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Israelische Christen am Scheideweg: Sie wären gerne vollwert
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
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BeitragVerfasst am: Mo Jan 14, 2008 6:15 pm Antworten mit Zitat

Israelische Christen am Scheideweg: Sie wären gerne vollwertige Bürger

Gemeindezentrum "Logos" der christlichen Gemeinde in Maghar / Israel.

Der Leiter der Delegation "Kirche in Not" (KIN), Hans-Peter Röthlin, betont: "Wir haben das wichtigste Bedürfnis der Christen im Heiligen Land verstanden – die Notwendigkeit, ihnen eine Existenzmöglichkeit in Israel zu bewahren. Denn ihre Existenz dort ist bedroht, und das im Land der Geburt Christi, der Wiege der Christenheit. Es wäre dramatisch, wenn sie keine andere Möglichkeit mehr sähen, als zu emigrieren."

Turan liegt rund 15 Kilometer abseits der Strasse, die Nazareth mit Tiberias verbindet. Im Herzen der mehrheitlich muslimischen Stadt haben sich die Gläubigen einer kleinen griechisch-katholischen Pfarrei versammelt, um eine Delegation des Hilfswerks "Kirche in Not" zu empfangen.

In ihrer Kirche, die die Jugendlichen des Ortes liebevoll restauriert haben, berichten sie von der Schwierigkeit, als arabische Christen in Israel zu leben. Viele von ihnen träumen von Europa, Amerika, Australien; einige haben den Schritt schon gewagt.

Land beschlagnahmt
"Unsere Gemeinde besteht vor allem aus Arbeitern, Angestellten und ein paar Bauern. Der Grossteil unseres Landes wurde – wie in den meisten arabischen Orten – von Israel beschlagnahmt." Der Ortspriester und seine Gemeinde sind verbittert. "Wir unterliegen Einschränkungen beim Zugang zu bestimmten Berufen. Viele unserer Jungen können in diesem Land nicht studieren. Wenn sie die Mittel dazu finden, wandern sie aus…"

Bürger zweiter Klasse
"Wir werden zurückgewiesen und diskriminiert, wir sind israelische Bürger zweiter Klasse. Wir wollen nicht, dass es unseren Kindern ebenso ergeht. Ich habe einen Sohn in den Vereinigten Staaten, ich will nicht, dass er wiederkommt und die gleichen Demütigungen über sich ergehen lassen muss", gesteht ein Gläubiger aus der Pfarrei.

Obwohl die meisten der 11.000 Einwohner Turans muslimisch sind, zählt die Gemeinde 1.600 Christen. Die Kirche ist zu klein für die Pfarrei, aber in der geschützten historischen Altstadt dürfen die griechisch-katholischen Christen nicht weiter ausbauen. Die Gemeinde musste weiter ausserhalb ein Grundstück zurückkaufen, das zuvor durch ein "Gesetz über den Besitz Abwesender" beschlagnahmt worden war.

Das Gesetz, das auch den Namen "Gesetz über aufgegebene Besitztümer" trägt, wurde 1950 nach Israels Unabhängigkeit erlassen, um arabisches Land zu beschlagnahmen. Personen – obgleich physisch anwesend – wurden als juristisch abwesend deklariert und verloren so ihre Güter.

Auswanderung
"Wir können nichts ändern, also wandern die Menschen aus… Seit 1948 geht die Zahl der Christen immer weiter zurück. Von ehemals 75 Prozent Christen in Nazareth bleiben heute nur noch 35 Prozent, in Turan sank die Zahl von 35 auf 17 Prozent. In Nazareth wurde seit der Gründung Israels nur eine einzige Kirche gebaut, hingegen entstanden zehn Moscheen. Es wäre besser, wenn die Heiligland-Pilger nach Mekka gingen, hier werden sie bald keine Christen mehr treffen", gibt ein anderes Pfarreimitglied seiner Verbitterung Ausdruck.

Er erinnert an die fanatischen Übergriffe von Muslimen in Turan, die 1977 einen christlichen Studenten das Leben kosteten und einen erheblichen Sachschaden anrichteten. Häuser und Autos wurden in Brand gesteckt. "Diese Wunde ist nie verheilt, und seither zieht es die Jungen fort!" Die christliche Spiritualität habe das Land verlassen, und wie zur Bestätigung dringt der Ruf des Muezzins aus der benachbarten Moschee in die Kirche.

Gottesdienst im Wohnwagen
Unweit des Dorfes Buqeia, von den Israelis Peki'in genannt, hat sich in den 1950er Jahren die Familie Makhoul niedergelassen. Die Christen leben nur wenige Kilometer vom Ortskern des mehrheitlich drusisch bevölkerten Ortes, der als einziger arabischer Ort allen Abbruchversuchen der Israelis standgehalten hat.

"Wir wollten verhindern, dass unser Land beschlagnahmt wird, wie es anderswo im Zuge der Judaisierung Galiläas passiert ist", sagt ein Freiwilliger, der beim Aufbau einer Kirche in Peki'in mithilft. Zeitweise haben die ortsansässigen Christen ihre Gottesdienste in einem Wohnwagen gefeiert.

Auch in Tarshisha, einem grossen arabischen Dorf neben der jüdischen Stadt Ma’alot, berichten Christen von der Konfiszierung grosser Teile ihres Ackerlandes, ebenso in Mi’ilya. "Wir werden wir Flüchtlinge behandelt, und das auf unserem eigenen Land", meint ein junger Mann, der nach Brasilien ausgewandert ist. "Ich bin zurückgekommen, um mit meiner Familie Weihnachten zu feiern; meine Schwester lebt im Senegal, andere Familienmitglieder noch anderswo."

Zwischen den Fronten
In Maghar, einem mehrheitlich von Drusen bewohnten galiläischen Ort mit 18.000 Einwohnern, ist es im Februar 2005 zu heftigen Ausschreitungen gegen die 5.000 Christen gekommen. Christlichen Jugendlichen wurde vorgeworfen, pornographische Bilder von drusischen Mädchen ins Internet gestellt zu haben. Obwohl der Verursacher der Gerüchte, ein 16-jähriger Druse, rasch von der Polizei der Lüge überführt wurde, steckten hunderte drusischer Jugendliche Häuser und Autos von Christen in Brand. Die israelische Presse sprach von "Pogrom" und "Kristallnacht".

„Polizei sah zu“
Maher Aboud war zu dieser Zeit Pfarrer der griechisch-katholischen Georgskirche in Maghar. 35 Tage sei Aboud in der Kirche eingeschlossen gewesen, berichtet der melkitische griechisch-katholische Erzbischof von Galiläa, Elias Chacour. Die Drusen hier seien gewalttätig, und die israelische Polizei habe sich während der Ausschreitungen damit begnügt, zuzusehen. In den ersten Tagen hätten weder Polizei noch Feuerwehr eingegriffen, sagt Abouds Nachfolger Fawzi Khoury.

"Ich bin überzeugt, dass die Polizei die Meute noch ermutigt hat. Dies ist ein Beispiel für die Diskriminierungen, die wir als Palästinenser in Israel erdulden müssen", so Khoury. "Die arabischen Kommunen sind bankrott, sie erhalten vom Staat nicht mal zehn Prozent des Geldes, das jüdische Städte erhalten. Das alles verstösst gegen die Menschenrechte, und so lange keine Gerechtigkeit herrscht, wird es in diesem Land keinen Frieden geben", ist er überzeugt.

Versöhnung nötig
Drei Jahre sind seit den Unruhen in Maghar vergangen. Die meisten christlichen Schüler meiden die öffentlichen Schulen, um nicht den Angriffen der drusischen Mitschüler ausgesetzt zu sein. Ihre Eltern finanzieren den Transport in die umliegenden christlichen Dörfer. "Es ist nicht leicht zur Schule zu gehen, wenn einem dort Misshandlungen und Schläge drohen. Die Situation heute scheint zwar ruhig, aber eine wirkliche Versöhnung hat es nicht gegeben."

Erzbischof Chacour liebäugelt daher mit dem Bau einer christlichen Schule in Maghar. Auch drusische Schüler würden dann dort aufgenommen – "im Sinne der Versöhnung und des Friedens!"

Info Drusen
Als Drusen wird nach Ismail ad-Darazi, einem ihrer Hauptpropagandisten, eine Anfang des elften Jahrhunderts von den Ismailiten aus dem schiitischen Islam hervorgegangene arabische religiös-ethnische Gemeinschaft bezeichnet, die verschiedene religiöse Traditionen zusammengeführt hat.

Die streng monotheistischen Drusen glauben an die Inkarnation Gottes in der Person des Fatimidenkalifen Al-Hakim (* 985) und bezeichnen sich selbst als "muwahhidun" (arabisch "Bekenner der Einheit Gottes"). Sie glauben an die Seelenwanderung und an eine bis zur Vollkommenheit fortschreitende Läuterung der Seele. Die Gläubigen gliedern sich nach der Einweihung in ihre Lehren in "Dshuhhal" (Unwissende) und "Uqqal" (Eingeweihte).

In Israel wurden die Drusen 1957 als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt und geniessen besondere Rechte gegenüber arabischen Muslimen und Christen.

Drusen sehen sich als Araber, jedoch nicht unbedingt als Muslime. Obwohl stark schiitisch geprägt, sind die Unterschiede zum Islam sehr gross. Insbesondere die Ablehnung des Propheten Mohammed und die Ansicht, dass der Koran keine absolute Offenbarung sei, setzen die Drusen von allen Richtungen des Islam ab. In den letzten Jahrzehnten geschah eine Annäherung an den Mehrheitsislam.

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Verfasst am: Mo Jan 14, 2008 6:15 pm



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