenz-Schwindel

Nur was transzendent begründet sei, entziehe sich der Verfügbarkeit. Wahlweise jener der Menschen, des Staates, der Gesellschaft. Diese Behauptung ist eines der beliebtesten Totschlagargumente und taucht in immer neuen Variationen auf. Die Verfassung trage ihre Begründung nicht in sich, sondern müsse sie von außerhalb beziehen. Oder, wie es der Mann fürs Grobe, Kardinal Meisner, formuliert: "Wem Gott nicht mehr heilig ist, dem ist nichts mehr heilig... Hier wird doch zum Beispiel deutlich, wo die Verantwortlichen für die gegenwärtige Ausländerfeindlichkeit wirklich sitzen. Wer dagegen Gott kennt, kennt grundsätzlich keine Ausländer, weil wir alle vor Gott grundsätzlich Brüder und Schwestern sind."(3)

Böse Worte, weil sie spalten: Hier schwarz, dort weiß, hier die Bösen, dort die Guten. Verlogene Worte, weil sie vorgaukeln: Glaubt an Gott, und alles wird gut. Das ist Demagogie: Einfache Antworten auf komplizierte Zusammenhänge. "Ich habe die Wahrheit zu verkünden, sei es nun gelegen oder ungelegen,"(4) sagte der Kardinal in paulinischer Nachfolge bei anderer Gelegenheit.

"Die Wahrheit!" Wer sich in ihrem Besitz wähnt, hat weder Platz noch Zeit für Zweifel, für Differenzierung, nicht für andere und nicht für anderes. Auf protestantischer Seite gibt man sich meist etwas weniger grobklotzig, aber im Grunde handelt es sich um dieselbe undifferenzierte Schwarz-Weiß-Malerei inclusive Verunglimpfung Andersdenkender: "Wollte man Gott aus dem Grundgesetz eliminieren, dann unterwürfe man sich damit einem Trend, der ohnehin höchst bedenkliche Entwicklungen anzeigt: den Verlust an verpflichtenden Werten, die Dominanz eines banalen Materialismus, die Profanisierung des Weltbilds."(5) Was Kirchenfunktionäre vorbeten, beten Politiker aller Couleur brav nach. Ohne Bezug zu Gott sei Moral schwer zu begründen, meint der Ex-OB von Stuttgart Rommel. Wenn in Politik oder Wirtschaft nur nach Vernunft gehandelt werde, entstehe eine Pseudomoral, die zur Abkehr von Werten führe.(6)

In dem Eid, den die Soldaten der Weimarer Republik zu leisten hatten, fehlte der Bezug auf Gott, wohingegen die Eidesformel im Nationalsozialismus begann: "Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des deutschen Reiches. ..."(7) Die Berufung auf Gott hat bekanntermaßen keinerlei positive Auswirkungen gehabt. Nahezu die Hälfte der Kriege seien religiöse Kriege, ist zu lesen.(Cool Das halte ich für übertrieben, weil häufig die Religion vorgeschoben wird, wenn es in Wirklichkeit um ganz andere Dinge geht. Aber immerhin ist unzweifelhaft, daß sich Religion hervorragend dafür eignet, von Kriegstreibern instrumentalisiert zu werden. Wenn dann Kardinal Meisner das Soldatentum würdigt: "Ein Volk könne nur beruhigt sein, wenn es wisse, daß die Waffen zur Verteidigung und Erhaltung des Friedens in Händen seien, 'deren Köpfe und Herzen um ihre Verantwortung vor Gott und der Welt wissen'... In 'betenden Händen' sei die Waffe vor Mißbrauch sicher,"(9) dann läßt sich daraus nur schließen, daß Kroaten, Serben und Moslems samt der jeweiligen scharfmacherischen religiösen Hierarchie nicht genügend gebetet haben. Es beeindruckt weder irischen Protestanten noch irischen Katholiken im Ernstfall, daß beide gleichermaßen "Du sollst nicht töten" für ein göttliches Gebot halten.

Was die alltäglichen moralischen Fragen betrifft, so ist offenkundig, daß sich Gottgläubige von Nicht-Gottgläubigen nicht unterscheiden, auch nicht Fromme von Nicht-Frommen. Selbstverständlich gibt es Geistliche, die unter der Soutane Kokain schmuggeln(10), selbstverständlich gibt es sexuellen Mißbrauch durch Kirchengemeinderäte, selbstverständlich gibt es Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrug durch Religionslehrer und schlimme Ausländerfeindlichkeit in frommen Kreisen. Mir erscheint das weder besonders erwähnenswert und auch nicht besonders skandalös, weil ich weiß, daß das zwei verschiedene Paar Stiefel sind: Glauben und Moral. Oder, um es etwas wissenschaftlicher auszudrücken, die Alltagserfahrung lehrt, daß die Korrelation zwischen Glauben und Verhalten gleich Null ist.

Ich sage bewußt: Die Alltagserfahrung. Denn bedauerlicherweise führen die, die den Wert transzendenter Verankerung wortreich und lautstark behaupten, keine Untersuchungen durch, um zu belegen, daß Gläubigkeit zu besserem moralischen Verhalten führt. Eine einzige, sehr umfangreiche Untersuchung des Wiener Instituts für Pastoraltheologie "Wie Europa lebt und glaubt", bei der diese Fragen wenigstens am Rande eine Rolle spielen, belegt das Gegenteil. Im Kapitel "Was das Sozioreligiöse bewirkt" findet sich eine Tabelle mit der zutreffenden Überschrift "Kraft(losigkeit) des Sozioreligiösen"(11). Ob jemand fromm ist oder nicht, christlich oder nicht, hat einen ganz geringen Einfluß auf sein Lebensgefühl, seine Einstellung zu Sinn und Tod, sein Frauenbild, seine Moral und seine politische Einstellung. Die höchste Korrelation zwischen religiöser Gebundenheit und Werteinstellungen ist geringer als die niedrigste Korrelation zwischen Nationalität und Werteinstellung.(12)
Transzendente Begründungen machen Transzendenz verfügbar

Der Bezug auf Gott gehöre in die Verfassung, weil das vor Staatswillkür schütze.(13) Ach Gott! wird Salman Rushdie da nur sagen!

In der Verfassung eines pluralistischen Staates wird "Gott" vollends zum Fetisch herabgewürdigt, denn auf Nachfrage, um was für einen Gott es sich denn handle, heißt es: "Selbstverständlich ist damit nicht / nicht nur der christliche Gott gemeint!" Jeder kann sich darunter seinen Gott vorstellen oder eben irgendwas irgendwie Transzendentes und wenn das gar nicht klappen will, dann soll es wenigstens Respekt vor den Leuten ausdrücken, die was mit der Transzendenz anfangen können. So argumentieren die Leute, die warnen, daß ohne Religion alles der Beliebigkeit anheimfällt!

Aber genau hier wird die Unlogik des Arguments sichtbar, durch Verankerung in der Transzendenz würden die Dinge menschlicher Verfügbarkeit entzogen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Berufung auf Transzendenz bedeutet, sich die Dinge verfügbar machen!

Das Argument, transzendente Begründung entzöge sich der menschlichen Verfügbarkeit, würde nur dann greifen, wenn Transzendenz tatsächlich in unserem Leben erfahrbar wäre. Aber dem ist nicht so: nirgends machen wir die Erfahrung, daß ein Gott direkt den Menschen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Es gibt nur behauptete Transzendenz. Was aber nur behauptet werden kann, ist abhängig von dem, der behauptet. Die Unterwerfung unter "Gott" - so subjektiv aufrichtig sie oft sein mag - ist immer die Unterwerfung unter den Gott, den man sich gemacht hat. Wie sonst könnten sich der Mörder Rabins genauso auf ihn ebenso berufen wie Mutter Teresa, die jüdischen Siedler ebenso wie palästinensische Selbstmordkommandos, die Taliban-Milizen ebenso wie die feministische Theologin, Militärbischöfe ebenso wie Friedensgruppen, serbische Bischöfe nicht minder wie polnische antisemitische Pfarrer.

Hat die transzendente Begründung des Gebotes "Du sollst nicht töten" mehr Menschenleben gerettet als es der Ruf "Deus le vult" - "Gott will es!" gekostet hat, den Kreuzzüge aller Religionen auf ihren Lippen führten und führen?
"Gibt Gott die Gesetze, so ist ihre Auslegung Sache des Teufels"(14)

Sind die "göttlichen Anordnungen" konkret, dann ist ihre Nicht-Transzendenz oft schon dadurch nachweisbar, daß sie von denselben Hierarchen, die ihre Transzendenz behaupteten, später für nichttranszendent erklärt werden: daß der Mann das Haupt der Frau sei(15), daß es für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig wäre, sich dem römischen Papst zu unterwerfen(16), daß Mädchen und Jungen in öffentlichen Bädern nicht zusammen baden, noch gemeinsamen Turnunterricht haben dürfen.(17) Je nachdem welcher christlichen Sektion man angehört, gibt es ein göttliches Gebot, das Empfängnisverhütung verbietet oder erlaubt, ist gelebte Homosexualität Sünde oder nicht, mal ist es Todsünde, als Geschiedene wieder zu heiraten, mal bekommt man dazu via Pfarrer den Segen Gottes.

Meist sind die angeblich transzendent begründeten Gebote aber pauschal. Dann sind aber alle "prinzipiell" dafür. Keine Gruppe verzichtet darauf, Mord, Lüge, Diebstahl zu ächten - wofern die eigenen Leute davon betroffen sind. An diese Gebote hält man sich weltweit üblicherweise. Allerdings schützt weder eine immanente noch eine transzendente Begründung davor, daß es Ausnahmen gibt und zwar nicht nur aufgrund des Versagens einzelner, sondern wegen "offiziell sanktionierter" Ausnahmen. Auch angeblich göttliche Gebote gelten nämlich keineswegs ausnahmslos und werden keineswegs besonders ernst genommen: Trotz der Eindeutigkeit des Gebots "Du sollst nicht töten" weist der römische Katechismus von 1993 nach wie vor die Todesstrafe als legitim aus(1Cool, und Krieg gilt unter bestimmten Voraussetzungen als legitim.(19) Der lutherische Satz "Ketzer verbrennen ist wider den Heiligen Geist", wurde von der katholischen Kirche als Irrlehre gebrandmarkt, wie der Rat der EKD 1997 bemerkt - ein kleine Spitze darf man sich ja gegen die katholischen Brüder und Schwestern schon erlauben!(20)

Daß besagter Luther den Adel aufgefordert hat, Bauern totzuschlagen "wie man einen tollen Hund totschlagen muß", verschweigen die EKD-Leute lieber, ebenso wie seine Aussage, die Fürsten könnten sich in dieser Zeit den Himmel leichter mit Blutvergießen verdienen als sonst mit Beten.(21) Schließlich wollen Luthers Nachfahren sich mit dieser Schrift ja als die besseren und besten Demokraten empfehlen.(22) Darauf sind sie allerdings auch erst gekommen, nachdem sie des landesherrliche Schutz verlustig wurden.

Aber es lohnt sich, die Argumentation Luthers näher anzuschauen, weil daran exemplarisch deutlich wird, daß transzendente Begründung eines Gebots eben genau nicht bedeutet: Das Gebot hat ausnahmslos zu gelten. Sondern: Die Begründungen der Ausnahmen müßten auch wieder transzendent sein. Luther rühmt sich als Verantwortlicher der Morde an den Bauern: "Ich, M. Luther hab im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich hab sie heißen totschlagen; alle ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich weise es auf unseren Herrn und Gott, der hat mir das zu reden befohlen."(23)

Tatsächlich bedient sich also nicht "Gott" der Menschen, sondern die Menschen vereinnahmen "Gott" für ihre Zwecke, "Gott" kann sich nicht dagegen wehren, wenn ihm die Urheberschaft für alles Mögliche und Unmögliche zugesprochen wird. Wer jedoch subjektiv überzeugt ist, dies und das sei Gottes Wille, dem ist mit Vernunftgründen nicht beizukommen. Es ist reine Glückssache, ob er etwas Vernünftiges oder etwas Wahnsinniges für Gottes Wille hält.

Wie James Bond eine königliche Lizenz zum Töten hat, so haben diejenigen, die sich als DienerInnen Gottes fühlen, eine Lizenz, sich außerhalb der gängigen Moral zu stellen. Der normalen Moral steht die "höhere Moral" entgegen. Wenn Erzbischof Dyba das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken mit dem ZK der chinesischen Partei vergleicht, wenn Bischof Wetter Abtreibung mit Sexualmord gleichsetzt (von den geschmackvollen Gleichsetzung mit der Euthanasie im 3. Reich mal ganz abgesehen), wenn auf das Personal von Abtreibungskliniken geschossen wird, wenn ein badischer Pfarrer in volksverhetzender Weise gegen den Bau einer Moschee zu Felde zieht, wenn abgesprungene Priester, die oft jahrzehntelang für ihre Kirche gearbeitet haben, um ihre Rentenansprüche gebracht werden, wenn all dies geschieht, dann geschieht es eben nicht mit einem schlechten Gewissen: Eigentlich gehört sich das nicht.... Sondern es geschieht im Gegenteil mit einem besonders guten Gewissen: Im Dienste Ihrer Majestät darf man zum Wohle des United Kingdoms töten. Im Dienste Seiner Majestät darf man - selbstverständlich immer zum Wohle der Menschen - verleumden, Haß schüren, betrügen, ausmerzen.

Wer dagegen "nur" eine immanente Begründung für sein Tun hat, ist deswegen keineswegs von vornherein der bessere Mensch. Fanatismus, ideologische Verbohrtheit, Egoismus, Selbsttäuschung ist kein Privileg der Religionen und der Religiösen. Aber immerhin ist die Möglichkeit des Selbstzweifels naheliegender als die Überlegung, Gott könne womöglich was Verkehrtes wollen. Die Erfahrung, daß man selbst fehlbar ist, ist zugänglicher als die Vorstellung eines fehlbaren Gottes. Gesellschaftlich gesehen halte ich das immanente Argument: "Wo kämen wir denn dahin, wenn das jeder täte!" für wirksamer. D.h. das Argument, daß sozialunverträgliche Handlungen sich letztlich auch gegen den Störer der Ordnung richten, daß man die Einhaltung von Regeln nur dann fordern kann, wenn man sich selber dran hält.

Allerdings kann dieser Satz überhaupt nur bei denen funktionieren, die sich als "jeder" begreifen. Wer sagt: "Ich bin aber nicht 'jeder', sondern unterscheide mich von anderen, weil ich weiß, männlich, reich oder eben auch fromm bin, fühlt sich legitimiert, für sich eine Sondermoral in Anspruch zu nehmen. Diese Sondermoral mag teilweise durchaus rigider sein als die "normale Moral", was aber häufig lediglich heißt, daß sie unmenschlich und unbarmherzig sich selbst gegenüber ist.

Gerade die Heiligengeschichten sind voll von Beispielen brutaler Selbstquälerei und der Unfähigkeit zur Freundlichkeit sich selbst gegenüber. Das wäre schlimm genug, schlimmer ist aber, daß die Selbstunterdrückung häufig ihr Ventil im Fanatismus und der Unterdrückung anderer sucht und findet. Niemand schnüffelt so gnadenlos im Sexualleben anderer, als die, die sich selbst Sexualität verbieten. Seine MitbürgerInnen pauschal als "Geschlechtstiere"(24) zu diffamieren, liegt für einen zölibatären Kardinal näher, als für einen Familienvater, der weiß, welchen Stellenwert Sexualität im Alltag hat.
Moral und höhere Moral

Der Anspruch, den christliche Funktionäre erheben, ist beachtlich. Stellvertretend sei der protestantische Bischof Huber von Berlin zitiert, den man mal für einen Liberalen gehalten hat: "Es gibt in der Tat viele Versuche, Moral und Ethik rein aus dem menschlichen Vermögen zu begründen, also den Menschen selbst in Fragen von Moral und Ethik zum Maß der Dinge zu machen. Das beruht auf einer heillosen Überschätzung des Menschen. In der Regel sind das Versuche, die sich in der Frage der Endlichkeit des Menschen, des Problems menschlicher Schuld, des Scheiterns gegenüber moralischen Ansprüchen in unauflösbare Widersprüche verwickeln. Gerade deswegen ist ja der Beitrag der christlichen Religion zu dieser Diskussion unverzichtbar. Sie sagt: Der Mensch verdankt sich nicht sich selbst, er bringt sich nicht selbst hervor. Die Maßstäbe seines Handelns sind nicht einfach ein eigenes Produkt. Es ist der prometheische Größenwahn des Menschen, gegen den sich die Kritik des christlichen Glaubens richtet."(25) Ich denke, umgekehrt wird eher ein Schuh draus: Größenwahn nenne ich es, wenn Leute meinen, sie wüßten genau, was Gottes Wille ist und auftreten, als hätten sie die ewige Wahrheit gepachtet und die verdammte Pflicht, anderen Gottes Willen aufzuzwingen.

Die neue, alte Allianz von Kohl und Altar zur vorgeblichen Rettung der Werte und der Moral wird schnell brüchig, wenn die Kirchen zufällig mal den Politikern auf die Füße treten. Dann ist sogar ein Kohl zu erstaunlich richtiger Wahrnehmung fähig. Als 1995 kirchlich engagierte Menschen gegen die Abschiebung von Sudanesen protestierten, beschwor Kohl den ethischen Grundkonsens, "für den in Deutschland Staat und Kirche gleichermaßen verantwortlich seien" - was Gott verhüten wolle! Aber Kohl warnte: Dieser - vorgebliche - Grundkonsens gerate in Gefahr, "wenn das Wort 'Widerstand' mißbraucht werde, um eigene Überzeugungen rechtswidrig oder mit Gewalt gegen demokratisch legitimierte Entscheidungen durchzusetzen". In den Kirchen gebe es immer wieder Stimmen - so der Kanzler -, die im Namen einer "angeblich höheren Moral" für sich in Anspruch nähmen, über dem Gesetz zu stehen. Erschreckt habe ihn, "mit welcher aggressiven Hysterie" einige Kirchenkreise auf die Abschiebung von sudanesischen Asylbewerbern reagiert hätten, monierte Kohl.(26)

Dies ist ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie die vorgeblich vor menschlicher Willkür schützende transzendente Begründung von Moral dem eigenen (parteipolitischen) Belieben unterworfen wird: In dem Moment, in dem ein moralischer Standpunkt nicht ins Konzept paßt, wird aus der "höheren Moral" eine "angeblich höhere Moral" und plötzlich sind die "demokratisch legitimierten Entscheidungen" das Maß aller Dinge, und nichts und niemand berechtigt, sich gegen oder über das Gesetz zu stellen. Transzendente Begründung entzogen der menschlichen Verfügbarkeit? Daß ich nicht lache!

Immanente Begründungen der Moral haben ebenso wie ein säkulares Grundgesetz genau den Vorteil der Selbstbescheidung. Man erhebt gerade nicht den uneinlösbaren Anspruch auf Verkündigung ewiger Wahrheiten, sondern stellt pragmatische Spielregeln auf, an die sich alle unterschiedslos zu halten haben. In dieser Selbstbescheidung wird mehr für Toleranz und friedliches Zusammenleben, mehr für Menschenrechte getan, als in allen Verfassungen von Gottesstaaten, die ich kenne.

Wie tolerant(27) sähe unsere Gesellschaft ohne säkulares Grundgesetz aus? Historisch mußte und muß der Staat eher seine BürgerInnen vor kirchlicher Intoleranz schützen als umgekehrt. Toleranz, Freiheit und politische Gerechtigkeit seien "gegen die Kirche erstritten" worden, "das Kreuz stand nicht für Toleranz, sondern für Intoleranz", meinte Mahrenholz.(2Cool Mir widerstrebt es, die alten Klamotten: Stellung der Kirchen zur Demokratie, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Gleichberechtigung usw. zum soundsovielten Male runterzubeten. Sondern ich beschränke mich auf die Zeit der Bundesrepublik: Wenn es nach den Kirchen gegangen wäre, wären nichteheliche Kinder nach wie vor nicht gleichgestellt, Homosexuelle müßten ins Gefängnis, die Männer hätten in der Ehe das Recht, ihre Erziehungsziele auch gegen den Willen der Frau durchzusetzen, AtheistInnen dürften nicht unterrichten, Religionskritik würde als Gotteslästerung verfolgt, man ließe junge Mädchen lieber schwanger werden, als daß man ihnen die Pille gäbe und Vergewaltigung in der Ehe gäbe es nicht - als Straftatbestand, und daß Eltern ihre Kinder prügeln dürfen stünde außer Frage. Gottgewollt wäre die getrennte Erziehung von katholischen und protestantischen Kindern und von Jungen und Mädchen. Und ob man Heinrich Heines Werke kaufen dürfte, darf auch bezweifelt werden. Immerhin stand er bis 1967 auf dem Index.(29)
Erlaubt ist, was gefällt! oder für jeden etwas: christliche Moral und Werte

Da setzt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Lehmann seine Unterschrift unter eine ganzseitige Annonce der Initiative "pro Gentechnik": "Wir appellieren an die politische Führung unseres Landes, an die Entscheidungsträger in Bund und Ländern, an alle verantwortungsbewußten Bürger: Bauen Sie die Hürden für die Gentechnik in Deutschland ab! Wir brauchen diese Basistechnologie, um unsere Verpflichtung für die Zukunft unserer Kinder zu erfüllen. Wir appellieren an Ihre Verantwortung - für unser Land."(30) Da wird eine Arbeitsstelle der Evangelischen Kirche für Fragen der Bio- und Medizintechnologien zitiert: "Warum evangelische Christen die Bioethik-Deklaration zum 'Schutz der menschlichen Erbinformationen' verwerfen"(31), wohingegen die Erklärung der EKD zur Bioethik es nicht für moralisch verwerflich hält, wenn Gene und lebende Organismen patentiert würden.(32) Da streitet das ZK der Deutschen Katholiken bezüglich der europäischen Bioethik-Konvention: "Unter Katholiken herrscht wieder Streit um die Bioethik-Konvention - Arbeitsgruppe empfahl Zustimmung zu einer Vereinbarung, die das Plenum des ZdK bereits abgelehnt hatte."(33)

Da begründet schließlich jener amerikanische Forscher, der demnächst Menschen klonen will, dies ganz transzendent: "Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Gott beabsichtigte, daß der Mensch wie er sein würde. Klonen und die Veränderung der Erbsubstanz ist der erste ernsthafte Schritt, wie Gott zu werden."(34) Das heißt: Die Meinungen der Christen (von anderen Transzendenz-Gläubigen wollen wir gar nicht erst reden) sind genauso unterschiedlich, wie die von Angehörigen anderer Weltanschauungen. Nennen Sie mir eine konkrete moralische Frage, zu der Theologen und die kirchlichen Hierarchen nur eine Meinung haben. Es gibt keine. Selbstverständlich ist das dann aber Meinungsvielfalt, wohingegen dasselbe Phänomen diffamiert wird, wenn es anderswo - z.B. bei LER - auftaucht. Da ist es dann ein unverbindlicher "Gemischtwarenladen", der zur Orientierungslosigkeit führt.

Daß Christen für das Gute, Wahre und Schöne sind, bestreitet niemand. Bloß: Das sind wir alle! Christen wie Nichtchristen! Gläubige wie Agnostiker. Da braucht es kein Christentum und keine Religion. Zur Beantwortung der konkreten Fragen unseres Lebens aber trägt das Christentum nichts bei. Ob ich meinem Kind den Umgang mit einer bestimmten Gruppe verbiete, weil es wichtig ist, klare Grenzen zu ziehen, oder ob ich das nicht tue, weil gerade das Verbotene attraktiv ist - fragen Sie dazu fünf Theologen, und Sie bekommen fünf verschiedene Antworten, ob "die richtige" dabei ist, hängt von der Lebenserfahrung des Betreffenden ab und nicht von seiner Gläubigkeit.
Allgemeine Werte sind wertlos, Moral ist konkret

Schwierig wird es immer, wenn es konkret wird: Im Jugoslawienkrieg stand der serbische Klerus - die Bischöfe vorneweg - auf der Seite des Serbenführers Karadzic, wovon Teile des Weltkirchenrats sichtlich peinlich berührt waren. Aber laute Kritik gab es nicht: Man fürchtete den Auszug der orthodoxen Bruderkirchen.(35) Ich empöre mich nicht darüber, denn ich weiß, daß es bei der Moral meist nicht um gut und böse geht, ach wie wäre das einfach! Fast immer geht es um die viel kniffligere Frage von mehr oder weniger gut, mehr oder weniger schlecht. Es ist ja genau dieses Abwägen-Müssen, was die Entscheidung moralischen Fragen im konkreten Fall so schwierig macht.

Vor vielen Jahren, ich nahm an einer katholischen Ausbildung zur Eheberaterin teil, hatten wir einen Domkapitular zu Gast, einen von der sympathischeren Sorte, der sich mit wohlgesetzten Worten grundsätzlich, prinzipiell und überhaupt gegen Abtreibung aussprach. Das war noch längst vor der Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Die Leiterin wurde konkret: "Was würden Sie machen, wenn in Ihre Beratungsstelle eine Frau käme, fest entschlossen abzutreiben und Sie wüßten: Wenn Sie ihr nicht die Adresse eines Arztes geben, dann geht sie zum Kurpfuscher?" Der Domkapitular machte noch einen kurzen Fluchtversuch und meinte, sowas könne man nie ganz sicher wissen (womit er ja recht hat), aber sagte dann: "Ich würde es auf meine pastorale Kappe nehmen und ihr die Adresse geben."

In der Folge nahmen wir immer unsere imaginäre pastorale Kappe zur Hand, wenn wir vor ähnlichen Problemen standen.

Heute würde ich diesen Domkapitular zum Beispiel fragen: Ich habe einen Sexualstraftäter in Behandlung genommen. Was ist - angesichts des bevorstehenden Prozesses - gut und was ist böse? Soll ich dazu schweigen, wenn er vor Gericht ein Verhalten plant, mit dem er sich reinreitet? Ist es böse, in der Therapie seine Aussagen so mit ihm durchzusprechen, daß er möglichst noch eine Bewährungsstrafe bekommt? Wie wäge ich die Hoffnung, daß er aufgrund meiner Solidarität (mit ihm, nicht mit seiner Tat) offen wird für eine wirkliche Veränderung, gegen die Möglichkeit, daß er - auch mit meinem Zutun - auf Bewährung freikommt und sich umgehend wieder an Kindern vergreift?

Oder, verehrter Herr Domkapitular, was meinen Sie zu folgendem Problem: Eine Frau mit vier jüngeren Kindern wird von ihrer schwerst pflegebedürftigen Mutter gebeten, sie nicht ins Heim zu geben, sondern selbst zu pflegen. Beides - Kindererziehung und Pflege - ist nicht zu leisten, ohne daß die junge Frau daran kaputtgeht.

Oder wie soll sich die Frau entscheiden, die erneut ungewollt schwanger geworden ist, kurz nachdem sie eine psychotische Episode samt Suizidversuch als Folge einer Wochenbettdepression überstanden hat. Was heißt in diesem Fall, sich "für das Leben" entscheiden, wenn zuhause drei Kinder sind - das jüngste ein halbes Jahr, die eine halbwegs stabile Mutter brauchen? Was, wenn sie wieder psychotisch wird, oder sich gar umbringt? Aber auch umgekehrt: Was, wenn diese stark religiös geprägte Frau aufgrund einer Abtreibung so sehr von Schuldgefühlen bedrängt wird, daß sie aus diesem Grund erneut erkrankt?

Man mag einwenden, daß diese Beispiele zwar in meiner Praxis alltäglich sein mögen, aber das "wirkliche Leben" weniger kompliziert sei. Sicher gibt es Tausende relativ banaler moralischer Probleme, deren Lösung relativ eindeutig ist. Aber das ist dann eben nicht nur für religiöse Menschen klar, sondern für alle. Daß ich nicht mit 80 km/h durch die Stadt fahre, braucht nicht biblisch begründet zu werden, und die Raser unterscheiden sich von den anderen nicht durch ihre Nicht-Religiosität, sondern erfahrungsgemäß durch Geschlecht, Alter und Alkoholkonsum!
Im Ernstfall alleingelassen!

Als in den 50er Jahren die Frage der Erlaubtheit des Atomkrieges theologisch angegangen wurde, referierte ein Autor in der Herder-Korrespondenz die vielen einerseits-andererseits, bis hin zu der Überlegung, ob ein atomarer Erstschlag nicht unter Umständen auch notwendige Selbstverteidigung sein könne. Die Frage kann man durchaus stellen. Nur, wenn nicht mal darauf eine verbindliche "christliche" Antwort zu geben ist, was soll das Ganze dann? Wenn dann derselbe Autor sich auch noch in die Brust wirft und die Kirche für ihre Freiheitlichkeit preist, die dem Einzelnen die Entscheidung überläßt, dann ist daran nur bewundernswert, wie eine Bankrotterklärung kaschiert wird. 1954/55 also hieß es: "Die Kirche hat stets und rücksichtslos die Grundsätze des Glaubens und der Sittlichkeit gelehrt und Verstöße gegen diese Grundsätze verurteilt. Sie ergreift aber kraft ihres an die ganze Menschheit gerichteten und andererseits auf das Wächteramt über Glaube und Sitte beschränkten Auftrages nie eine faktische, und das heißt in diesem Zusammenhang: eine politische Partei. Sie duldet lieber, daß ihre Kinder im Raum der politischen Tatsachen verschiedener Meinung sind und auf verschiedenen Fronten kämpfen. So beweist sie, daß sie die Freiheit des Gewissens höher schätzt als den Gleichschritt aller Katholiken."(36)

Sich auf ein allgemeines "Kindlein, liebet einander!" zu beschränken, und im konkreten Fall den Einzelnen sich selber zu überlassen: Das kann man billiger haben.

Für moralische Fehlentscheidungen sind die Einzelnen zuständig, während sich die Hierarchie ans Revers heftet, sie sei immer fürs gute Prinzip eingetreten. Das ist wie im Kapitalismus: Die Arbeitnehmer tragen das Risiko, der Arbeitgeber die gutdotierte und für ihn folgenlose "Verantwortung".

Wer sich wie die Kirchen, insonderheit die katholische aufspielt, als hätten sie die richtige Antwort parat und als wäre alles ganz einfach, wenn man nur auf Gott höre, verhält sich unmoralisch. Unmoralisch, weil es betrügerisch ist. Wer in einer komplizierten Welt - und die Welt war immer kompliziert - eine einfache Welt vorgaukelt, handelt verantwortungslos.

Wir sind allesamt ungefähr gleich klug oder dumm. Wir alle verfügen nicht über die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen. Das wäre aber die Voraussetzung, richtig zu entscheiden, weil sich Entscheidung immer auf Zukünftiges beziehen. Wir haben alle nur eine beschränkte Erfahrung, beschränkte Handlungsmöglichkeiten und beschränkte Fantasie. Wer das für sich anerkennt und für den anderen genauso gelten läßt, ist ein akzeptabler Gesprächspartner. Nur unter dieser Voraussetzung ist Dialog, Ratschlag, Mahnung wertvoll. Wer aber prinzipiell behauptet, etwas Besseres zu sein oder was Besseres zu haben, ist im besten Fall einer, der sich selbst betrügt, wahrscheinlicher aber ein Scharlatan und ein Rattenfänger.
Wem nutzt der Religionsunterricht in den Schulen?

Positive Wirkungen des Religionsunterrichts sind unbestreitbar - für die Kirchen! "Als einzigartige Möglichkeit für die Kirche, kontinuierlich mit der nachwachsenden Generation in Begegnung zu treten, bleibt der RU unersetzbar. Für den weitaus größten Teil der Kinder und Jugendlichen ist eine religiöse Erziehung im Elternhaus nicht mehr gewährleistet...

Noch begrenzter ist die Zahl derjenigen, die in der Bindung an eine kirchliche Gemeinde aufwachsen und hierbei zu ihrer christlichen Identität finden. Für sie alle bildet der RU die einzige Brücke zur Kirche."(37)

Aber wo bleiben die positiven Wirkungen für die Menschen und die Gesellschaft? Ist das Leben der Franzosen - seit Generationen ohne schulischen Religionsunterricht - sinnentleerter als das der Deutschen? Sind Ostdeutsche unmoralischer als Westdeutsche? Klauen Kinder mit Religionsunterricht weniger als solche mit Ethikunterricht? Verhalten sich Münchner SchülerInnen (meist mit Religionsunterricht) sozialer als die aus Bremen (ohne Religionsunterricht)?

Gerade in Zeiten leerer Kassen ist Effizienzkontrolle gefragt, sollte man meinen. daß die Kirchen daran nicht sonderlich interessiert sind, kann man ja noch verstehen. Aber von staatlicher Seite sieht es genauso aus. Wenn jede zehnte Stunde regulären Unterrichts ausfällt, genügt aber nicht der hoffnungsvolle Glaube, 9 - 13 Jahre Religionsunterricht werden schon nicht für die Katz sein! Die staatliche Zurückhaltung hat weniger mit der grundgesetzlichen Garantie des schulischen Religionsunterrichts zu tun. Dort sind weder zwei bis drei Wochenstunden festgeschrieben, noch daß dieser Unterricht vormittags stattfinden muß. Vor allem aber ist Religionsunterricht in bekenntnisfreien Schulen kein "ordentliches Lehrfach".

Daß fast 100% unserer Schulen christliche Gemeinschaftsschulen sein sollen, ist angesichts der Entwicklung der Kirchenmitgliederzahlen überhaupt nicht einzusehen. Statt den Wert des Religionsunterrichts für die Werteerziehung zu überprüfen, wird er gebetsmühlenhaft behauptet. Zum Beispiel von unserem Kanzler: "Der Religionsunterricht ist schon mal aus der Schule verbannt worden, die Folgen kennen wir alle,"(3Cool meint er düster in Anspielung auf die angebliche Abschaffung des Religionsunterrichts durch die Nationalsozialisten.(39) Wohin hat denn nun die angebliche Abschaffung des Religionsunterrichts geführt? Zur Machtergreifung der Nazis? Das geht wohl schlecht, denn die mußten ja erstmal an der Macht sein, um den Religionsunterricht abschaffen zu können. Die NSDAP wurde gewählt von Menschen, die fast alle Religionsunterricht gehabt haben, wie auch die braunen Machthaber selbst. Das ist wirklich kein sehr überzeugender Beweis für gelungene Werteerziehung durch Religionsunterricht!

Um die gesellschaftliche Akzeptanz des Religionsunterricht ist es schlimm bestellt: Er läßt Schülerinnen und Schüler gleichgültig, religiöse Inhalte müssen getarnt werden, will man nicht ein allgemeines Abschalten provozieren. Von einem Teil der ReligionslehrerInnen wird das dann als besonders progressiv dargestellt, Marke "Sie haben noch völlig veraltete Vorstellungen vom Religionsunterricht". Kürzlich meinte ein Mitdiskutant bei einer Podiumsdiskussion, er vermeide in seinem Unterricht das Wort Gott, und bildete sich darauf noch was ein. Wer so aus der Not eine Tugend macht, trifft sicher die Erwartungen der großen Mehrheit der Eltern. Die meisten wollen für ihre Kinder im Religionsunterricht eine Vermittlung sozialer Tugenden und sonst nichts. Dies konnten die Bischöfe 1989 in einer von ihnen selbst in Auftrag gegebenen Studie lesen.(40) Weil der Religionsunterricht also etwas schwach auf der Brust ist - zumal nach LER in Brandenburg, von wo Ansteckung droht -, holte man sich vergangenen Herbst Rat bei den Werbefachleuten und startete eine großangelegte Kampagne mit 4 Millionen Broschüren und einer Promotionveranstaltung, die in diesem Fall Symposion heißt. Das Produkt Religionsunterricht vermittelt laut Bischof Lehmann "eine umfassende Hilfe zur wachsenden Menschwerdung", wie Bischof Lehmann am 7.10. vor Repräsentanten des Staates (nämlich unter anderem: die Präsidentin des Deutschen Bundestages, zahlreiche Bundes- und Landesminister, parlamentarische Geschäftsführer) ausführte.(41)

Das wirft nicht nur die Frage auf, ob jemand ohne Religionsunterricht hinsichtlich der Menschwerdung zwergwüchsig bleibt. Sondern man fragt sich auch, wie ein Fach, das als "Lernort des Glaubens"(42) apostrophiert wird, ganz gewiß keine Glaubensvermittlung für die inzwischen umworbenen teilnehmenden Nichtgläubige sein will.(43) Vorwurfsvoll titelt Heike Schmoll in der FAZ "Die Meinung, Religionsunterricht sei eine Missionsveranstaltung der Kirchen, ist unausrottbar"(44) Bevor ich mich ob meiner obsoleten Vorstellungen zu schämen beginne, lese ich gerade noch rechtzeitig das Bischofswort: "Die Kirche bleibt zur Verwirklichung ihres missionarischen Auftrags mehr denn je auf ihn und auf die Lehrer, die ihn erteilen, angewiesen."(45) Ja, wie denn nun?

Der Religionsunterricht sei "Religionsunterricht einer konkreten Glaubensgemeinschaft" meint der Bischof, aber müsse "von Grund auf ökumenisch offen" sein. Da möchte ich gern Mäuschen spielen, wenn die Herren Bischöfe und Oberkirchenräte sich über dieses "von Grund auf" verständigen wollen! Steckt doch nicht nur der Teufel im Detail, sondern der von Herrn Lehmann beklagte "engstirnige Konfessionalismus" in den eigenen Reihen. Dort heißt er dann "Treue zur Heilsbotschaft Christi". Die einen wollen einen Religionsunterricht, der zeitgemäß ist, andere warnen vor einer "entsprechende(n) Religionspädagogik", weil deren Folge die "Entfernung von der Kirche" sei.(46) "Dabei sein ist alles!", ist die Devise. Wie die hohen Herren den Spagat zwischen konfessionell und nicht konfessionell, Glauben vermittelnd, aber nicht missionierend, leisten wollen, wie sie Dienstleistungsunternehmen für den Staat(47) sein wollen, aber auf keinen Fall "als geistlicher Büttel des Staates die Schüler zu bürgerlichem Wohlverhalten zu erziehen" möchten(4Cool, all das braucht uns nur aus einem Grund zu interessieren: Wie kommt eine Institution, in der es ungefähr doppelt so viele Meinungen zum Religionsunterricht gibt wie entsprechende Gremien, dazu, dieses Fach als eines anzupreisen, das den Heranwachsenden Orientierung und festen Halt in der verwirrenden pluralistischen Gesellschaft gibt? Was fällt den Anbietern dieses Fleckerlteppichs von Unterrichtskonzepten eigentlich ein, auf die sogenannte "Patchwork-Religiosität"(49) religionskundlicher Fächer herunterzusehen?

Und weiter: Der "fundamentale Wertekonsens" sei "allein" durch die Religion zu garantieren(50), weshalb der Religionsunterricht so wichtig sei. Das sagen die Leute, die sich noch nicht mal einigen können, wie ihr Gott richtig und gültig angebetet wird, ob es zur rechten Kirchenverfassung einen Papst braucht oder nicht, ob die heiligen Riten der einen auch von den anderen anerkannt werden können. So jemand empfiehlt sich nicht eben durch Konsensfähigkeit. Und weiter: Im Religionsunterricht geschehe Erziehung zu den Werten unserer demokratischen Verfassung. Und durch wen geschieht sie? Durch Leute, bei denen via Laieninstruktion des Vatikans gerade die wahrhaft zukunftsweisenden Fragen geklärt worden sind, ob Laien beim Gottesdienst im Altarraum stehen oder den Pfarrgemeinderat leiten dürfen (beide Male: nein). Das ist putzig! Im Binnenbereich die Priesterherrschaft zementieren und nach außen als Garant demokratischer Werte auftreten! Wenn gegen genannte Instruktion des Vatikans selbst Bischöfe ihren Widerstand anmelden(51) und Theologieprofessoren nachsichtig meinen: "Die Wirklichkeit ist dem Lehramt längst davongelaufen"(52), dann wird man fragen dürfen und müssen, ob die Mitglieder der genannten Institution sich vielleicht zunächst besser um den Konsens in den eigenen Reihen kümmern sollten, bevor sie sich an größere Aufgaben heranwagen.

Wer sich, wie das jüngste Trauerspiel der Deutschen Bischofskonferenz leider nur zu eindrucksvoll belegt, vom römischen Monarchen in der Frage der §218-Beratungsstellen derart bevormunden läßt - wo sind sie da, die Leute, die die Wahrheit sagen, sei es gelegen oder ungelegen, wo sind die Mutigen, die dem Petrus ins Angesicht widerstehen? - der empfiehlt sich nicht gerade als geeignet als Erzieher der Jugend zur Zivilcourage! Wem dann als Reaktion auf his master's voice nur einfällt, den Druck weiterzugeben und ein neues Abtreibungsrecht zu fordern(53), der weckt sicher nicht nur bei mir Zweifel: Ist das wirklich eine gute Adresse, um Kinder und Jugendliche Einführungsunterricht in den demokratischen Spielregeln zu geben?

Der Totalitarismus drohe, wenn der Staat die Kirche nicht an der schulischen Erziehung beteilige(54). Ist es schlimm, wenn ich gestehe, daß mir diese Behauptung keinen kalten Schauder über den Rücken jagt?

Aber fast wäre ich doch noch überzeugt worden, daß Religionsunterricht in die Schule gehört! Durch die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Antje Vollmer nämlich, promovierte Theologin und Mitglied der Synode der EKD. Sie meinte: "Hinter dem Religionsunterricht steckt doch noch ein viel tieferer Sinn. Es hat mal eine Zeit gegeben, da wurde dieser Kontinent von heftigen Glaubenskriegen erschüttert. Das waren Kämpfe von Fundamentalisten in beiden Lagern. In jeder Religion steckt solch ein gefährliches fundamentalistisches Potential. Indem der Staat an seinen Schulen Platz für Religionsunterricht schafft und die Religionslehrer an seinen Universitäten ausbildet, bringt er das gefährliche Potential der Religion unter Kontrolle. Er verpflichtet ihre Lehrer auf ein bestimmtes Maß an Zivilisation und Dialog."(55)

Ja, so gesehen hat sie recht. Aber vielleicht wäre es doch preiswerter, auf Dauer einen staatlichen Nachhilfeunterricht in bürgerlichen Tugenden für religiöse Funktionäre anzubieten, als daß man die Schulkinder flächendeckend zum Religionsunterricht verdonnert, bloß damit die Religionslehrer der Gefahr des Fundamentalismus entgehen!
Anmerkungen:

1 Gekürzter Text eines Vortrags im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung des Bundes für Geistesfreiheit (München), der Humanistischen Union (OV München und Bildungswerk Bayern), und des Fachverbandes Ethik (LV Bayern), am Freitag, 27. Februar 1998, in der Seidlvilla, München-Schwabing.

2 Klaus Koch, Geht dieser Staat ohne die Christen unter? Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine Denkschrift über 'Christentum und politische Kultur' herausgegeben. Sie ist eine Beschwörung der Vergangenheit. In: Berliner Zeitung vom 3.11.97

3 Joachim Kardinal Meisner in der Silvesterpredigt 1992/93, in: Süddeutsche Zeitung vom 2./3.1.1993 S. 6

4 Kardinal Meisner in: Mit der Seele auf der Zunge, Die Zeit Nr. 28 vom 3.7.92

5 ESt, Ein kritisches Vermächtnis - Gott im Grundgesetz, in: Evangelische Kommentare Bd. 226/1993 Nr. 5, S. 255

6 Zitiert nach Frankfurter Rundschau vom 23.1.1996

7 Zitiert nach Anton Egner et al., Geschichte S II. Deutschland im Umbruch, Schrödel Schulbuchverlag, S. 31

8 "Von den weltweit jährlich rund 50 Kriegen haben nahezu die Hälfte einen religiösen Hintergrund. Dies ergibt sich aus einer Übersicht zur Weltentwicklung. Daraus geht hervor, daß die meisten religiös motivierten Konflikte in den 90er Jahren entstanden. Am längsten dauern die religiös motivierten Konflikte in Nahost und Nordirland. Auffällig in Religionskriegen sei die Tendenz, sich zum existentiellen Konflikt auszuweiten. 'Der Sinn des Lebens scheint bedroht, und so werden religiös motivierte Kriege oft verbissener, unnachgiebiger und brutaler ausgefochten als andere,' heißt es in der Studie. "Brutale Religionskriege" in: Schwäbisches Tagblatt vom 30.11.93

9 "Kölner Kardinal Meisner würdigt Soldatentum, Frankfurter Rundschau vom 31.1.1996

10 "Kokain unter der Soutane, in: Badische Zeitung vom 4.2.98

11 Paul M. Zulehner/Hermann Denz, "Wie Europa lebt und glaubt - Europäische Wertestudie Düsseldorf 2". 1994, 198

12 Die Korrelation beträgt in zwei Bereichen 0.15 (Sinn und Tod / Moralitäten) in den anderen aufgezählten acht liegt sie deutlich darunter. Zum Vergleich: Die Korrelation zwischen der Nationalität einer Person und ihrer Gläubigkeit, ihren Sinnvorstellungen, ihrer Moralität und ihrer politischen Einstellung betragen im Höchstfall 0.7 und gehen bei keinem Wert unter 0.2. Für Korrelationen gilt: über 0.0 - 0.19: schwache Korrelation, zwischen 0.2 und 0.4: mittlere Korrelation, alles darüber (bis zur völligen Korrelation 1.0) gilt als starke/sehr starke Korrelation.

13 So z.B. der CDU-Fraktionsvorsitzender im Thüringischen Landtag, Jörg Schwäblein, in Frankfurter Rundschau vom 28.12.93, (Bezug Leserbrief vom 18.1.94), vgl. auch den jüngsten Vorstoß des Bundeskanzlers für einen Bezug auf Gott in einer künftigen Europäischen Verfassung, womit er eine Forderung des damaligen Vorsitzenden der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Ingo Friedrich, von 1994 aufnimmt: "Alle von Menschen verursachten Katastrophen in der Weltgeschichte und in der Gegenwart, vom Holocaust bis zum Völkermord, haben ihre Ursache in der Abkehr der Völker von Gott. Angesichts des Vordringens des Atheismus in Europa und wegen der christlichen Wurzeln Europas, gehört der Hinweis auf die Verantwortung der Völker vor Gott und den Menschen auch in eine zukünftige Europäische Verfassung. Die in und für Europa geltenden humanen Werte sind zunächst christliche Werte, für die der endgültige Bezugspunkt im Transparenten (sic!) und damit in Gott zu sehen ist." Quelle: http://www.idea.de/ (idea spektrum 6/94, S. 16)

14 Michael Kohler in der Filmbesprechung "Im Auftrag des Teufels", Frankfurter Rundschau vom 20.1.98

15 "Wer grundsätzlich die Verantwortung des Mannes und Vaters als Haupt der Ehefrau und der Familie leugnet, stellt sich in Gegensatz zum Evangelium und zur Lehre der Kirche... Die Lehre selbst aber, um die es hier geht, ist in Gottes Wort klar bezeugt. Wer sie leugnet, verkennt und verkehrt die hohe Berufung und Verantwortung des Mannes und Vaters, dem zum Dienst der Liebe an Frau und Kindern eine Leitungsgewalt übertragen ist... Das gilt für jede Ehe..." Hirtenwort der deutschen Erzbischöfe und Bischöfe zur Neuordnung des Ehe- und Familienrechtes vom 30.1.1953, in: Kirchlicher Amtsanzeiger für die Diözese Trier, 97, 1953, 41-44, 42, 43,

16 Bonifaz VIII, Bulle 'Unam Sanctam' von 1302, Vgl. Josef Neuner und Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung", Regensburg 1958 S. 219f., 220 "Dem römischen Papst sich zu unterwerfen ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig. Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir."

17 Leitsätze der Deutschen Bischöfe zu modernen Sittlichkeitsfragen von 1925, Vgl. Georg Denzler, "Die verbotene Lust, 2000 Jahre christliche Sexualmoral", München 1988, S. 229 und 234

18 Katechismus der Katholischen Kirche , München 1993, S. 576:

19 Katechismus der Katholischen Kirche, a.a.O., 586 -588

20 Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, a.a.O., S. 8

21 G. Franz, Bauernkrieg, in: Hans v. Campenhausen et al.(Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Bd. 1 31957, S. 927-930, 929

22 "Auf diesem Hintergrund hat 1985 die Denkschrift 'Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie' die Demokratie zwar nicht zur 'christlichen Staatsform' erklärt, aber die 'Nähe' der Grundorientierung des demokratischen Staats 'zum christlichen Menschenbild' und eine theologisch und ethisch begründete positive Beziehung von Christen zum demokratischen Staat aufgezeigt", Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, a.a.O., S. 9

23 Zitiert nach Karlheinz Deschner, Opus Diaboli, Reinbek 1987, 128

24 Zitiert nach: "Natalies Familie greift Münchner Kardinal an", in Süddeutsche Zeitung vom 5.1.98, ebenso in Frankfurter Rundschau vom 16.2.98

25 Bischof Huber, "Erzogen zur Gottlosigkeit", in: Wochenpost vom 2.11.1995

26 Schwäbisches Tagblatt 4.11.95 "Grundkonsens mit dem Staat nicht gefährden"

27 "Kaum ein Vorwurf ist gegen die christlichen Kirchen so oft und so leidenschaftlich erhoben worden, wie der Vorwurf der Intoleranz. Dieser Vorwurf ist deswegen besonders gravierend, weil Toleranz mit dem Wesen des christlichen Glaubens unlöslich verbunden ist. Die Geschichte der christlichen Kirchen ist freilich auch durch Exzesse von Intoleranz gezeichnet. Oft waren sie Folgen eines fanatisierenden Mißverständnisses der Wahrheit des Evangeliums". (Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, a.a.O., S. Cool Dies ist der klassische Argumentationsstil. Obersatz: Das Christentum steht für Toleranz, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Solidarität.... Untersatz 1: In der Wirklichkeit hat es damit gehapert. Untersatz 2: Schuld daran waren Mißverständnisse. Untersatz 3: Aber im Prinzip!

28 Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 20.3.96 über die Tutzinger Tagung zum Verhältnis von Kirche und Staat

29 Vgl. Frankfurter Rundschau vom 31.10.97

30 Frankfurter Rundschau vom 1.2.93

31 Frankfurter Rundschau vom 26.9.95

32 "'Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ethisch vertretbar' - Zustimmung zur 'Novel-Food'-Verordnung der Europäischen Union/Erklärung der EKD zu Bioethik. in FAZ 12.11.97

33 Frankfurter Rundschau vom 3.5.97

34 Frankfurter Rundschau vom 8.1.98

35 Frankfurter Rundschau vom 15.9.95

36 Rüstung und Gewissen im Atomzeitalter (ohne Autor), Herder Korrespondenz IX 54/44 509-516, 514

37 Erzbischof Johannes J. Degenhardt, Entwicklungsperspektiven des Religionsunterrichts für die 90er Jahre, in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Religionsunterricht - Aktuelle Situation und Entwicklungsperspektiven, Bonn 1989, 7-21, 14

38 "Wachsam schaut der Kanzler auf Brandenburg", Tagesspiegel vom 22.10.96

39 Tatsächlich fand während des Dritten Reiches fast überall bis zum Kriegsende Religionsunterricht statt. Das 1946 vom katholischen Prälaten Neuhäusler verfaßte, mit kirchlichem Imprimatur und einem Vorwort Kardinal Faulhabers bedachte Buch 'Kreuz und Hakenkreuz' nimmt es mit der Wahrheit noch genauer. Dort ist lediglich von "Fesseln für den Religionsunterricht" die Rede. Der Verfasser zählt folgende Dinge auf: In Süddeutschland habe es ab 1935/36 wöchentlich nur noch drei statt vier (!) Stunden Religionsunterricht gegeben, der Unterricht wäre "mancherorts auf recht ungelegene Stunden verlegt worden" (nämlich auf die erste und letzte Vormittagsstunde), und im Zeugnis habe Religion an letzter, statt an erster Stelle gestanden. Daß es teilweise zur Bespitzelung von Religionslehrern kam, ist schlimm, aber ein Schicksal, das diese mit anderen Unterrichtenden geteilt haben. Immerhin setzt diese Bespitzelung voraus, daß der Unterricht stattfand. Vgl. Johann Neuhäusler, Kreuz und Hakenkreuz, München 1946. S. 105 -110

40 Der der katholischen Kirche nahestehende Religionssoziologe Franz-Xaver Kaufmann schreibt darin: "Die Erwartungen der Eltern an den Religionsunterricht orientieren sich... nicht an kirchlichen, sondern an Kriterien der sozialen Nützlichkeit. ... Das in jüngster Zeit wieder aufgeflammte Interesse an 'Religion' geht weitgehend am christlichen Glauben vorbei." (Franz-Xaver Kaufmann, Die heutige Tradierungskrise und der Religionsunterricht, in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Religionsunterricht - aktuelle Situation und Entwicklungsperspektiven, a.a.O. S. 60 - 73, S. 62f.) Der Trend hat sich fortgesetzt. Lediglich etwa 20% der Eltern in Westdeutschland und ca. 13% der Eltern im Gebiet der ehemaligen DDR wollen ihre Kinder religiös erziehen. (Zulehner/Denz, a.a.O., S. 24). Bei einer 1992 von der deutschen Bischofskonferenz veranlaßten Repräsentativbefragung katholischer Frauen, rangierte unter einundzwanzig Vorschlägen das Erziehungsziel "fester Glauben, feste religiöse Bindung" weit abgeschlagen an zweitletzter Stelle. (Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Frauen und Kirche. Eine Repräsentativbefragung von Katholikinnen im Auftrage des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach, Bonn 1993, S. 52)

41 Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz, PRDT97-029, Symposion: "Religion in der Schule - Orientierung in der offenen Gesellschaft", S. 2

42 Bischof Lehmann, in "Religion in der Schule - Orientierung in der offenen Gesellschaft", a.a.O., S. 4; Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (HG.), Religionsunterricht - aktuelle Situation und Entwicklungsperspektiven, a.a.O. S. 21

43 "Dem Wunsch konfessionsloser Eltern und Kinder mit dem Anliegen, im Religionsunterricht das Christentum mit seinen Werten und seinen Kulturen kennenzulernen kann entsprochen werden, wenn der katholische Religionsunterricht gewährleistet bleibt - Analog gilt dies für die besondere Situation z.B. in den neuen Bundesländern, wenn Regelungen getroffen werden, die eine Aufnahme nicht getaufter Schülerinnen und Schüler in größerer Zahl ermöglicht." Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Die bildende Kraft des Religionsunterrichts. Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts, Bonn, 1976, S. 79

44 FAZ vom 20.3.97

45 ebda

46 Pressestelle Bundesverband der Gemeindreferenten/innen und Religionslehrer/innen, Nürnberg, e-mail vom 10.11.97 "Religionsunterricht stärken - Gründung eines KED-Verbands auf Bistumsebene"

47 "Der Religionsunterricht darf ja nicht einfach von den 'Interessen' der Kirchen her betrachtet werden, er hat nicht weniger Bedeutung aus der Sicht des Staates, auch wenn er nicht einfach das Vehikel einer Staatsreligion oder einer Zivilreligion ist". Bischof Lehmann, in "Religion in der Schule - Orientierung in der offenen Gesellschaft, a.a.O., S. 3

48 Pater Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck (Katholisches Büro, Bonn), "Ersatzfach - ja, aber: Wer bestimmt die Inhalte", in der GEW-Zeitschrift nds 8/96 S. 3

49 So z.B. in RL, Zeitschrift für Religionsunterricht und Lebenskunde 25, 1996, Benno Bühlmann: Ethik-Unterricht als neue Herausforderung, zitiert nach Deutsche Lehrerzeitung 35-36/97 vom 4.9.97

50 Deutsche Bischofskonferenz, Die bildende Kraft des Religionsunterrichts, a.a.O., 22

51 Kamphaus sagte, "er werde sich von der Instruktion nicht beirren lassen" (in: Bischof unterstützt Protest von 'Wir sind die Kirche', in Frankfurter Rundschau vom 17.11.97)

52 "Wenn das Lehramt hinterherhinkt", Badische Zeitung vom 19.11.97

53 Kardinal Wetter fordert anderes Abtreibungsrecht, Frankfurter Rundschau 28.1.98: "Der Münchner Erzbischof... hat den Gesetzgeber zu einer Neuregelung des Abtreibungsrechts aufgefordert. Wetter sagte am Dienstag in München, nach dem Brief des Papstes müsse sich auf 'staatlich-politischer Seite etwas bewegen.'" Vgl. auch: "Bischof Saier will neue Abtreibungsdebatte, Badische Zeitung 4.2.98

54 "Nimmt der Staat das Monopol in Bildung und Erziehung für sich in Anspruch, dann ist er totalitär." Deutsche Bischofskonferenz, Die bildende Kraft des Religionsunterrichts, a.a.O., S. 22

55 Antje Vollmer, Die Kirche ist in schlechter Form - Ein Fall fürs Museum? Die grüne Politikerin macht sich Sorgen um die deutschen Protestanten, in: Das Sonntagsblatt Nr. 49 vom 5.12.97, S. 6f. , S. 6
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Verfasst am: Sa Dez 30, 2017 7:58 pm



Taren Plemmons



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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2018 2:35 pm Antworten mit Zitat

"Warte mal auf mich Schatz, ich mach nur noch schnell mein Make-Up."
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"Du brauchst doch kein solchen Make-Up."
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"Oh, das ist aber lieb von dir....ich mag, wenn du mir schmeichelst Smile"
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"Du brauchst plastische Chirurgie."
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Werner Mackie



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BeitragVerfasst am: Mo Feb 19, 2018 11:00 am Antworten mit Zitat

Guten Witz. Very Happy
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Werner Mackie



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Wohnort: Mainz
BeitragVerfasst am: Mo Feb 19, 2018 11:05 am Antworten mit Zitat

"Ich will nicht in die Schule!"

"Aber du musst in die Schule!"

"Die Schüler mögen mich nicht, die Lehrer hassen mich, der Hausmeister kann mich nicht leiden, und der Busfahrer kann mich nicht ausstehen."

Jetzt reiß dich bitte zusammen: "Du bist jetzt 45 Jahre alt und der Direktor - du musst in die Schule!"
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Marty Lutherman



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BeitragVerfasst am: Sa März 24, 2018 8:53 pm Antworten mit Zitat

Der Terrorist, der am Freitag in Südfrankreich mehrere Geisel genommen hatte, wollte offenbar auch Bomben zünden. Ermittler fanden in dem Supermarkt, wo die Geiselnahme stattfand, drei selbst gebaute Sprengsätze, außerdem eine Pistole und ein Jagdmesser. In der Wohnung des Attentäters fand die Polizei Notizen, bei denen es sich um eine Art Testament handeln soll. Der geplante Angriff soll darin nicht erwähnt sein.

Die vierstündige Geiselnahme in einem Supermarkt hatte am Freitag die südfranzösische Kleinstadt Trèbes erschüttert. Der 25-jährige Täter drang kurz nach elf Uhr am Vormittag in das Geschäft ein und erschoss drei Menschen, 15 weitere wurden verletzt. Um 15 Uhr wurde der Täter von einer Anti-Terroreinheit überwältigt und getötet. Vor der Geiselnahme stahl der Mann ein Auto, tötete den Beifahrer und verletzte den Fahrer schwer. Anschließend fuhr der Attentäter zu einer Kaserne der CRS, einer Spezialeinheit der Polizei. Dort schoss er auf eine Gruppe Polizisten, die gerade Sport machten. Dabei wurde ein Polizist schwer verletzt.

Der Attentäter soll sich mehreren Medien zufolge zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt haben. Amaq, das Propagandaorgan des IS, reklamierte die Tat für sich. Der Polizei zufolge soll der Attentäter die Freilassung von Salah Abdeslam gefordert haben, der bei den Terroranschlägen auf das Pariser Veranstaltungszentrum Bataclan am 13. November 2015 mitgewirkt haben soll. Damals wurden 130 Menschen getötet.

Die Behörden hatten den Attentäter offenbar seit Jahren wegen der Gefahr einer möglichen Radikalisierung in einer Datenbank erfasst. Frankreichs Innenminister Gérard Collomb zufolge sei eine derartige Tat aber nicht vorauszusehen gewesen.

Zu den insgesamt vier Toten kam in der Nacht auf Samstag ein weiterer hinzu: Der Polizist, der sich im Supermarkt im Tausch gegen eine Geisel zur Verfügung gestellt hatte, starb an seinen schweren Verletzungen. Der Attentäter soll mehrfach auf ihn geschossen haben. "Frankreich wird niemals sein Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen", teilte Innenminister Collomb der Nation via Twitter mit.
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Verfasst am: Sa März 24, 2018 8:53 pm



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