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Muttertag in der Grossfamilie
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Sa Mai 08, 2010 7:04 am Antworten mit Zitat

Helen Hess mit einem Blumenstrauss der «IG 3plus», die ihr damit zum Muttertag gratuliert.
Was bedeutet ein Muttertag für die Mutter einer Grossfamilie mit sieben Kindern? Wir besuchten Helen Hess im Neckertal, Kanton St. Gallen, und fragten nach.

Helen Hess, Sie sind Mutter von sieben Kindern. Was bedeutet der Muttertag für Sie?
Helen Hess: Ich merke, dass der Tag der Mütter bevorsteht, wenn die Kinder in der Schule basteln und sich freuen, der Mutter etwas heimzubringen. Von mir aus sollte aber nicht nur ein Tag der Mutter im Kalender stehen, sondern auch ein offizieller Vatertag.

Aber Sie feiern den Muttertag trotzdem?
Ich habe eine besonders gute Erinnerung an den Muttertag, weil unsere älteste Tochter 1993 am Muttertag getauft wurde. - Wir kochen uns an diesem Tag ein feines Mittagessen, und ich muss nicht abwaschen.

Mutter einer so grossen Familie zu sein, ist das nicht ein Knochenjob?
Als wir das fünfte Kind bekamen, meinte eine Nachbarin zu mir: Das muss Stress pur sein. Am meisten Stress hatte ich aber mit 2 und 3 Kindern. Da ist man am meisten gefordert. Wenn weitere Kinder kommen, wird es eher einfacher. Die Kinder beginnen, sich an der Hausarbeit zu beteiligen, und die älteren betreuen und beschäftigen die jüngeren.

Klar, man muss bei dieser Familiengrösse gut planen. Wenn einmal zwei oder drei Kinder gleichzeitig in einem Schullager sind, haben wir schon den Eindruck, der Mittagstisch sei halb leer. Eine Grossfamilie fördert die Kompetenzen der Eltern. Mein Mann fiel zum Beispiel bei einem Test als versierter Problemlöser auf. Ich selber merke, dass mir das Organisieren immer leichter von der Hand geht. Bisweilen hüte ich andere Kinder, wenn eine Familie plötzlich Unterstützung braucht.

Wo waren Sie als Mutter zuletzt am meisten gefordert?
(überlegt eine Weile) Eine ganz spezielle Situation fällt mir im Moment nicht ein. Meistens ist es aber der Stress, wenn ich an fünf Orten gleichzeitig sein sollte. Als zeitraubend empfinde ich zum Beispiel die vielen Elterngespräche, die heute alljährlich stattfinden - auch wenn unsere Kinder in der Schule sozial nur positiv auffallen. Sie gelten als ruhig, eher zu ruhig, obwohl sie überall präsent sind und auch nur geringe Lernschwierigkeiten haben. Vieles rund um den Tagesablauf der Kinder ist heute sehr zeitaufwendig geworden.

Spüren Sie manchmal einen Vorwurf, so viele Kinder zu haben?
Manchmal unausgesprochen, aber das ist die Ausnahme. Heute werden kinderreiche Familien wieder eher akzeptiert oder sogar positiv gewürdigt, weil inzwischen vielen klar geworden ist, dass die Schweiz zu wenig Kinder hat. Es werden ja zum Beispiel laufend Landschulen fusioniert und geschlossen.

Wichtig ist mir, dass es meinen Kindern gut geht. Wenn ich auswärts arbeiten würde, hätte ich wohl ein schlechtes Gewissen und würde mir laufend Sorgen um sie machen. Ich bin auch überzeugt, dass es nicht gut ist, die Kinder auswärts zur Betreuung abzugeben.





Helen Hess zusammen mit ihrer Familie.
Müssen Kinder in einer Grossfamilie nicht auf viele Annehmlichkeiten verzichten?
Am heutigen Konsumverhalten können wir uns natürlich nicht beteiligen. Allenfalls liegt zum Beispiel ein Skilager mit der Schulklasse drin. Bei Musikstunden wird es schon schwieriger, wenn auch die Eltern dafür aufkommen müssen.

Wie reagieren Ihre Kinder darauf?
Unsere Kinder beklagen sich nicht, und es wird ihnen auch nie langweilig. Raphaela, 9, bastelt zum Beispiel sehr gerne. Unser Ältester ist soeben beim FC eingestiegen. Das kostet nicht viel und es gefällt ihm. Mirjam, 12, hütet öfter Kinder. Oder sie spaziert mit den Hunden im Dorf, die sich auf ihr Kommen sichtlich freuen. Regina, 14, ist sehr hilfsbereit. Sie kocht zum Beispiel aus eigener Initiative das Mittagessen, wenn ich einmal später nach Hause komme.

Woher beziehen Sie die Kraft, mit diesen Einschränkungen zu leben, insbesondere jetzt, wo Ihr Mann auf Stellensuche ist?
Wir schöpfen Kraft aus dem Glauben an Gott und aus den christlichen Werten. Das sind die besten «Lebensversicherungen». Gott hat uns in Notsituationen schon oft geholfen.

Fühlen Sie sich als Mutter und Familienfrau gesellschaftlich anerkannt?
Ja, das ist in unserem Dorf kein Problem. Es gibt in der Pfarrei unserer Nachbargemeinde St. Peterzell eine Frauen- und Müttergemeinschaft. Da bin ich gerne dabei. Und der Turnverein organisiert ein Mu-Ki-Turnen. Das sind im Moment meine Aussenengagements. Wir pflegen auch regen Kontakt mit anderen Familien und christlichen Jugendorganisationen.

Ist unsere Gesellschaft mutterfreundlich?
(überlegt) Wenn ich - was selten vorkommt - mit mehreren Kindern im Zug reise, erhalte ich oft positive Blicke, weil die Kinder nicht auffällig sind. Ältere Menschen freuen sich über unsere Kinder, weil sie sich auch im Zug gut verhalten.

Was kann nur die Mutter tun, aber nicht der Vater?
Das ist wohl bei jedem Ehepaar je nach Begabung und Umständen unterschiedlich. Was uns betrifft, so mache ich abends die Runde von Zimmer zu Zimmer. Die Kinder erwarten, dass ich selbst vorbeikomme. Wenn ein Kind eine schwierige oder eine schöne Erfahrung erzählen will, bleibe ich etwas länger und höre zu. Wir schliessen danach mit einem Gute-Nacht-Gebet ab, manchmal zu zweit oder dann mit zwei oder drei Geschwistern zusammen. Manchmal erzähle ich den Jüngeren auch tagsüber eine kleine Geschichte, und zuweilen erzählen die Grösseren den Kleineren.

Wie können Kinder, wie kann der Ehemann eine so vielbeschäftigte Mutter entlasten?
Die Kinder können viele kleine Handreichungen tun und «Ämtli» erledigen. Mein Mann zeigt sich als Vorbild und reinigt jedes Wochenende die Böden in den verschiedenen Gängen; ein gutes Beispiel dafür, dass alle im Haus mithelfen.

Pflegen Sie ein Hobby?
Wir haben ein kleines Treibhaus neben dem Haus. Das Gärtnern macht mir Spass und viel Freude. Ich geniesse auch das Klima in diesem Treibhaus, man fühlt sich da wie in den Ferien im warmen Tessin.

Denken Sie, dass Sie wieder einmal Lust für mehr Aussenengagements oder die Berufsarbeit haben?
Wenn unser Jüngster 14 sein wird, bin ich 54. Da wird es schwer sein, beruflich wieder einzusteigen. Ich werde dennoch immer genug zu tun haben. Früher habe ich oft Handarbeiten gemacht, wenn Zeit dafür übrig blieb. Ich kenne eine Mutter mit 7 Kindern, die auch mit 70 immer noch voll beschäftigt ist!

Zur Person und Familie:
Helen Hess und ihre Familie ist wie mehr als tausend andere Familien mit drei und mehr Kindern Mitglied der «Interessengemeinschaft Familie 3plus». In einer grossangelegten Muttertags-Aktion dankt der Verein den Müttern dieser Familien zum diesjährigen Muttertag 2010 mit einem Blumenstrauss. Die «IG Familie 3plus» bildet für diese Familien ein tragfähiges Netzwerk, das Hilfe in Not und verschiedene Serviceleistungen und Vergünstigungen anbietet.

Helen Hess ist 44 und Vollzeit-Mutter von 7 Kindern im Alter von 4 bis 17 Jahren. Vor ihrer Familienzeit absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete dann 4 Jahre bei der Telefondirektion sowie als Reiseleiterin und -planerin bei einem Busunternehmen. Zudem war sie zu Sprachaufenthalten in England und Lausanne. Nach der Heirat gab sie die Stelle auf.

Die Familie Hess wohnt in einem ehemaligen Kinderheim in Dicken bei Degersheim. Der Familienvater Paul ist derzeit stellenlos, nachdem sein Arbeitgeber die Arbeitsplätze nach Osteuropa ausgelagert hat.

Autor: Fritz Imhof
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Verfasst am: Sa Mai 08, 2010 7:04 am



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