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Handfestes für den Glauben. (Salomos Tempel.)
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BeitragVerfasst am: Do Nov 29, 2007 1:35 am Antworten mit Zitat

Handfestes für den Glauben
Von Tobias Hürter

Hatte die Bibel doch Recht? Eine alte Bauinschrift soll die Existenz von Salomos Tempel belegen. Geologen halten den Fund für echt – Schriftexperten dagegen für eine plumpe Fälschung

Was am vorvergangenen Montag in der israelischen Zeitung Ha’aretz zu lesen war, lässt an ein biblisches Wunder denken: Nach 2400 Jahren gibt die heilige Erde des Jerusalemer Tempelbergs endlich einen handfesten Beleg für den Tempel Salomos frei, das erste Gotteshaus des Judentums. Eine steinerne Tafel berichtet in althebräischer Schrift von Ausbesserungsarbeiten am Tempel, die der „König von Juda, Sohn des Ahaziah“ einst durchführen ließ. Bibelkenner erinnerten sich sofort an das zweite Buch der Könige, zwölftes Kapitel, das ebensolche Reparaturen am Tempel Salomos in ganz ähnlichen Worten beschreibt. Als Auftraggeber nennt die Heilige Schrift den historisch sonst unbekannten König Joasch, der Juda am Ende des 8. vorchristlichen Jahrhunderts regierte.

Ist dies der lang ersehnte Fund, der die Ursprünge der jüdisch-christlichen Religion von der Legende in die Geschichte holt? Eine antike Bautafel? Schon bejubelte Gabriel Barkai, Archäologe an der Bar-Ilan-Universität, den „bedeutendsten Fund in der Geschichte Israels“. Auch rechte Politiker reiben sich die Hände: Die Joasch-Tafel könnte dem Streit mit den Palästinensern um den Tempelberg eine neue Wendung geben.

Vielleicht kommt die Freude zu früh. Denn Barkais Forscherkollegen sind geteilter Meinung über die Echtheit der Tafel. Die erste archäometrische Analyse gibt Barkai zunächst Recht. Fast ein Jahr lang hatten Shimon Ilani und Amnon Rosenfeld vom staatlichen Geological Survey die Tafel mit dem Elektronenmikroskop abgetastet und ihre Zusammensetzung mit Röntgenstrahlen und einem Spektrometer analysiert. Ilanis klares Verdikt: „Das Stück ist authentisch.“ Es sei „unvorstellbar“, dass eine Fälschung solch ausgiebige Tests unentdeckt überstehe.

Spritzer aus Gold

Auf dem Sandstein, der vermutlich aus der Gegend des Jordan oder des Toten Meeres stammt, wollen Ilani und Rosenfeld sogar mikrometergroße Goldtropfen gefunden haben, die nur bei großer Hitze dorthin gelangt sein können. Spritzte das geschmolzene Edelmetall womöglich bei einem Feuer im Tempel auf die Tafel? Babylonische Truppen brannten das Bauwerk 586 vor Christus nieder. Mit der Radiokarbonmethode datierten die Geologen Kohlenstoffpartikel (Ruß?) aus der Patina, welche die ursprünglich weiße Tafel samt Inschrift bedeckt und sich bis in die kleinsten Risse zieht. Demnach lag die Tafel ab dem Jahr 390 vor Christus unter der Erde.

Als vergangene Woche die ersten Bilder der 27 mal 31 Zentimeter großen Tafel durch die Presse gingen, waren die Schriftkundler am Zug – und sofort widersprachen sie den Naturwissenschaftlern. Noch bevor sie das Original in Augenschein nehmen konnten, erklärten viele Epigrafiker die gemeißelten Lettern zur Fälschung. Einem königlichen Schreiber, der die Buchstaben derart schlampig gesetzt hätte, wären die Hände abgehackt worden, waren sich Schriftexperten aus Israel, den USA und Deutschland einig, die sich in Jerusalem spontan zu einem Seminar versammelten. „Der Fälscher kann offenbar nur schlecht Althebräisch“, sagt Ernst Axel Knauf, Hebraist an der Universität Bern, zurzeit im Sabbatjahr in Jerusalem. „Da wurden schlicht ein paar Bibelstellen kombiniert.“ Die Zeichenformen habe der Fälscher aus moabitischen und judäischen Vorbildern des 9. bis 7. Jahrhunderts zusammengemischt. Beim Abschreiben unterliefen ihm indes mehrere Fehler: „Ein Wort ist so entstellt, dass es gar keinen Sinn mehr ergibt“, sagt Knauf. Ein anderes Wort sei in dieser Form erst Jahrhunderte später in Gebrauch gekommen.

Besser spät als nie »
Auch das Material der Tafel nährt den Zweifel der Experten: „Bauinschriften in Sandstein habe ich noch nie gesehen“, stutzt der Tübinger Bibel-Archäologe Siegfried Mittmann. „Sie sind normalerweise aus Basalt oder Kalkstein.“

Noch mehr staunte Nadav Na’aman, Historiker an der Universität Tel Aviv und Spezialist für das Buch der Könige, als er vorvergangenen Montag die Zeitung aufschlug. Seiner Theorie nach entstand das Buch erst Jahrhunderte nach den Ereignissen, die es beschreibt – die Urheber mussten sich deshalb auf Überlieferungen stützen. Gerade das besagte zwölfte Kapitel müsse eine Inschrift des Königs Joasch zum Vorbild gehabt haben, vermutete Na’aman schon 1998. War womöglich die jetzt aufgetauchte Tafel eine Quelle der Heiligen Schrift? „Entweder habe ich mit meiner Theorie den Nagel auf den Kopf getroffen, oder der Fälscher hat sie gelesen und beschlossen, sie zu bestätigen“, sagt Na’aman. Er neigt allerdings eher zur letzten Möglichkeit: „Die Tafel ähnelt keiner königlichen Inschrift, die ich kenne.“

Bisher gibt es nur Gerüchte darüber, wo genau die Tafel ans Licht kam. Ein Jerusalemer Sammler, der sie angeblich zuerst dem Israel-Museum angeboten hat, bleibt im Hintergrund. Seine Anwälte und die beteiligten Wissenschaftler weigern sich, den Fundort zu verraten.

Mit Berufung auf mysteriöse „Quellen“ berichtete Ha’aretz zunächst, die Tafel sei bei muslimischen Grabungsarbeiten auf dem Tempelberg gefunden worden. Dort, am dritthöchsten Heiligtum des Islam, baut die Al-Aksa-Stiftung an der größten Moschee des Vorderen Orients. Doch fünf Tage nach der ersten Meldung schrieb Ha’aretz dann, das Stück sei anderswo her: vom muslimischen Friedhof vor dem Goldenen Tor (einem inzwischen vermauerten Zugang zum Tempelbezirk). Für die Beurteilung der Tafel ist der Fundort entscheidend, denn er könnte einen Irrtum der Geologen erklären: „Die saure Friedhofserde hat die Patina der Tafel womöglich schneller altern lassen“, sagt Knauf.

Rätsel um die Patina

Die Umstände des Tafelfunds erinnern verdächtig an die Geschichte der Knochenkiste mit dem angeblich frühesten außerbiblischen Hinweis auf Jesus, die letzten Oktober für weltweite Aufregung sorgte: „Jakob, Sohn des Josef, Bruder des Jesus“ war darauf gemeißelt (ZEIT Nr. 44/02.) Auch diesen Fund untersuchten zunächst Geologen (unter ihnen auch Shimon Ilani und Amnon Rosenfeld) und datierten ihn tatsächlich auf das siebte Jahrzehnt nach Christus. Epigrafiker befanden die Inschrift zunächst ebenfalls für echt. Das ist sie wohl auch – aber nur halb. Tatsächlich dürfte die Kiste aus Kalkstein einst die Überreste eines „Jakob, Sohn des Josef“ enthalten haben. Den zweiten Teil jedoch, der Jakob als „Bruder des Jesus“ ausweist, hat Jahrhunderte später ein plumper Fälscher hinzugefügt. „Man muss blind wie eine Fledermaus sein, um die Fälschung nicht zu erkennen“, lästerte die US-Schriftexpertin Rochelle Altman.

Wenn die jüngsten Funde tatsächlich Fälschungen sind, dann sind sie von ungekannter Tücke. „Bisher konnten die Naturwissenschaftler Fälschungen immer entlarven“, sagt Knauf. „Wenn sie die Patina für echt erklärten, war die Inschrift echt.“

Die Fälscherindustrie, die in Jerusalem und Damaskus schon mit dem mittelalterlichen Reliquienhandel erblühte, störte dies lange nicht, denn sie konnte mit Gutgläubigkeit ihrer Kundschaft rechnen. Oft genügten einige Betonspritzer auf Keramik, um alten Sinter nachzumachen. „Schon ein kleiner Siegelabdruck brachte mehrere tausend Euro“, sagt Reinhard Lehmann, Hebraist an der Universität Mainz. Doch mit den neuen Spannungen in Nahost versiegte der Tourismus – und damit die wichtigste Einnahmequelle der Fälscher. „Jetzt satteln sie um auf spektakulärere Arbeiten für den internationalen Markt“, beobachtet Knauf.

Warum aber solche Raffinesse beim Material, um es dann mit einer stümperhaft ausgeführten Inschrift zu versehen? „Bei der Schrift glauben die Fälscher schlampen zu können“, vermutet Lehmann, „weil niemand genau weiß, wie althebräisch in Stein geschrieben wurde.“ Den Epigrafikern fehlen die Vergleichsfunde.

Ob echt oder falsch: Dass die Tafel ausgerechnet jetzt auftaucht, gibt ihr auch politische Brisanz. Denn gerade gerät Israel in die heiße Phase des Wahlkampfs, und auf dem Tempelberg fokussieren sich die Spannungen zwischen Juden und Moslems. Die letzte Wahl gewann Premierminister Ariel Scharon nicht zuletzt mit einem provozierenden Besuch auf dem palästinensisch verwalteten Tempelplatz. „Nichts fürchten die Palästinenser mehr als neue israelische Ansprüche auf den Tempelberg“, sagt der Mainzer Archäologe Wolfgang Zwickel. Die palästinensische Bauleitung ließ deshalb vor drei Jahren Hunderte Lastwagenladungen Aushub vom Tempelberg in das nahe gelegene Kidron-Tal kippen, bevor Archäologen ihn durchsuchen konnten.

Mit weiteren wundersamen Schriftfunden ist gleichwohl zu rechnen. Sie haben im Heiligen Land Tradition: Das Buch der Könige selbst berichtet, wie ein Priester bei Tempelrenovierungen ein altes Gesetzbuch „findet“, das nach Gottes Willen für das Volk Israel gelten soll. Aufgeklärte Theologen gehen davon aus, dass die Priester die Gesetze damals selbst geschrieben haben.
Um sich eine Vorstellung zu machen, wie der Tempel ausgesehen hat,
hier ein Link dazu.
http://www.ekd.de/salomo/tempel.html

http://www.zeit.de/2003/05/Salomontempel
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Verfasst am: Do Nov 29, 2007 1:35 am



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