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Christival-Gegendemo: »Masturbieren statt Missionieren«
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Golf_Variant



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Anmeldedatum: 03.07.2006
Beiträge: 4211
Wohnort: Niedersachsen.
BeitragVerfasst am: Do Mai 01, 2008 3:33 pm Antworten mit Zitat

Von Pascal Görtz

Weibliche Aktivisten auf dem Weg zur Demonstration

Ey, für wen fotografierst Du?, schallt es mir entgegen. Für einen Verlag, antworte ich. Einen Verlag? Einen Zeitschriftenverlag. Eure Themen, fragt sie. Ethik, gesellschaftliche Verantwortung, Weltanschauungsfragen eben. Was einen halt so treibt als „Christ“. Ob das okay sei, als Christ an der Demo gegen sexuellen Missbrauch teilzunehmen, will ich von der dunkel gekleideten Aktivistin und vermeintlichen Pressebeauftragten wissen, die mir nicht über den Weg traut. Dass sie mir schließlich das rosa Pressebändchen trotzdem an meinem Arm lässt, hat ganz profane Zusammenhänge. Zeitdruck. Die Demo startet.

Ich stehe am Rande der Bürgerweide, nur wenige hundert Meter entfernt vom Christivalgelände in Bremen. Etwa 500 Demonstranten, ein paar knallbunte, freakige und eine Menge mehr schwarz gekleidete Linke wagen den Zusammenschluss. Es sind Frauenrechtlerinnen, Homosexuelle, Antifaschisten und angetrunkene Störer, die sich auf Megafonansage hin in Bewegung setzen. Allen voran: Der Zug der FeministInnen mit ein paar Parolen, über die man auch mal schmunzeln kann. Da werden die männlichen Kollegen auch mal zur Zurückhaltung gebeten – ob sie sich wohl weiter hinten im Zug einreihen könnten, um nach Jahrtausende langer Vorherrschaft des Mannes dem weiblichen Kampf gegen diese Unterdrückung Raum zu geben.

Hier wird nicht wirklich für dieselbe Sache eingestanden, wie auch die Transparente zeigen. „Masturbieren statt Missionieren“ steht auf einem, „Bleiberecht für die Opfer sexueller Gewalt“ auf einem anderen, oder „Keine Kopftücher an unseren Schulen“. Dass sich der Protest kanalisiert, hängt mit dem gemeinsamen Feindbild zusammen, das die Demonstranten im Christival gefunden haben. Der kleinste gemeinsame Nenner: Homophobie, aber auch Vermischung von Politik und Religion im Lager der Evangelikalen. Beides darf man durchaus kritisieren, wenn man es nicht sogar muss.

Kaum 200m weit kommt der Zug, dann erreicht er bereits sein Ziel. Die Bürgerweide, wo an diesem Abend die Eröffnungsveranstaltung des Christivals stattfindet. Jener christlichen Großveranstaltung, die linke Aktivisten aller Couleur in Bremen auf die Straße bringt, weil sie ungewollt zu provozieren scheint mit ihrer „happy clappy Glücklichkeit“, das die Demonstranten als Schafspelz für den evangelikalen Wolf identifizieren. Ein, zwei Christival-kritische Parolen werden skandiert, zwei Feuerwerkskörper fliegen, und wie auf Kommando entfernt sich ein Teil des schwarzen Blocks in Richtung Festivalgelände. Als der Polizei die Lage bewusst wird, droht die Atmosphäre sich weiter aufzuheizen.

Christina* ist keine der Störer, aber sie empfindet den Protest als Notwendigkeit. Ob sie das Christival als Gefahr für gesellschaftliche Errungenschaften sieht, frag ich sie, als die Polizei die letzten Krawallmacher freigibt und sich der Protestzug wieder in Bewegung setzt. Die Bilanz zu diesem Zeitpunkt: Zwei polizeiliche Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und ein leicht verletzter Polizist. Christina ist vorsichtig, als sie mich als Journalisten identifiziert. Was ich aus unserem Gespräch heraushöre, ist die Angst vor amerikanischen Verhältnissen, christlich-rechten Seilschaften und gesellschaftlichem Druck auf Randgruppen. Dass sie dafür 16.000 Christivalbesucher in Sippenhaft nimmt, erscheint ihr plausibel: Wer hingeht, unterstützt ein bedrängendes Missionsverständnis, Schwulenfeindlichkeit und ein mittelalterliches Familienbild.
Während der 15 Minuten Gespräch bleibt es beim wir und ihr. So sehr ich mich bemühe. „Es geht mir auch nicht darum, dass wir uns hier nett unterhalten können. Ich kann mich auch mit Nazis nett unterhalten, aber das ändert nichts an den Überzeugungen“, sagt Christina.
Immerhin suchen wir Worte, auch wenn ich Christina nicht dazu bewegen kann, mich mal für zwei Stunden auf das Christival zu begleiten, um mit ihrem Blick vermeintliche Gefahren der Szene zu reflektieren. Wir scheinen die einzigen zu sein, die überhaupt in einen Dialog über Inhalte verwickelt sind. Ein Großteil der Demonstranten scheint in der Protestkultur aufgegangen zu sein, die sich Anlässe sucht. Aus dem Megaphon brüllen Kampfparolen und vorgefertigte Erklärungen. Sie werden auf diese Art und Weise kaum einen der 16.000 Christivaler erreichen - so sinnvoll es auch sein könnte, sich in christlichen Kreisen mit der inhaltlichen Kritik und dahinter versteckte Motiven auseinander zu setzen.

Ob sie morgen mit mir aufs Christival gehen wollen, frage ich zwei weitere Aktivistinnen. Sie wirken fast so, als würden sie es gerne tun. Nur haben sie leider keine Zeit: Hamburg ruft. Und der Protest zum 1. Mai. Da geht es dann um die wirklich wichtigen Themen. Globalisierungskritik, auch darin sind sich die verschiedenen Gruppen einig. (pg)

* Name von der Redaktion geändert

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Verfasst am: Do Mai 01, 2008 3:33 pm



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